von den höchsten Würden. Selbst der Bischof freute sich, ihn inseiner Capelle zu hören und versprach, die Sache der Religionbeim Kaiser mit seinem ganzen Ansehen zu unterstützen.
(Fortsetzung folgt.)
.«»mSStt« «l nHkhIln?!^, ,t» l,U»Ä ^>i, Äo m:Der qute Pater Thomas.' (Schluß.)
^
II.
In einem der von Pater Thomas gemietheten drei Zim-mer schlief er selbst, in dem entgegengesetzten seine Schwester Bcttyund das zwischen beiden gelegene ziemlich geräumige Gemach dienteihnen als ArbeitS-, Speise- und Empfangs-Saal. Ein Schreib-tisch, auf welchem ein Bücherschrank angebracht war, stand in einerEcke desselben, in einer andern ein Betstuhl, über welchem einCruzifir hing, in der Mitte erblickte man einen runden Tisch miteinem reinlichen Tiroler-Teppich bedeckt, an der Hinterwand sahman ein mit braunem Leder überzogenes Canapee, vor welchem einkleinerer, ebenfalls mit einem Tcppich bedeckter Tisch stand; Betty'sArbeitstischchcn am Fenster, zwei Armstühle, ein halb DutzendSesseln, zwei heilige Gemälde an der Wand, nebst einer Penrcl-Uhr über dem Kamin, waren die Möbeln, die man in PaterThomas' Empfcmgsaal antraf.
Eines Morgens saß darin am Fenster, mit weiblicher Arbeitbeschäftiget, eine Person hoch über die Vierzig. Ihr Gesicht warvon Blatternarben entstellt, ihre gutmüthigen Augen schielten einwenig, ihre Gestalt war unansehnlich, aber in diesen wenig ein-nehmenden Körpcrformen wohnte eine schöne Seele. Von Jugendauf an Entbehrungen, Kränkungen und Leiden aller Art gewöhnt,nahm sie dieselben mit jener Ergebung hin, welche nur denjenigenhöheren Naturen eigen ist, die das Christenthum richtig auffassenund auch im Leben üben. Diese Person war Betty, die würdigeSchwester des guten Pater Thomas, war auch zugleich ein getreuerAbdruck seiner edlen Seele.
Heute kömmt er aber wieder gar zu lange nicht nach Hause;schon zehn Uhr durch und er hat noch nicht gefrühstückt, der armeBruder! Die Straßen werden Menschenleer, jeder sucht Schutzin seiner Wohnung vor den heißen Sonnenstrahlen; aber er ver-gißt seine schwächliche Gesundheit, seine körperlichen Schmerzenund alles Zeitliche, wenn ihn sein heiliger Beruf beschäftigt hält.Kaum hatte Betty diese Worte für sich gesprochen, trat PaterThomas in die Thüre.
Guten Morgen Bctty, habe dich lange mit dem Frühstückwarten lassen, nicht wahr? Nun es wird uns desto besser schme-cken, redete er seine Schwester an, während sie ihm Hut undStock abnahm und er sich den Schweiß von der Stirne abtrocknete.Meine alten Knochen wollen nicht mehr recht fort; — fügte erhinzu, indem er sich auf einen Armstuhl niederließ und seineBeine rieb — freilich haben sie in den amerikanischen Urwäldernschon ihre Dienste gethan, wahrlich es wäre von mir undankbar,mich über sie beschweren zu wollen.
Gewiß das wäre es, und eö ist schon selbst undankbar, daßdu sie nicht mehr schonst, lieber Bruder, entgegnete die besorgteBetty.
Schelte mich nur rechtschaffen aus, ich verdiene es, schondeßhalb, weil ich deine Morgcnsuppe kalt werden ließ, sagte PaterThomas gutmüthig lächelnd zu seiner Schwester, die beschäftigtwar den Tisch zu decken, und eben im Begriffe stand das Früh-stück herbeizuholen.
l Als sie beim Mahle saßen und rüstig dem aufgetragenen! Gerüchte zusprachen, frug Pater Thomas, ob während seiner Ab-'Wesenheit Niemand nach ihm gefragt.
Doch, erwiderte Betty, die Gräsin Orsini kam mit ihrerTochter selbst vorgefahren, sie läßt dich für Montag zur Mittags-tafel bitten, sie feiert an diesem Tag ein Familien-Fest und sie,wie ihr Fräulein, drangen sehr in mich, dich zu überreden ihreEinladung anzunehmen. Auch der deutsche Baron war du, er willwieder kommen, da er dich, wie er sagte, noch heute zu sprechenwünscht. Und hier sind zwei Taschenbücher, welche die PrinzessinnenAmalie und Sophie zum Geschenk geschickt.
Pater Thomas nahm wohlgefällig die zwei elegant cingebun-! denen Bände zur Hand, blätterte darinnen und sagte: — die guten! Kinder wissen, daß ich von Zeit zu Zeit gerne an einer heiteren^ Leclüre nasche.
Auch der Jude Lapar hat nach dir gefragt — fuhr Bctty!in ihrcm Bericht fort, nachdem ihr Bruder die Taschenbüchcr wie-der bei Seite gelegt, und sich wieder zu Tische gesetzt hattc.
Kaum hatte Bctty diesen Namen ausgesprochen, so ficl dcmguten Pater Thomas die Gabel aus der Hand, er schlug sich un-willig vor die Stirn. Wie konnte ich auch dicscn armen M.i^nvergessen, wahrlich mein Gcdächtnijz taugt nicht mehr viel, aber,Gott sey Dank, cS ist noch nicht zu spät, erst Nachmittags würdeman ihn auspfänden, wenn er seine kleine Schuld nicht bezahlenkann. Bei diesen Worten erhob er sich vom Tische, ging an sein^ Schreibpult, zog daraus ein Papierpäckchcn hervor, worin verschie-dene Münzsorten sorgfältig eingewickelt waren, zählte tas Gelbnach, wickelte cS wieder ein, steckte es zu sich, griff nach Hut undStock und wollte sich schleunig damit entfernen, doch an der Thüretrat ihm ein Herr entgegen.
Halt, ich lasse sie nicht los, sprach der Eintretende scherzhaft,ich bin schon zweimal vergebens da gewesen.
Weiß es, Herr Baron, war die Antwort, wenn jedoch ihreAngelegenheit nur ein halbes Stündchen Aufschub gestattet, bitte ich,mich nicht zurückzuhalten, denn hartherzige Gläubiger verstehen keinenSpaß, würden dem armen Lazar ohne Barmherzigkeit sein bischenHab -und Gut versteigern, ihn mit Weib und Kindern auf dasStraßenpflaster setzen, wenn nicht schnell geholfen wird.
Kann ich vielleicht mit meiner Börse zu dieser Hilfe etwasbeitragen? fragte der deutsche Baron.
Danke für dicßmal, das Sümmchen ist schon beisammen;wir andere, wir sind auch Egoisten, haben ebenfalls Vergnügendaran, aus eigenem Beutel armen Leuten aus der Noth zu helfenund so sparen wir, zwar nicht ich, denn ich verstehe mich nurschlecht darauf, aber meine Schwester Betty, um von Zeit zu Zeitin Stand gesetzt zu seyn, durch Selbstentbehrungen das ElendNothlcidender lindern zu können. Aber hier schwatze ich mit ihnen,während der alte Lapar in Angst und Schrecken lebt.
Wissen sie was Pater Thomas? Ich will sie in meinemWagen, der vor ihrer Thüre hält, zu ihrem Lapar begleiten, da-durch gewinnen sie Zeit und ich finde Gelegenheit ihnen mein An-liegen vorzutragen, es betrifft ebenfalls das Schicksal eines Unglück-lichen, der von ihnen Rettung hofft.
So sehe ich es gerne, wenn mir meine guten Freunde Un-glückliche zuweisen, sie sind ja meine liebste» Kinder, leider aberkann ich nicht allen helfen, doch trostlos wenigstens wünsche ichkeinen zu verlassen.
Der Fremde, der sich darauf mit Pater Thomas entfernte,war der zu seiner Zeit berühmte Astronom, Baron Z., ebenfallsein edler Menschenfreund, der ihn im Wagen darum bat, die Be-