Ausgabe 
5 (27.7.1845) 30
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Herrn zu gewinnen; darum wußte er junge Männer, die reich anTalenten, aber arm an Gütern waren, aus der Menge herauszu-finden, sammelte für sie die nöthigen Geldmittel und unterstütztesie durch seinen Unterricht. Sein Wirken umfaßte jedoch nichtbloß die Universität, sein großer Geist durchdrang und erschauteschnell alle Verhältnisse und so blieben ihm auch die großen Uebel,an welchen ganz Ingolstadt krankte, nicht verborgen.

Unter dem Volke waren mannichsachc Mißbräuche cingerissmund üble Sitten und Gewohnheiten aus dem Aberglauben unddem Mangel an gründlichem Unterricht erwachsen. Canisins durch-schaute das Uebel, und unterließ nicht, alle Mittel anzuwenden,welche Liebe, Klugheit und ächt christliche Weisheit ihm eingaben,um dem Nolkc die entschiedene Richtung auf das Wahre undGute wieder zu geben. Bor Allem mangelte es am Gebete, die-sem eigentlichen Pnlsschlage des geistigen und geistlichen Lebens,woran man den gesunden und kranken Gemütszustand der Men-schen und der Völker leicht erkennt. Die Leute schämten sich desGebetes. Canisius begegnete dem Uebel. Er belehrte das Volküber das Wesen des Gebetes, lehrte die einfachste und leichtesteArt zu beten und weil überall zu dem Worte das Beispiel hinzu-kommen muß, so ging er selbst umher, fiel auf die Kniee niederund betete ihnen vor. Er wählte Jünglinge aus, die den Geistder Andacht hatten, und ließ sie in der Kirche voibet.n. DieLeute, aus Mangel an Unterricht, durch elende Schriften undschlechte Beispiele irregeführt und lau gemacht, vernachlässigten denGottesdienst, begnügten sich mit der Hülste vcr heil. Messe odergingen gar nicht hin, CanisiuS belehrte das Volk über das er-habene Geheimniß des heiligsten Opfers, unterrichtete bei Tagund bei Nacht, ermunterte, ermähnte, tröstete, belehrte, bekehrte,betete, reinigte, schmückte die Kirchen, stellte den Gottesdienst inwürdevoller, katholischer Feier wieder her und siehe, ein neuerGeist dlN'chwchte Ingolstadt und die ganze Umgegend, mau strömtezu den Kirchen und Altären, man ward froh und freudig, reichund glücklich wieder im Glauben und in der Tugend.

Das Geld, welches ihm als Ncctor zufiel, nahm er niemalsan. Die Akademie wählte ihn zum Prokanzler und Herzog Al-bert trug ihm durch ein ausdrückliches Schreiben diese Stelle an.Doch CanisiuS verschmähte den Glanz hoher Stellen; auch wollteer sich nicht dnrch diese Stelle an einen festen Ort binvcn, son-dern gehen, wohin ihn die Noth und der Gehorsam gegen seinenheil. Batcr Jgnatius rief. Und wirklich rief ihn ganz Deutsch-land. So luv ihn Julius Pflug , Bischof von Naumburg, ein;so die Domherren zu Straßburg , so begehrten ihn die Bischöfevon Frcising und Eichstädt für das wicdercrösfnete Concilium zuTrient. Doch Herzog Albert wollte ihn aus Bayern nicht ent-lassen. Endlich ward Canisius von dem Schwiegervater des Her-zogs Albert, dem römischen Könige Fcrvinand, nach Wien beru-fen und er folgte den Befehlen des Papstes und des heil. Jgna-tius. Im März des Jahres 1552 ging er von Ingolstadt nachWien . Ein glänzendes Zeugniß begleitete ihn.

In Wien eröffnete sich für die Thätigkeit des großen Man-nes ein neues, weites Feld. Überall Bcrdcrbniß in Erkenntnißund Sitten und zwar nicht nur im gemeinen Volke, sondern auchim Klerus, in Klöstern, in Schulen, in allen Ständen, überalldie Rcchtgläubigkcit durch den Irrthum wie verdrängt! UnterZwanzig gab es kaum Einen wahren Katholiken. Die Seelen-Hirten in Dörfern und Städten waren meistens Miethlinge, ohneBildung, ohne sittlichen Wandel. Die Geheimnisse der Religionwurden vernachlässiget oder verachtet. Ein betrübender Anblick fürdie Seele eines CanisiuS! Vor Allem zuerst wandte er sich im

. Gebete zu Gott und bat auch den heil. Jgnatius, durch sein Ge-rbet den Herrn zu versöhnen. Der hl. Jgnatiuö erließ an sämmt-liche Mitglieder der Gesellschaft Jesu die Aufforderung, monatlich^Einmal zur Ausrottung ter Irrthümer das heilige Opfer darzu-bringen. So durch Gebet und durch festes Vertrauen auf Gott gestärkt begann CanisiuS sein Wirken in der großen Hauptstadt.Älle, welche einen akademischen Grad zu erlangen suchten, wurdenstrenge geprüft. Er schärfte Wachsamkeit und Sorgfalt ein, da-mit nur ausgezeichnete Männer, welche gründliche Wissenschaft mitwahrer Frömmigkeit verbanden, zum Lehramte ausgewählt wurden.^Um für alle Zeiten tüchtige Männer zu bilden, rieth er, ein Se-minar zu stiften; hier sollten fähige Jünglinge wahrhaft kirchlicherzogen werden. Um aber das Unkraut von dem Weizen zu! scheiden, trat er öffentlich als heiliger Kämpfer gegen den Irrthumin die Schranken und bekämpfte die neue Lehre mit den Waffendes Wortes, welches ist das Schwert des Geistes, das in ihmdurch Gebet und Wissenschaft geschärft war. Viele verstummten,viele entflohen, viele schwuren den Irrthum ab. Aus dem Un-glauben und Irrglauben war das Laster als nächste und notl>wendige Folge entsprungen. CanisiuS bekämpfte durch die Pre-digt das Laster und bestrafte ungescheut die Fehler aller Stände.Nach dem Tode des berühmten Friedrich Ncuser ernannte ihn derKaiser zum Hofprediger von Wien . Der Donner seines Wor-tes brachte den Irrthum zur Wahrheit, das Laster zur Tugend.Licle bekannten ihre Sünden und die heil. Beichtanstalt, welchevon den Gegnern als Tortur verschrien war, wurde für Wien wiederum eine Quelle des Friedens und der Freude. Ja, erpredigte nicht allein in Wien , sondern besuchte auch die Landge-meinden, wo Priester mangelten oder Miethlinge waren. KaiserFerdinand erkannte die außerordentlichen Verdienste des ManncSund wollte ihn, als der Bischof von Wien gestorben war, zudessen Nachfolger einsetzen. Auch hätte der Papst gern den er-leuchteten Priester zur Würde eines Bischofes erhoben, doch ausDemuth schlug CanisiuS die hohe Würde aus und bat den heil.Jgnatius, seiner Erhebung zu widersprechen. Der heil. Jgnatiusthat es, invcm er dem Oberhaupte der Kirche vorstellte,daß esim Geiste der Gesellschaft Jesu liege, dem Ehrgeize zu steuern."(Fortsetzung folgt.)

Die Grundsteinlegung zur St. Johannes-Kirchein Cincinnati ,

am Feste Maria Verkündigung 1845.

Ueber diese in der Postzeitung schon kurz erwähnte Feierlich-keit berichtet der in Cincinnati erscheinende WahrheitS-frcund: Selten noch habe ich die Feder mit freudigerem Gefühleergriffen, um eine Mittheilung über einen erlebten frohen Tag anJemanden zu schreiben, als ich es heute thue, um mit wenigenWorten die Feier zu schildern, welche gestern in unsererKönigindeö Westens" statt gesunden: ich meine die Grundsteinlegung zurdritten deutschen katholischen Kirche in Cincinnati , welche unterAnrufung des heiligen Johannes des Taufers an der Grccn-Straße, zwischen der Race und Vine erbaut wird.

Die seit mehreren Tagen anhaltende unangenehme kalte undstürmische Witterung machte unö nicht wenig besorgt, daß die aufden 25. März festgesetzte Feierlichkeit auf eine betrübende Weiseg stört oder gar verschoben werden müßte. Aber siehe, nocham Vorabende zum Kirchenfeste der St. Marien-Kirche legte sichder seit einiger Zeit herrschende Wcchsclwind, der Mond ging wie