eine Rubinen-Scheibe auf, und die hell leuchtenden Sterne warengute Boten eines schön darauf folgenden Tages.
An diesem schönen Tage wurve denn Lormittags ein solennesPontifical-Amt vom Hochwürvigsten Herrn Bischöfe ?ui-oell in derSt. Marien-Kirche gehalten, wobei der Hvchwürdige Herr Fcrne-ding die Fest-Nede hielt. Die große geräumige Kirche war dabeizum Erdrücken angefüllt, wie dies; jeden Sonntag der Fall ist,und mehrere hundert Personen standen vor den Kirchen-Thüren,welche in dem inneren Raume keinen Platz mehr finden konnten.
Nachmittags gegen 2 Uhr setzten sich die mancherlei Vereineder zwei deutschen katholischen Gemeinden in Bewegung, um vonihren bezüglichen Pfarr-Kirchen. aus sich zur Ordnung anzuschicken,in welcher die Proccssion von der St. Marien-Kirche aus nach demneuen Kirchen-Platze gesuhlt werden sollte. —
Etwas nach 3 Uhr fing der Festzug an. Voran nach alterChristen-Weise das hohe Processions-Kreuz mit einem prächtigenCrucifix-Bilde, welches man erst kürzlich aus Deutschland hattekommen lassen. Darauf folgten paarweise die Schulkinder derzwei deutschen katholischen Schulen in einer fast endlosen Reihe(die St. Marien-Schule allein zählt über 500 Kinder und hatein recht niedliches Pannicr); nach den Kindern kam der Klerus,dem das Pontifical-Kreuz mit mehreren Ministranten vorausging.Von den 16 Geistlichen, welche dem Hochwürdigstcn Bischöfe vor-angingen, waren der Hochwürdige Herr I>. Lllst, 8.^., Ceremo-nien-Meister, die Herren ?. Vvi'IiL^cllZii, 8.^. u. 5. >Vc>oä Lau-tores. Nach dem Hochwürdigsten Bischöfe, der in kontilivaliduszum erstenmale in Procession durch die Straßen dieser Stadt zog,folgten die '1>>istl?<zs der hl. Dreifaltigkeit-- und der Sl. Marien-Kirche, mit der Bau-Cvmmittee von der neuen St. JohanneS-Kirche, dann die verschiedenen Vereine beider Kirchen und zwar:der St. AloysiuS-Waisen-Verein mit seiner Fahne, der deutschekatholische Unterstützung^-Verein ebenfalls mit einer Fahne, dannder St. Johannes-Verein von der St. Marien-Kirche. Die Mit-glieder dieses lctzgenannten Vereines hatten sich sämmtlich mit blau-seivencn Schärpen geziert, welches den Jünglingen unv jungenMännern ein äußerst freundliches Aussehen gab. — Nach den-selben kamen die Jungfrauen- und die Frauen-Vereine. Die Mit-glieder des St. Josephs-Jungfrauen-Vereins hatten sich mit weiß-seidcncn, die des St. Anna-Vereins mit blauseivenen Bancschleiseuals Abzeichen geschmückt. Vier Jungfrauen des St. JosephS-VereinStrugen einen frischen Blumenkranz, womit der Grundstein umwun-den werden sollte; mehrere andere Jungfrancn hatten Blume»-sträußc in ihren Händen. Nach den Vereinen folgte der nochübrige Theil der doppelten Gemeinde. Während des ZugcS, derbeinahe eine Stunde dauerte, stimmte die Geistlichkeit ihre Psalm-odicn mit lautem Chor-Gesänge an, die Musikbanden des Wai-sen- und des Untcrstützungs-Vereines spielten abwechselnd ange-messene Märsche, und mehrere tausend Katholiken sangen in ihrenHerzen ein Jubellied, welches wohl kein menschliches Ohr vernom-men, welches aber sicherlich gnädigst Der angehöret hat, auf Denallein alle diese festlichen Anstalten hinzielten. Als der Zug denneuen Kirchen. Platz erreicht hatte, hielt der Pontificcmt bei demeinfachen schlichten hölzernen Kreuze, welches auf der Stelle errich.tet war, wo nach vollendetem Baue der Altar stehen wird, undsegnete das zur Einweihung nöthige Wasser. Von da zog manzum Ecke der Kirche, wo der Grundstein an einem Kraniche inder Höhe schwebte, der, mit dem Blumen-Kranze der Jungfrauenwie eine Braut bekränzt, einen erheiternden Anblick gewährte unddurch die Blätter des Epheu und die Zedern-Zweige die immer-grüne Frische des geheimnißvvllm Grundsteines, der da ist Jesus
Christ , und Seine nie alternde Braut, die Kirche, symbolisch ver-kündete. Während die Kirchcngebctc bei dc-m Ecksteine verrichtetwurden, ertönte in einiger Entfernung davon der „Weihe-Gesang",welcher auf diesen Tag vom Hochwürdigen Herrn Hammer eigensversaßt, und von den Schul-Kindcrn unter der Leitung des HerrnLehrers Heemann und von vielen andern Mitgliedern der Vereinemit Musik-Begleitung abgesungen wurde. —
Außer der Urkunde mit den Namen des gegenwärtig regie-renden Papstes, des Präsidenten der Vereinigten Staaten , desGouverneurs von Ohio, des Stadt-MayorS von Cincinnati , desHochwürdigstcn Bischofes und seiner gesammtcn Psarr-Geist-
lichen nnd dem Namen deö Vorstehers des St. lavier Kollegiums,— wurden unter andern auch die zuletzt ausgegebenen Nummcni des„WahrheitS-Freundes" und des „Latlioliv-'l'vIvLi'apK" mit derAntritts-Rede des Präsidenten I. K. Pvlk, ein Abdruck des„Weihe - Gesanges" , mehrere Münzen (wobei eine Schaumünzemit den Bildnissen des Königs von Bayern und seiner qanzenFamilie, welche der Hochw. Herr Böswald dazu hergab), in dcuGrundstein gelegt. — Ein Rosenkranz und eine M.daillc vonder unbefleckten Empfängnis; durften dabei nicht fehlen. — Acchtkatholisch! —
Nachdem der Eckstein geweiht und im Fundamente befestigtwar, wurde ein Drittthcil der Grundmauern zur neuen Kirchenach dem römischen Rituale eingeweihet, worauf der Klerus dieTribüne bestieg, welche beim hölzernen Kreuze auf dem zukünftigenPresbptcrium ganz einfach von rauhen Brettern anfgcschlagen war.
Der Hochwürdige Herr Ferneding, der sich um den Bau derneuen Kirche schon so viele Verdienste erworben, unv gewisser-maaszen als der Hauptgründer derselben angesehen werden muß,hielt dann mit seiner kräftigen Stimme die EingangS-Ncde, woriner sehr schön das Einst und Jetzt des deutschen katholischen Lebensin Cincinnati hervorhob, die Eintracht und Wcrkthätigkeit derGemeinden bezeichnend anrühmte, auf die vielen emsigen Vereinezum Besten der katholischen Religion hinzcigte, und zum Schlüsseim Gott vertrauenden Propheten-Tone die Hoffnung auSsorach,daß noch vor dem Verlaufe von 9 Monden die neue St. Johan-nes-Kirche vollendet dastehen werde.
Hierauf sprach der Hochwllrdigc Herr Wood, ein gcbornerAmerikaner und Convcrtit von hier, der nach glücklich bestandenemKampfe seit mchrcrn Jahren schon in den Schovß der alten undunveränderlichen Kirche zurückgekehrt und im letzten Jahre in der„ewigen Stadt" seine theologischen Studien vollendet hat. Hochw.Herr Wood hat in Kurzem bewiesen, wie die allgemeine Einheitder katholischen Kirche allein ein solches Schauspiel und solcherührende Scenen hervorbringen könne, wie es die eben stattfindendeGrundsteinlegung wäre. — Denn nicht bloß die für den Kirchen-Raum bestimmte Erdflächc, sondern alle freien Plätze rings um dieneue Kirche, von den Grundmauern hinauf bis zu den Dächernder Häuser, die sich in der Nähe des neuen Kirchen-Baues befin-den, waren nichts als Köpfe an Köpfen zu sehen, von denen nursehr wenige theilnahmslos aus bloßer Ncugierdc der Weihe zu-sahen. —- Herr Wood fuhr dann in seiner englischen Rede fort,darauf hinzudeuten, was erfordert wird, um die Segen bringendeund Heil bewirkende Einheit uuS ferner zu sichern, und zeigte inseinem lieblichen Vortrage das Erhebende der römisch-katholischenHierarchie mit Beziehung auf die ihm vor Augen hingestellte Fest-lichkeit. — .
Eine Strophe des „Wcihc-GesangcS" diente als Pause zwi-schen der Rede des Hochw. Herrn Wood und dem Auftreten deöHochw. Herrn Hammer.