Derselbe hielt sich in seiner Anrede vorzüglich bei der ge-hcimnißvollcn Bedeutung des Grundsteines auf, deutete auf dieSchriftsteller, hin, welche sich vom Buche Genesis bis zur Offen-barung des hl> Johannes darauf beziehen, und suchte auch dasVcrnunstgemäße der erhabenen symbolischen Ceremonien der katho-lischen Kirche , insbesondere bei der Weihe eines Ecksteines zu einemneuen GotteS-Hause bemerkbar zu machen. — Das ihm von derSt. Marien-Kirche her zuleuchtcudc „Kreuz in der Höhe' flößteHerrn Hammer die Zuversicht ein, daß auch das Kreuz auf demThurm der St. „JohanncS-Kirche" bald zur Himmels-Wcite hin-auf leuchten werde.
Nach dieser Anrede stieg der Klerus von der Tribüne wiederherab, setzte die Einweihung der Grundmauern fort, und beschloßbeim Grundstein selbst die Weihe desselben. Alle auf diese Weihebestimmten Psalmen wurden feierlich gesungen, wobei die Hochm.Herr» f!!>ntore8 die Schönheit unserer Ritual-Gesänge unterGottes freiem Himmel prciswürdig entfalteten, und so Manchenzum Mitsingen unwillkürlich hinzogen.
Zuletzt sprach noch einige tief ergreifende Worte der Hochw.Pontificant selbst. -—- Die eben untergehende Sonne gab ihmGelegenheit, ganz passend zu sagen, daß die Sonne in der katho-lischen Welt nicht untergehe u. f. w., und nachdem er es öfterwiederholt, daß alle die voran gegangenen Gebete und Gesängeund Feierlichkeiten nur zur größeren Glorie des höchsten Herrnverrichtet worden sind, schilderte er die Armseligkeit des Anfangsder katholischen Kirche in Cincinnati , und offenbarte seine Gcmüths-Bcwcgung, die er fühlte, als er l^der Hochwürdigstc Bischof) inder Proccssion bei dem Gottesacker in der Vine-Str. l^Ecke derCorporations-Linic) vorüberging, auf dem einst die erste katholischeCapcllc von Cincinnati , eher einem Stalle ähnlich, gestanden,und dann auf Rollen in die Stadt, wo jetzt die St. Peters-Kathcdralc steht, geschoben wurde u. s. w., und sprach dann sei-nen Wunsch aus, daß aus dem Rückwege eine Station auf diesemGottesacker, dem ersten katholischen Kirchen-Platze von Cincinnati ,gehalten werden möchte. — Der Hochwürdigstc Bischof ertheiltedann den bischöflichen Segen der anwesenden unzählbaren Volks-Mengc und die Proccssion zog zur St. Marien-Kirche zurück. Dieallen Anwesenden tief in die Seele gehende Station für die ver-storbenen Vvrfahrer wurde unter Absingung des Psalmes vo ?ro-lunctis und der hiczu gehörenden Oration gehalten, und nun ginges ohne Verzug zur Kirche auf dieselbe Weise zurück, auf welcheder Zug von derselben ausging. — Das Pscilmodircn wurve durchdie Straßen bis zum Altare der St. Marien-Kirche fortgesetzt. —Der schön erleuchtete Hochaltar mit der dabei kuicendcn Pricster-Sckaar vor dem ausgesetzten Allcrhciligstcn Sacramcnte, die beidenSeiten-Altäre mit den kunstgerechten l^zum erstenmale an diesemTage aufgestellten) Standbildern der seligsten Jungfrau und desheiligen Josephs inmitten frischer Zedern-Bäume, der Lichtglanzim Innern der Kirche bei hcrcingcbrochcner Nacht außerhalb der-selben mußte die in den Tempel zurückgekehrten Gemeinden zumDoum lauclnmus hinreißen, welches in deutscher Spracheangestimmt wurde, sobalv der Segen mit dem Hochwürdigstc» Gutegegeben und somit der Festlichkeit des ganzen Tages das Siegeldes Glaubens und der Liebe vollends aufgedrückt worden war, —eines Tages, den die meisten Katholiken von Cincinnati ohneZweifel unter die schönsten ihres Lebens rechnen werden.
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Als eine Randglosse möchte ich noch beifügen, daß bei derFeierlichkeit — die außerhalb der Kirche begangen wurde, —auch nicht die mindeste böswillige Störung vorfiel, was den«katholischen, anders denkenden Mitbürgern zur Ehre gereicht,welches die betheiligtcn Katholiken mit Dank anerkennen und sichfreuen, in einer Stadt Nord-Amerika's zu leben, wo „Religions-Freiheit " kein leerer Schall, sondern ein gediegenes Manncs-Wort ist.
Der Hochwürdigste apostolische Nuntius in
Der Katholik berichtet darüber unter cmdcrm: Am 30. Junigegen Abend mit dem Dampfboote der Kölnischen Gesellschaft hierangelangt wurde der Hochverehrte Gast durch die Equipage desHerrn Erzbischofs in das Erzbischöflichc Palais abgeholt und nachkurzer Ruhe schon ein Besuch der weltberühmten Kathedrale gemacht,welche auf Se. Excellenz den vortheilhaftesten Eindruck machte unddadurch die Veranlassung wiederholter B, suche in den Tagen derAnwesenheit wurde. Am 3. Juli erschien eine aus sieben Mitglie-dern bestehende Deputation der Bürgerschaft — Beamten und Kauf-leute — und überreichte in schöner Bewillkommungsrede eine zahl-reich unterzeichnete Adresse, deren schöner Inhalt das Herz desStellvertreters des heiligen Vaters tief rührte und auf welche derso festlich Bewillkommte in deutscher Sprache erwiderte. Die Er-widerung, deren reine und schöne Sprache, so schwer für den anweichere und wohlklingendere Formen gewöhnten Italiener, bewundertward, verdient ihrer in angemessener Kürze enthaltenen Gediegenheitwegen eine weitere Verbreitung. „Die Stadt Köln, " so lautetedieselbe, „hat sich immer durch ihren Eifer für die katholische Kirche ,durch Verehrung und Ergebenheit gegen das Oberhaupt derselbenausgezeichnet. Die Gesinnungen, die Sie mir ausgesprochen haben,beweisen, daß Sie ihrer Vorfahren würdig sind; ich wünsche IhnenGlllll dazu! Der heilige Vater wird sich darüber freuen und großwird auch Seine Freude seyn zu vernehmen, daß Sie dem würdig-sten Prälaten, dem die Verwaltung dieser Diöccsc anvertraut ist,von ganzem Herzen ergeben sind. Ich brauche nicht, meine Herren,von der väterlichen Liebe des heiligen Vaters zu Ihnen zu sprechen,da Sie bereits überzeugt sind, daß dieselbe die innigste, die zärt-lichste ist: zum Zeugnisse dieser Seiner Liebe wird der heilige Vatcrden apostolischen Segen über Sie aussprcchen und der Segen desStellvertreters Jesu Christi auf Erden wird ein Unterpfand seynaller jener Tröstungen und Segnungen, womit Gott Sie und dieseStadt bereichern und erfüllen wird. Fahren Sie fort, meine Herren,auf diesem Wege der Wahrheit und des Heiles durch treue Er-füllung aller Ihrer religiösen und bürgerlichen Pflichten zu wandeln,damit Köln das alte, das katholische, das heiligeKöln immer sey und bleibe!" Daß diese mit Wärme undapostolischer Salbung gesprochenen Worte von den biedern undwarmkirchlichcn Kölnern mit Begeisterung und nachhaltiger Treueaufgenommen, bewahrt und in weiten Kreisen verbreitet wurden,brauche ich hier wohl nicht weiter zu sagen; nur möchte ich nichtunerwähnt lassen, daß dieser schöne, wohlthuende Eindruck bei demdarauf folgenden Diner, wozu nebst anderen Honoratioren und ein-zelnen Geistlichen der Stadt die Herren Deputirten von Sr. Erz-bischöflichen Gnaden geladen waren, in der Nähe des ausgezeich-neten Prälaten noch erhöht wurde.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
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