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Augsvttrger
Zweite Jahreshälfte.
Postzeitttng.
vW^Ä.»
A. August t84S.
Leben des seligen Petrns Canisius,
Priesters der Gesellschaft Jesu .(Schluß.)
Es läßt sich denken, wie sehr die Zeit des großen Mannesin Anspruch genommen war. Als Mann des höchsten, unbeding-testen Zutrauens, welches ohne Unterschied alle Stände ihm schenk-ten, wurde er von Unzähligen um Nath gefragt, zum Beichtvatergebeten, in geistlichen und leiblichen Nöthen als Fürsprecher an-gerufen, von Kranken um Trost und Zuspruch angefleht; aber beiallen Geschäften und Mühen fand CanisiuS Zeit, Schriftsteller zuseyn. In Wien erschienen mehrere gcdiegcne Schriften, unter an-dern „das goldene Buch," welches in der Folge häufig in'sDeutsche übersetzt wurde. Wichtig aber für die damalige Zeitund für die ganze Folgezeit, wichtig nicht allein für Deutschland ,sondern für ganz Europa war das Werk, welches CanisiuS unterdem Titel: „Summe der christlichen Lehre" heraus. Durchdie neue Lehre waren auch unter dem gläubigen Volke die reli-giösen Begriffe vielfach verwirrt. Es fehlte an einem Buche,worin der große und reiche Inhalt des katholischen Glaubens kurzund klar ausgesprochen war. Da fühlte Canisius sich gedrungen,den kurzen Inbegriff oder die Summe der christlichen Lehre ^summ-leloctriiine Llni8liu»!>v) dem katholischen Volke mitzutheilen. Dasganze Werk zerfällt in zwei Hauptthcilc, wovon der erstere überdie Weisheit, der zweite über die Gerechtigkeit handelt. Inder Abhandlung über die Weisheit ist die Lehre über den Glau-ben und das Glaubensbekenntnis^, über die Hoffnung und dasGc^ct, über die Liebe und die zehn Gebote und die Kirchengcbotc,und über die Sacramentc aufgenommen. In dem zweiten Haupt-thcilc übcr die Gerechtigkeit wird zuerst gelehrt, was man mcivcnsoll: er nmfaßt die Lehre über die Sünde, — dann, was manthun soll, dieser umfaßt dic Lchrc von der Tugend. Das Werkschließt mit den letzten Dingen des Menschen, mit der Lehre überTod und Gericht, Lohn und Strafe im jenseitigen Leben. Somitzerfällt das ganze Werk, um nach unserer Weise zu reden, ineinen theoretischen und praktischen Theil oder in dic Lchrc überGlauben und Lcbcn. Nur ein flüchtiger Blick in dieses Werkläßt uns den großen Mann erkennen, welcher keinen Kirchenvater,
ben in der ganzen Fülle seiner Wahrheit darzustellen. Dic Schriftwar für dic damalige Zeit von unbeschreiblichem Nutzen und gewißist es sehr erfreulich, daß man in unsern Tagen diesem berühmtenWerke deö Canisius wieder große Aufmerksamkeit geschenkt hat.Ans besondere Veranlassung des Erzbischofs von Paris wurde ineiner Ausgabe vom Jahre l68(> bemerkt, daß der Katechismus desPetrus CanisiuS vielhundertmal ausgelegt und in dic Sprachenaller Völker übersetzt sey. Ferdinand würdigte zuerst dieses gol-dene Buch und befahl, es durch ganz Deutschland zu vertheilenund in den Schulen öffentlich vorzulesen. In allen Schulen,Gymnasien, Akademien und Tempeln wurde CanisiuS gelesen underklärt. Philipp II., König von Spanien , berieth sich mit derhochberühmtcn Schule zu Löwen, welches Unterrichtes er in derkatholischen Lchrc für sein Reich sich bedienen sollte. Alle Ge-lehrten dieser und anderer Hochschulen waren einstimmig, daß keineDarstellung und Erklärung der katholischen Lehre tauglicher sey,als dic des ehrwürdigen PctrnS CanisiuS. Philipp besah! daher,das Lehrbuch des Petrus Cauisius im ganzen Nönigreichc Spanienzu gebrauchen. Wohl sagte Wolfgang Wilhelm, Pfalzgraf undHerzog von Ncubnrg: „Wer Pctri Canisii kurzen Inbegriff christ-licher Lehre einmal gelesen hat, der kann unmöglich mehr einKetzer seyn."
Canisius war zwar in Wien der Gefahr des bischöflichenAmtes entgangen; indeß gebot der Kaiser, er solle wenigstens dieVerwaltung des Visthums übernehmen. Jgnatiuö konnte nichtanswcichcn, und gab die Verwaltung des bischöflichen Amtes zu,doch unter der Bedingung, daß Peter Canisins von den bischöfli-chen Einkünften nichts berühre.
Der Name des apostolischen Mannes war bereits in derganzen Welt bekannt. Man stritt sich um seinen Besitz. Besondersheiß verlangten ihn Siebenbürgen, Ungarn, Schlesien, Polen undBöhmen. Nach Böhmen entließ ihn Ferdinand: hier sollte einKollegium der Gesellschaft Jesu als Schutzmauer gegen dic Irr-lehren errichtet wcrdcn. Doch dic Gegner kannten dic Gewaltdes Mannes und fingen an, gegen ihn nicht nur in Schmähwor-tcn, sondern in einem förmlichen Aufstande zu wüthcu. Canisinskam in Gefahr, unter einem Steinregen zu erliegen oder ver-brannt zu weiden, und man mußte ihn mit einer bewaffneten
kein Concilium unberücksichtigt gelassen, um den katholischen Glau-i Mannschaft umgeben. Doch Solches währte nur Augenblicke.