Der Mann Gottes wußte seine Widersacher durch Sanftmuth/Demuth und Geduld, Wissenschaft und Gebet zu-entwaffnen. —Bald daraus ernannte ihn der heil. Jgnatius zum ersten Provin-cial des Jesuitenordens für ganz Deutschland . Nach einer kurzenRuhe, die er in Bayern genoß, ward er von Ferdinand zumReichstage nach Rcgcnsburg berufen, wo sich die Fürsten des Rei-ches versammelt hatten, um der GlaubcnSneucruug die geeignetenSchranken zu setzen. Viele angesehene Theolog n waren zugegen.Keiner schrieb und sprach gründlicher und mächtiger, als Canisius .Er stellte die katholische Wahrheit in ihrer ganzen Fülle undKraft dar und ging auch aus diesem wichtigen Geschäfte mitRuhm bcdcckt hervor.
Im Jahre 1558 starb der heil. JgnatiuS. Ihm folgte alszweiter General des Jesuitenordens Jacob Layncz. In diesemJahre war es, wo CanisiuS von Rom nach Polen abreisetc, umdem RcligionSgcsprächc in Petrikovia aus Befehl des Papstes bei-zuwohnen. Die Kirche war hier in der größten Vcdrängniß.Der König war schläfrig und nachsichtig. Viele Vornehme warendem Irrtl'mne günstig; die Bischöfe hochbctagt und saumselig.Canisius erschien. Er begann mit Gebet, wie überall, weckte Bi-schöfe und Priester zum Kampfe für die heilige Sache, deckte denfalschen Schein der Irrlehre auf, benahm dem Frommen dieFurcht, vernichtete die listigen und gottlosen Unternehmungen derGegner und vermochte selbst den Bischos Sigiömund, die Religionund die Rechte der Bischöfe zu schützen. — Eben so segensreichwar seine Wirksamkeit in Augsburg , wohin er auf Begehren desKardinals von Augsburg und des Kaisers Ferdinand sich begebenhatte. Hier war Uneinigkeit, CanisiuS stellte die Einigkeit wiederher. Er ricth den Bischöfen, in ihren Sprengeln Schulen zuerrichte», wo uncntgcldlich Unterweisungen gegeben Würden, öfterVersammlungen zu halten, Seminarien zu stiften, iu welchentalcntovlle Jünglinge zu den Aemtern der Kirche herangebildetwürden. Er wußte in Augsburg ein eigenes HanS zu erhalten,wo unbemittelte, aber mit GeistcSgabcn ausgestattete Jünglingevor dem Irrthume bewahrt und in der Wahrheit gegründet wur-den. Auch hier predigte CanisiuS mit solcher Gründlichkeit, De-muth und Krast, daß der Carvinal, der Bischof und das Dom-capitcl und die ganze Gemeinde ihn zum ordentlichen Predigerdringcndst verlangten. Sie erhielten ihn, behielten ihn aber nichtlange, denn er wnrdc von seinem Obern bestimmt, den CardinalHosiuS, der vom Papste an den Kaiscrhof nach Wien abgeordnetWar, dorthin zu begleiten.
Nach seiner Rückkehr predigte Canisius in Augsburg mitneuer Kraft. Die Feinde konnten dem Geiste nicht widerstehen,der aus ihm redete. Als Dvmprcdigcr von Augsburg gab erdas Martyrologimn deutsch heraus unter dem Titel: „Der Kir-chcnkalendcr, darin angezeigt worden die christlichen Feste undHeiligen GottcS beider Testamente, wie man dieselben das ganzeJahr in der ganzen Christenheit von Tag zu Tag begeht, auchmit Verzeichnis; unzählbarer Heiligen, wie sie gelebt und gelitten,was sie gethan und gelassen haben zu ihrem Heile und zumExempel aller Christen." Die Vorrede dieses Werkes ist ausge-zeichnet schön. Außerdem verfaßte er das „Handbüchlein für Ka-tholiken," welches er der stubircnden Jugend wivmctc. Es enthältauserlesene, kräftige und ganz in Worten der Schrift verfaßteGebete. Sein „Katholisches Gebetbuch," welches er selbst nochzum sechsten Male herausgab, enthält einen Schatz von Gebetennnd Unterweisungen in einer kräftigen, deutschen Sprache. Umdurch Lesung die Jugend in der Frömmigkeit zu üben, gab er dievortrefflichen Briefe des heil. Hicronymus heraus. Wegen solcher
Verdienste belobte Pius IV. den apostolischen Mann in einemeigenen Sendschreiben.
Inzwischen war das Concilium von Trient wieder eröffnet.Pius IV. , Kaiser Ferdinand und der Cardinal HosiuS wünschienin dem heiligen Rathe die Gegenwart eines Mannes, welcher ebenso fromm als gelehrt war und die Zustände Deutschlands am be-sten kannte. CanisiuS folgte dem Rufe und erschien in der Ver-sammlung der Väter. Cardinal HvsinS, der krank lag, genas,als sein Haupt den alten Freund berührte. Es war dem Cardinal,als hätte in seine Glieder eine neue, wunderbare Kraft sich ergossen.Er schrieb seine Wiederherstellung den Verdiensten des Peter Cani-sius zu und hielt sie sür ein Wunder. Und so glaubte man all-gemein, daß Gott dnrch ihn auch für die Sache der Religionheilsam wirken werde. Die Legaten und Väter der Versammlungerholten sich Raths bei ihm, und hier war es auch, wo CanisiuS ,unbekümmert um das Ansehen der Person, mnthig in die Schran-ken trat, als es galt, dem Kaiser gegenüber die Rechte der Kirchewahrzunehmen. Kaiser Ferdinand begehrte, was dem Ansehen desrömischen Stuhles und der Freiheit des Conciliums zuwider war.Zu dem Ende versammelte er mehrere Theologen zu Innsbruck ,um über die Anträge, welche cr ans der Synode machen wollte,ihre Meinung zu hören. Auch Canisius fand sich ein. MehrereGelehrte suchten ihn auf ihre Seite zu bringen; aber CanisiuSblieb unbeweglich. Er achtete nicht die Person und das Ansehendes mächtigen Fürsten und wußte durch eine gründliche Darlegungder Wahrheit den Fürsten eines bessern zu belehren. Ucberhaupt,wohin er kam, da ward Licht, Friede, Ordnung, Einigkeit, daward katholisches Leben, Liebe zur Kirche. Nichts vermochte seinerDemuth, Sanftmnth, Wissenschaft und Gelehrsamkeit, nichts derKraft seines Gebetes zu widerstehen. Petrus CanisiuS war sofast die Seele des Conciliums, und wurde das Organ, durchwelches das Concilium in Deutschland eingeführt wurde. PiuS IV. ernannte ihn zum außerordentlichen Nuntius. Als solcher reiscteer zu den Fruste» des Reiches und machte sie mit den Beschlüssendes Conciliums bekannt. Auf diesen seinen Reisen war cr einwahrer Apostel, brachte das Wort des Herrn vor Fürsten undKönige, stärkte überall die Gläubigen, bekehrte die Irrenden.Wer vermag die Menge zu zählen, welche durch ihn der wahrenKirche wieder zugeführt ward!
Canisius kehrte von seiner apostolischen Reise mit Segen nachRom zurück. Indeß bestieg PiuS V. den päpstlichen Stnhl. Auchdieser würdigte die Frömmigkeit nnd Gelehrsamkeit des großenManneS und sandte ihn im I. 1566 nach Augsburg . Mit zweiandern sehr ehrwürdigen Bätern aus der Gesellschaft Jesu wußteer die größten Schwierigkeiten zu lösen, zum Heile der Kircheund zum Segen des Staates. — Im I. 1567 kam CanisiuS nach Franken und gründete dort das Kollegium zu Würzburg .Wie überall, so predigte er auch in dieser Stadt und im ganzenLande dem Volke, widerlegte den Irrthum, der auch dort schonWurzel gefaßt halte, leitete die Priester zur würdigen AuSspcndnngder göttlichen Geheimnisse an und ermunterte sie zu einem heiligenWandel. Und kaum hatte Canisius Würzburg verlassen, um inEllwangen in gleicher Weise zu wirken, als seine Feinde das Ge-nicht auSstreuetcn, Canisius sei in Ellwangen zur neuen Lehreübergetreten. Sosort kehrte cr nach Würzburg zurück und bewiesdurch die That das Gegentheil.
Wir übergehen die übrigen Reisen und Geschäfte des aposto-lischen ManneS und erwähnen nur, daß er auch »ach Westphalcnkam und eine Zeitlang in Osnabrück verweilte, dort predigte undvom Volke überaus verehrt wurde. Von Osnabrück begab er sich