Ausgabe 
5 (3.8.1845) 31
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nach Köln , dem theuern Orte, wo er den Anfang seiner Lauf. Ibahn machte und die glücklichen Jahre seiner Jugend und Studien'verlebte. Damals war es, wo er eine geschriebene Originalaus-!fertigung der Verhandlungen des Conciliums von Trient , mit!Unterschriften und Siegeln versehen, nach Köln brachte, welche >noch im Archive der städtischen Schulverwaltung aufbewahrt wird. >Die Einwohner Kölns waren über seine Ankunft hoch erfreut,denn sie verehrten ihn als den Erhalter deö wahren Glaubens. >Sie erwiesen ihm die höchsten Ehren und der städtische Senat!überreichte ihm den Ehrenwein. Er ward gebeten, die Kanzel!zu besteigen, und that es, obwohl er müde von der Reise und!noch nüchtern war. Von Köln begab er sich nach seiner Vater-stadt Nymwegen, wohin er mehrere dringende Einladungen erhalten!hatte, und obgleich dort der Irrthum eingedrungen war und gro-!ßen Hasz wider die Priester der katholischen Kirche erregt hatte,!so konnte man doch dem Manne die schuldige Achtung nicht ver-sagen, welcher eine so große Zierde des Vaterlandes gewordenWar. Acht Tage schenkte er seiner Vaterstadt, begab sich dannnach Jülich und von da wieder nach Köln . Und solche Liebe hat-ten die Kölner zu dem ehrwürdigen Manne, dasz sie sofort denBeschluß faßten, Keinen zum Lehramte zuzulassen, bei dem manüber die Reinheit seiner Lehre ungewiß sey. Mit dem Senatevereinigte sich die kölnische Universität. Keiner erlangte die theolo-gische Doctorwürde, noch ward jemand zum Grade einer andernFacultät zugelassen, wenn er nicht zuvor die vom Oberhaupte derKirche vorgeschriebene GlaubenSformcl beschworen hatte, woraufCanisiuS schon damals in Wicn drang.

CanisiuS kam darauf nach Dillingcn, wo er ein ganzes Jahrverweilte und den ersten Theil seines Werkes wider die Cen-turien schrieb. Er nannte esvom heil. Johannes dem Täufer"und widmete es dem Erzherzog Ferdinand von Oesterreich. DieCenturien waren schon im Jahre 1560 von den MagdeburgischcnWorts-Dienern herausgegeben und weil sie viele Leser gefunden,und überall Lüge statt der Wahrheit, Gift statt der Arzneien ga-ben, so hatten sie bereits großes Verderben angerichtet. Pius V. selbst beauftragte unsern Canisius mit Widerlegung dieses Werkes,und im Jahre 1571 verließ schon der erste Theil die Presse.Der gelehrte Cardinal Baroniuö schreibt über dieses Werk inseinen Jahrbüchern:Der wachsame Fleiß des gelehrten und über-aus gottseligen Mannes CanisiuS bezeugt, daß in diesem Werkenichts mangelt, was dazu dient, die Widersacher ihrer Uncrscchrcn-heit, Thorheit und Treulosigkeit zu überzeugen.' Allgemein wurdeder Wunsch rege, CanisiuS möge auch Maria, die allcrscligstcJungfrau und Mutter des Herrn, welche vielfach gcschmähct war,gegen die Feinde des Glaubens vertheidigen. Das Oberhauptder Kirche verlieh dem Verfasser seinen Segen und vollkommenenAblaß. Im Jahre 1577 vollendete CanisiuS diesen zweitcn Theilund nannte ihnvon der seligsten Jungfrau Maria." Er wid-mete das Werk dem Herzoge Albert von Bayern. Den drittenTheil fing Canisius an zu schreibe», konnte ihn aber nicht vollen-den. Und wie war es ihm möglich, viele Bücher zu schreiben,da ihn das Oberhaupt der Kirche, der Kaiser, die ersten Fürstenund Herren und die Obern der Gesellschaft Jesu ununterbrochen inAnspruch nahmen? Er war beständig in Geschäften, auf Rci-sen, überall und immer mit Mühe beladen. Papst Gregor XIII .sagte zu ihm, als er ihn an den Erzbischof von Salzburg , an denHerzog von Bayern und an andere Fürsten sandte:Wir wollen,daß du nach unserm Verlangen behilflich seyest, Deutschland beizu-springcn, weil uns hinlänglich bekannt ist, wie viel deine scgcuS-Vslle Weisheit in dieser Sache vermag."

Nach Vollbringung dieser wichtigen Geschäfte rief ihn PapstGregor wieder nach Rom , um sich mit Am zu berathen über dieGründung eines deutschen Kollegiums in Rom . Es war dassiebente Mal, daß der apostolische Mann zur Hauptstadt derChristenheit rcisete. Von dort begab sich CanisiuS zum Reichs-tage in Negensburg. Im Jahre 1579 sandte ihn der PaterGeneral zu Albert, dem Grafen von Fürstcnbcrg; und schon wollteer auf Befehl des Papstes mit dem Bischöfe von Breöcia znmReichstage nach Nürnberg gehen, als ein anderes wichtiges Ge-schäft ihn »ach Helvetica abrief.

Die Bischöfe von Konstanz, Basel und Lausanne schriebenan Papst Gregor Xlll. die große Gefahr, in welcher die heiligeSache d.s Glaubens im Schweizerlande schwcbc. Der heil. Va-ter ließ sofort durch seinen Nuntius, der in Deutschland war,Einsicht nehmen und dieser rieth, ein Kollegium der GesellschaftJesu in Frciburg zu gründen. Kaum aber verbreitete sich daöGerücht von der Gründung eines Kollegiums der Gesellschaft Jcsu,als sich stürmisch die Jrrlchrcr erhoben. Wie i» Deutschland , sowurden auch im Schwcizcrland Schmähungcn aller Art übcr dieGiscllschaft Jesu auSgegvssen. Der apostolische Nuntius berief da-her im Jahre 1580 den gelehrten und gottseligen Petrus Canisius nach Freiburg. Der päpstliche Legat Bonhrm, Bischof von Ver-sailles , führte ihn ein und begrüßte den Senat der Stadt mitden Worten:Sehet, Freiburger, hier habt ihr einen Edelstein,einen Mann, der ein hochgcweihtes Pfand ist, das ihr mit be-sonderer Verehrung bewahren sollet!" Und siehe! wohin Ca-nisiuS kam, da flohen die Schatten der Nacht und die Nebel des^Irrthums. Er war bald die Liebe des Volkes. Einstimmig ward>das Collcginm dcr Gesellschaft Jesu gegründet und Canisius zumI Vorsteher erwählt. Sicbenzehn Jahre lebte er in Fccibnrg undbesorgte nicht nur in Frciburg, sondern auch auf dcm Lande das^Hcil dcr Seelen. Er predigte, war Nathgcbcr, schrieb Bücher,! sandte Briefe an die Brüder in den Collegicn, welche er gegrün-det, tröstete und bcgcifterte sie für Wahrheit, Wissenschaft undi Vollkommenheit.

Unter solchen unuutcrbrochencn Bemühungen für die Ehre! Gottes und das Heil der Menschen war CanisiuS Greis geworden.-Er fühlte die Abnahme seiner Kräfte und das Herannahen des^ TodcS. Nunmehr begann die Vorbereitung zu der letzten Reisein die Ewigkeit, zur Bereinigung mit Christo seinem Herrn, dem^er treu gedient hatte. Er verlangte sehr nach der Fürbitte from-!mcr Freunde, tödtcte seinen Leib mehr denn zuvor durch Fastenjab, obwohl seine Kräfte sichtbar von Tag zu Tag abnahmen.-Nnr die Gespräche von Gott und göttlichen Dingen gaben ihmStcnke und erheiterten seine Seele. Durch Leiden scincm Herrn!in etwa gleich zu werden, war ihm selige Wonne. Nachdem er!vicr volle Monate au den Schmerzen der Wassersucht gelittenhatte, cntschlics er im Herrn am Feste d^s heil. Apostels Thomas,Nachmittags drei Uhr, im Jahre 1597 im 77stcn Jahre seinesLebens. Ganz Frciburg trauerte. Man beklagte seinen Tod, wieein großes Unglück. Jeder bemühte sich, eine Reliquie von ihmzu erhalten. Man feierte ihn wie einen Heiligen. Die Frcibnr-ger setzten dem ehrwürdigen Vater ein Denkmal und nannten ihndarcmfihren Patron und Fürsprecher, den Erzvater dcr Kirche inder Schweiz, eine feste Säule des katholischen Glaubens, einenMann, berühmt in der ganzen christlichen Welt." Die Verehrungsteigerte sich, als man seinen Leichnam ausstellte. Man kämpfte,um die Hände und Füße des Verstorbenen zu küssen. Es wurdeschwer den Leichnam zu begraben, da fast immer die Menge ihnnmlagcrte. Die geringste Reliquie von ihm war ein kostbares