Kleinod und war es auch nur cin Haar, man faßte es in Silberund Seivc. Bald glänzte das Grab des gottseligen Mannes vonWundern. Sein Leib ruhcte in der Hauptkirchc des hl. Nikolauszu Freiburg bis zum Jahre 1626, wo er unter großer Feier indie Jcsuitcnkirche übersetzt wurde. Im Jahre 1843 am 21. Nov.wurde Canisius in der Versammlung der Kongregation vom heil.Ritus selig gesprochen.
Petrus Canisius gehört zu den außerordentlichen Erscheinunggen auf dem Gebiete der katholischen Kirche und zu jenen Män-nern der Vorsehung, welche der Herr in gefahrvollen Zeiten er-weckt, damit sie Licht und Salz der Erde seyen und wie festeSäuleu die Kirche tragen; Deutschland und Europa ist dem apo-stolischen Manne zum Danke verpflichtet und mit Recht nennt ihndie französische Kirche „den Apostel letzter Zeiten." Der Eiferfür das Haus Gottes verzehrte ihn. Glühender Eifer für dieEhre, Verherrlichung und Erhöhung der Kirche Jesu Christi , diegleich einer unauslöschliche» Flamme bis zum letzten Athemzugein ihm lebte, bildete den Hauptzug in dem Charakter des ehr-würdigen CanisiuS. Das Glaubensbekenntnis;, welches er seinerAntwort an die Ccnturiatoren von Magdeburg vorausschickte, kannuns hiervon allein überzeugen. Der Cardinal StanislciuS HosiuSnennt es daö kostbarste Denkmal der demuthsvollstcn und hochher-zigsten Hingebung, die je ein gläubiges Kind der Kirche gegendiese gute Mutter hegen kann. „Freimüthig — so heißt esunter Andern in diesem Bekenntnisse — freimüthig bekenneich mit HieronymuS: Wer sich anschließt an den StuhlPctri, der ist mein Mann. Mit Ambrosius rufe ichlaut aus: In allen Stücken wünsche ich der römischenKirche zu folgen; und diese verehre ich mit Cyprian als die Wurzel und Mutter der katholischen Kirche ,mit der, wie Augustin sagt, die Obergewalt desapostolischen Stuhles immer verbunden ist." Darumklagte, seufzte, weinte er über das Unglück der Irrlehre, welchesüber Dcntschland verheerend einbrach und Alles zu verderben drohte.„O möchte der Herr, so rief er trauernd aus, uns die Augenöffnen und unsere Herzen rühren, um die Uebel des Hauses Israelzu sehen und zu beweinen." Die Irrlehre zu bekämpfen und überallden wahren Glauben wieder herzustellen, das war sein Lebensziel.Bestimmt von der Vorsehung für diesen hohen Zweck, war er auchvon ihr mit den nöthigen Gaben und Kräften dazu reichlich aus-gestattet. Er besaß eine feste, aller Arbeit und Anstrengungtrotzende Gesundheit, einen durchdringenden, umfassenden, gründ-lichen Verstand, einen eisernen Fleiß, das glücklichste, geordnetstetrcucste Gedächtniß. Man erzählt sich in dieser Beziehung Dinge,die ans Wunderbare gränzen. Seine Klugheit, Bescheidenheitund Milve gewannen ihm die Herzen aller Menschen. Ueber dieverschiedenartigsten Gegenstände wußte er sich mündlich und schrift-lich, auf der Kanzel und in freundlichen Gesprächen, deuisch uudlateinisch, niit derselben Leichtigkeit zu erklären und auSzusprcchcn.So erklärte er den Kindern den Katechismus, unterrichtete dieErwachsenen, predigte dem Volke, schrieb Bücher, untcrrcdctc sichmit Katholiken höhcrn und niedern Standes, disputirte mit denIrrlehren,, wirkte an den Höfen der Großen, besuchte die Armenauf dem Lande, ging in Gefängnisse und Spitäler, gründete Kol-legien und Seminarien, brachte Universitäten zur Blüthe, machteunzählige Reise», hielt Missionen — dieß war fünf und fünfzigJahre seine ununterbrochene Beschäftigung, ohne daß je sein Eifererkaltet, je seine Kraft gelähmt wäre. Unendlich viel Gu>cS wirkte
er namentlich durch seine Missionen. Die Pfarrer machten unter seinerLeitung die geistlichen Uebungen nach Vorschrift des hl. Jgnatius, —und neues Leben blühete in den Gemeinden. Alle, die er fähig fand,forderte er auf und ermunterte sie, gegen die Jrrlehrer zu schreiben, undverhandelte darüber insbesondere mit dem Vater Aquavira. So sehnlicher aber wünschte, daß seine Gesellschaft recht viele Schriftsteller liefere,welche im Stande wären, die Irrthümer der Protestanten zn widerlegen,so duldete er doch keine Schrift, welche der Größe und Wichtigkeit desGegenstandes nicht entsprach. Unausstehlich war es ihm, wenn man insolchen Schriften auf bittere Ausdrücke, auf schalen Scherz und Spott,auf frostige Anspielungen Jagd machte. Er wünschte im Gegentheile,daß Alles Ernst und Liebe, wahrhaft katholische Bescheidenheit und Mä-ßigung athme. So glühend sein Eifer war für die Bekämpfung derIrrlehre, so groß, tief und außerordentlich war seine Liebe für alle Ver-irrten. Nach seinem Tode fand man ein Büchlein, von seiner Hand ge-schrieben, und darin mehr als fünfzig Beweggründe verzeichnet, die ihnvermochten, alle Tage für alle Menschen jeden Standes und Berufes zubeten; besonders aber waren die Namen derjenigen vermerkt, die ihnverfolgten, die Feinde der Gesellschaft Jesu , die Jrrlehrer und Irrgläu-bigen. Unter Strömen von Thränen betete er täglich für ihre Bekehrungzu Gott . Mit diesen Gebeten verband er die strengsten Bußübungcn,die er selbst im hohen Alter und in seiner Krankheit nur im Gehorsammilderte. Wie viel überhaupt der ehrwürdige Canisius durch sein Gehetgewirkt, wer weiß es, wer kann es berechnen? — Sein ganzes Lebenwar ein ununterbrochenes Gebet. Um Zeit für Gebet und Betrachtungzu finden, ging er spät zur Ruhe, stand früh auf. Gewöhnlich fand ihnder weckende Bruder schon auf den Knieen liegend, die Hände gefaltet,die Augen schwimmend in Thränen. Er betete mit heiligem Ungestüm,besonders wenn er für die Bekehrung der Sünder und Ungläubigen be-tete, kämpfte dann (wie er sich selbst ausdrückte) wie Jakob, mit seinemgöttlichen Meister, und setzte den Kampf unerinüdct so lange fort, bis erden Sieg errungen hatte. Eine besondre Verehrung bewies er von seinerersten Kindheit bis zu seinem Lebensende gegen die allerseligste Jungfrauund Mutter Maria, uud dieselben Gesinnungen suchte er in Unterredun-gen , Predigten, Büchern allen Gläubigen einzuflößen. Den Kirchenaber und Kapellen, die ihrem Namen geweiht waren, verschaffte er Ab-lässe und andere Auszeichnungen. Vorzüglich that er dieses für die be-rühmte Wallfahrtseapelle unserer lieben Frau von Alt - Oetting inBayern . Täglich pflegte er zur Ehre der heil. Mutter Gottes den Rosen-kranz zu beten und in seinem hohen Alter legte er ihn fast nicht mehr ausder Hand. Er rechnete es sich zur besondern Ehre, alle zu ihrem Anden-ken eingeführten Andachten mitzumachen. —
Groß und reich, heilig und wunderbar ist das Leben des ehrwür-digen CanisiuS nach allen Seiten und Beziehungen. Er kämpfte alsguter Kämpfer in einer schweren, unhcilSvollcn Zeit den Kampf fürChristum den Gekreuzigten und seine heil. Kirche. Ganz Süddcutschlandhat auf seinen Schultern geruht. Bayern, Köln und Wien sind zn gro-ßem Danke ihm verpflichtet. Als Kämpfer Christi hat er gelebt und ge-wirkt, als Kämpfer Christi starb er. Das Bild des Gekreuzigten in dereinen Hand und cS mit Zärtlichkeit küssend, die brennende, geweihte Nerze,dieses Sinnbild des lebendigen, katholischen Glaubens, in der andern,übergab er sanft seinen Geist in die Hände seines Schöpfers. Priesternund Laien kann der ehrwürdige Canisius in unserer vielfach bewegtenund verwirrten Zeit lebendiges Vorbild und trefflicher Wegweiser seyn.Zugleich aber können wir nicht umhin, unsere volle Liebe und Ehrfurchtgegen die Gesellschaft Jesu auSzusprechcn , welche einen Canisius bildenund erziehen konnte. —-
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