Ausgabe 
5 (17.8.1845) 33
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

Gläubiger des Priesters wird, nicht verkürzen kann. Das ist dassogenannte opus opsratum, d. h. die göttliche, dnrch sich selbstgeltende That. In dem Empfänger aber fordern die Sacramcntenicht minder, wie der zu befruchtende Acker: emsige Vorbereitung,reges Verlangen, demüthiges Empfangen, treues Bewahren. Unddas ist das opus operinitis, d. h, die Mitwirkung mit der Gnade.Gewiß eine vor aller Vernunft sich rcchtfertigenve, und doch sooft mißverstandene und gelästerte Lehre! Besonders merkwürdigaber ist es auch, daß die vier Dinge, die den Menschen demThiere am nächsten bringen: Geboren werden, Essen, Zeugen undSterben, durch die in der katholischen Kirche daran geknüpftesacramcntalische Gnade ihn am höchsten über sich selbst himmelwärtserheben, so daß in dieser göttlichen Hcilsökonomie dieselben Ketten,die ihn zum Sklaven der Natur knechten, durch die Gnade gebro-chen und veredelt, als Ehrenzeichen aus der Brust des frcigewor-denen Kindes Gottes glänzen. So reich an Weisheit und Erbar-mung, so erfinderisch ist die erlösende göttliche Liebe, Wie sie sichin der katholischen Kirche offenbart I

Das tausendjährige Jubiläum zu St. Georgen-berg in Tirol.

5 Vom Lech. Am 29. des vorigen Monats ging in demNachbarlande Tirol, zu St. Gcorgcnbcrg, eine seltene religiöseFeier, daö tausendjährige Jubiläum der dortigen Wallfahrt zudem Bilde der schmerzhaften Gottesmutter unter der Linde, zuEnde. Ratholv, ein bayerischer Ritter von Aibling , hatte sich umdie Mitte des neunten Jahrhunderts in die Einsamkeit zurückge-zogen, und in der Nähe von Schweiz eine Höhle in der fast un-wegsamen Thalschlucht zu seiner Wohnung gewählt, wo er nachmchrcrn Wallfahrten nach Rom und Campvstcll ein Bild derschmerzhaften Mutter Maria unter einer Linde aufstellte, baldaber eine Capelle darüber errichtete, und als Priester die hl. Ge-heimnisse den dort sich versammelnden Bergbewohnern feierte.Mehrcrc andere ihm gleichgcsinnte Männer bauten sich Einsiedeleienum die seinigc herum, und als diese Wohnungen dem Andrängeder frommen Pilger nicht mehr genügten, beschloß man einen grö-ßern Bau auf einem benachbarten, über 359 Fuß den unten vor-bciflicßenden Wildbach überragenden Hügel auszuführen, der auchbei wunderbarer Leitung von Oben und unter freundlicher Beihilfeder benachbarten Ritter von SchlitterS , Frcundsberg und Seebcn,die gleichfalls für sich selbst dort Wohnungen erbauten, zu Standekam. Da der Gründer seine erste Capelle dem hl. Georg, demKirchenpatron seines Geburtsortes gewidmet hatte, so erhielt dieserOrt den Namen St. Georgcnberg.

Als Rcginbcrt, ein Ordenöpricster des Benedictinerstiftcs Ad-mont, dann Abt zu St. Peter in Salzburg , im Jahre 1125Bischof zu Briren geworden war, gestaltete er die Wohnungen derRitter auf St. Georgenberg in ein Kloster um, und gab den da-maligen Bewohnern die Regel des hl. Benedict, welche Anordnungvon Papst Jnnocenz II. im Jahre 1138 bestätiget wurde. Alsaber diese Abtei, nach mehrmaliger Zerstörung durch Brand, auchvon andern Unglücksfällen heimgesucht worden war, entschloß mansich nach dem vierten Brande im Jahre 17l)5 das neue Klosternicht mehr auf dem St. Georgenberg , sondern in dem eine Stundeentfernten, am Fuße des Berges gelegenen Ficcht zu erbauen,jedoch blieben auf dem St. Georgcnbcrge immer mehrere Ordcns-pricstcr aus dem Stifte Fiecht, um den geistigen Bedürfnissen derWallfahrter zu genügen, die stets in großer Anzahl den St.Georgenberg besuchten, wenn gleich jetzt nicht mehr, wie früher,

ganze Pfarrgemcindcn aus 4 BiSthümcrn mit dem Kreuze dorthinwallfahrteten, unter welchen in vorigen Zeiten alljährlich auch dieBewohner von Aibling sich befanden.

Nachdem seit ein paar Jahren von dem gegenwärtigen KistenAbte in Fiecht, Pirmin, die Uebcrrcstc der ehemaligen Klostcrgc-bäude wieder sehr zweckmäßig erneuert, und für die Bequemlichkeitärmerer Wallfahrter ein ganz neuer Bau hergestellt war, beschloßdieser eifrige Beförderer der Ehre GotleS und des Seelenheilsseines Mitmenschen, in diesem Jahre das Gcdächtnißfcst des tau-sendjährigen Bestandes der Wallfahrt auf dem Gevrgenbcrgc zufeiern. Er hatte hierzu von Sr. Heiligkeit dem Papste Gregor XVI. einen vollkommenen Ablaß erlangt, und nachdem durch die wohl-thätige Theilnahme der Nachbarschaft die Kirche mit mancher neuenZieide versehen, und besonder^ auf dieses Fest einfach ausgeschmücktworden war, begann die Jubiläumsfeier am Sonntage den 20.Nachmittags mit einer feierlichen Proccssion, bei welcher daö Aller-hciligste von dem hochwürdigstcn Abte in Begleitung einer zahl-reichen Volksmenge aus der Stiftskirche in Ficcht hinauf auf denSt. Georgcnberg getragen wurde. Auch Se. Erccllcn; der HerrGouverneur, Graf v. Brandts, begleitete zur allgcmcincu Erbau-ung diesen ersten Wallfahrtszug, und wohnte noch der darauffol-genden Eiöffnungsrcde des Herrn Prälaten, und der musikalischenLitanei bei.

Nachdem so die Feier ihren Anfang genommen hatte, wurdeselbe durch die neun folgenden Tage in der Art fortgesetzt, daßtäglich von Morgens 3 Uhr an die Beichtväter den unzähligenWallfahrtcrn ihre Dienste widmeten; um 6 Uhr war das ersteHochamt, wobei das Allerhciiigste ausgesetzt wurde, das bis zumSchlüsse der Nachmittagöandacht ausgesetzt blieb. Um 8 Uhrwurde die erste Predigt, dann das feierliche Hochamt gehalten?um 2 Uhr war die zweite Predigt, dann die Abbetung des heil.Rosenkranzes und eine feierliche Litanei. Abends halb 8 Uhr wurdeder Tag mit abermaliger Abbetung des hl. Rosenkranzes vor aus-gesetztem hochwürdigsten Gute beschlossen, aber die Beichtväterrienten noch den unzähligen Büßern bis fast zur Mitternacht.Doch der fromme Eifer der Wallfahrter ließ sich nicht aus derKirche verdrängen, welche die ganze Nacht über mit Besuchern an-gefüllt blieb. Täglich kamen auch mehrere Gemeinden in zahlrei-chen Krcuzzügen mit ihren Seelsorgern an, und am Sonntage den27. Juli bezeugten die Bewohner von Aibling durch ihr Erscheinen,angeführt von ihrem würdigen Seelsorger, daß sie des frommenRathold, ihres ehemaligen Mitbürgers, noch nicht vergessen hätten,und kehrten, erbauet durch die salbungsvollen Worte ihres Seelen-Hirten, und gestärkt durch den Empfang der heil. Sacramcnte derBuße und des Altars wieder in ihre Hcimath zurück. An dem-selben Tage hiclt das Pontisicalamt Sc. Gnaden der Hr. Prälatdes CistercienscrstifteS Stams, und sprach am Nachmittage Worteder Erbauung zu der in der Kirche versammelten, dichtgedrängtenVolksmenge. Am letzten Tage den 29. Juli feierten Se. Gnadender Hr. Prälat des Prämonstratenscrstiftcs Wildau das Pontifical-amt, und beschloß am Nachmittage mit der letzten Predigt unddarauffolgenden Litanei und dem feierlichen Te Deum , dem sämmt-liche anwesende Priester beiwohnten, dieses religiöse Fest. AuöNähe und Ferne war eine nnzählige Volksmenge herbeigeströmt,und die Zahl der Communicanlcn, nur auf St. Georgcnberg,überstieg 24 Tausend; Viele aber hatten schon in den benachbartenKirchen, oder vor ihrer Abreise in ihrer Hcimath die heil. Sacra-mcnte empfangen.

So war dieses Jubiläum wohl ein wahres Freudenfest fürHimmcl und Erde, und Unzählige werden, ausgesöhnt mit Gott,