Ausgabe 
5 (24.8.1845) 34
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Augsvurger

Lu'eite Jahreshälfte.

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Postzeitnng.

S4 August 1845

Wallfahrtszng von Aiblingen nach St. Geor-genberg .

7 Aibling in Oberbayern , Anfangs Augnst.

Daß die katholische Religion eine Weltreligion ist, und keineLandcSgränzcn und Nölkcrunterschicde kennt, zeigen verschiedene kirch-liche Feste und Andachten in einem untrüglichen Lichte. Da kniecndie Katholiken verschiedener Länder und Sprachen mit einanderganz brüderlich vor Einem und demselben Gotte, und finden inihrer Andacht in den verschiedensten Anliegen und Mißstimmungenihres Herzens Trost und Beruhigung, vergessend auch Alles, wasetwa Feindseliges unter ihnen vorgefallen. So weiß die Kirche,die selbst Einige, auch die Herzen der Ihrigen zu vereinigen.

Ein solches Zeugniß einer christlichen Bruderliebe soll in dennachstehenden Zeilen der so mißtrauischen nnd neugierigen Weltvor Augen gestellt werde». Gegen Ende des vorigen Monatswurde in dem berühmten Wallfahrtsorte St. Gcorgenberg, einemHospitium der Benedictincr-Abtci Fiecht bei Schweiz in Tirol, eintausendjähriges Jubiläum gefeiert. Da der Gründer dieses Wall-fahrtsortes ein edler Ritter aus Aiblingen in Bayern , NatholduSmit Namen, war, haben sich über hundert Personen aus derPfarrei Aibling , Bürger und Landleutc, entschlossen, währenddieser Jubelfeier eine WallfahrtSreise dahin zu machen, um dasgesegnete Andenken ihres seligen LandSmanneS auf eine würdigeWeise zu ehren, nnd vom Gn^dcnschaize ihrer heiligen KircheEiniges mit sich in ihr Vaterland nach Hause zu bringen. Ihnenschlössen sich auch der Pfarrer und Bürgermeister deS MarktesAibling an, nachdem ersterer die Sache als eine bloße Einladungin der Kirche verkündet hatte. Die Nachricht hievvn brachte imKloster Fiecht und im benachbarten Städtchen Schwaz eine freudigeStimmung hervor, so daß der hochwllrdigc Prälat obigen Klostersund der Herr Bürgermeister von Schwaz den Pilgern einen feier-lichen Empfang versicherten, was in Aibling mit freudiger Nüh-rung vernommen wurde. Nur die beginnende Erntezeit war Schuld,daß nicht Mehrere an dieser Pilgerreise Antheil nehmen konnten.Von Schwaz war sogar ein Abgeordneter bis Nattenberg, sechsstunden weit entgegengekommen, um uns zu begrüßen und dieZeit unicrer Ankunft in Schwaz dahin vorauözutragcn, dennman wollte uns mit zwei Schützcn-Compagnicen und ihrer Musik

feierlich eingelciten; aber leider kamen wir zu spät dort an, alsdaß wir den umsonst Wartenden für eine so große und unverdiente:Ehre am selben Tage noch hätten danken können. Es war schonergreifend für uns zu sehen, wie die biederen Bergleute, die amAbende gar friedlich vor ihren Häusern saßen, mit sichtlicher Freudeuns vorüberziehen sahen, und mit einer arglosen Freundlichkeit unsüberall begrüßten. Wahrlich, dieser Leute Herzen sind nicht ihrerriesigen Felsenwände Abbild, sondern der gastlichen Kühlung ihrermit jedem Fremdling geschwätzigen Vergbäche Symbol! DeSanderen Tages um 5 Uhr, so ward angeordnet, sollten wir vonder schonen und großartigen Pfarrkirche Schwaz aus nach demzwei Stunden entlegenen St. Gcorgenberg in Proccssion ziehen.Zwei Herrn Capläne geleiteten uns aus der Kirche, und auf demHauptplatze empfingen uns zwei in Parade aufqcstcllte Schützcn-Compagnicen mit ihren Fahnen und feierlicher Musik. Volk warin Masse zusammengeströmt, sogar von Innsbruck waren Bürgerund Honoratioren zugegen. Thränen der Rührung standen inunsern Augen; denn wer könnte gegen solche Ehre und Auszeich-nung, in einem fremden Lande und ohne Verdienste, in seinemHerzen kalt bleiben können! Desto wärmer stiegen aber auch unsereGebete zum Himmel für diejenigen, die uns so anszeichuctcn.Diese ehrenvolle Begleitung zog unter klingendem Spiele eine gutehalbe Stunde mit uns, bis in die Klosterkirche Fiecht, vor derenPortale sie sich nach einem heiligen Segen in die Linie stellteund uns an ihrer Fronte unter militärischer Salutirnng vorbeiziehenließ. Unsere dankbaren Blicke und Herzen begleiteten sie in diebiedere Stadt zurück. Die Kirche St. Gcorgenberg mit ihremKlostcrgcbände steht auf einem gesonderten Fclseukopfe in Mitteeiner wilden Thalschlucht, die ein rauschender Bergbach durchbrauset,in schwindelnder Höhe. Sobald wir in die Schlucht eintraten,und staunend zu unserm Ziele hinaufschautcn, widerhallten dieBerge vom feierlichen Donner der Böller und dem Schalle einerandern hier aufgestellten Schützen-Compagnie, und die einsamenGlöcklein mit lieblichem Tone begrüßten uns so freundlich, daßunsere Herzen von Stein hätten seyn müssen, wenn sie nicht wärenergriffen worden. Bis aufs Höchste stieg unsere Rührung undFreude, als an der Brücke über die Bcrgschlucht der hochwürdigeHerr Prälat selbst in liebenswürdiger Freundlichkeit mit seinemKlerus uns entgegen kam, und uns in herzlicher Anrede erinnerte,