Ausgabe 
5 (24.8.1845) 34
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wie vor ungefähr tausend Jahren ebenfalls Aiblingcr hier einge-zogen und eine Stätte zur ewigen Anbetung Gottes gründeten.Wie schon bekannte Schäflcin folgten wir dem ehrwürdigen Abte,der uns mit einer wahren Vatcrlicbe aufgenommen, in das heiligeHauS, wo vor tausend Jahren unser seliger LandSmann NatholduSseine Wohnung aufgeschlagen. Hier mußte neuerdings die väter-liche Aufmerksamkeit und Sorge des hvchwürdigcn Herrn Prälatenunsere Ehrfurcht erregen, da in den obern Gängen der niedlichenund ehrwürdigen Kirche eigens für unS Platz gemacht war, sodaß wir ungestört unsere Andacht verrichten konnten. Gleicheliebevolle Aufmerksamkeit mit ihrem würdigen Abte schenkten unSauch alle übrigen Conventualcn des Klosters. Wahrlich diesenTag müssen wir zu den schönsten unseres L.bens rechnen, undwerden ihn gewiß auch nie vergessen, so wie auch alle diejenigennicht, die ihn uns zu einem so schönen Tage gemacht haben.Und nicht nur wir nicht, sondern auch die Unsrigcn im Hcimath-lande nicht, die mit gleicher Freude und Rührung die Erzählungunserer freundlichen und ehrenvollen Aufnahme bei den Tirolerninsbesondere in Schwaz und St. Gcvrgenberg vernommen haben.Aus unserer Hcimath noch rufen wir gerührten Herzens den edlenBewohnern Tirols, die nnS so liebevoll begegnet, einen innigenDank über die Berge hinüber, und wünschen, daß der Segen desAllerhöchsten über ihre friedlichen Thäler hcrabsteigen möge!

Ein Mitpilgcr und Augenzeuge.

Exercitien in der Diöcese Cichstädt.

7 Divccsc Eichstädt, 12. August.Durch einen dichten Wald von Grcding her gegen Ostenführt eine ziemlich ruinöse Straße nach dem Schlosse Hirschbcrg,das im Jahre vom Grafen Gebharb von Hirschbcrg dem Fürst-bischöfe von Eichstädt geschenkt wurde, jetzt aber Eigenthum desStaates, und von Sr. Majestät dem hvchwürdigsten Herrn Bischöfevon Eichstädt zur Benützung für die Zöglinge des WillibaldinischenKuabenscminarS überlassen ist, die hier ihre Ferienzeit vc-leben.Dicßmal sind es aber nicht die Zöglinge dieses Seminars, dieauf der ehemalige» Fürstcnstraßc durch das Burgthor in die Für-stcuwohiumg einziehen: es sind die Priester der Diöcese Eichstädtmit den Alumnen des Klerikalseminars, die von West und Ost,von Süd und Nord zahlreich dem Schlosse zuwallcn, um hier,entrückt ihren täglichen BcrufSgeschäften, entrissen allen Zerstreuun-gen, in heiligem Ernste sich einzig mit Gott und sich zu beschäfti-gen E.rcrciticn zu machen. Für die Zeit vom 3. zum 9.und vom 17. bis 23. August l. Jahrs sind dieselben zu diesemZwecke von Sr. Hochbischöflichen Gnaden eingeladen. Die Exer-citien leitete unv wird leiten ein Vater der Gesellschaft Jesu .Heilige Einsamkeit, so erhob sich'S in meinem Innern beim Einzügein lic glückselige Zurückgezogenheit, heilige Einsamkeit sey mirgegrüßt! heilige Armuth sey mir geküßt! Wie wonniglich wohntsich'S hier in den verlassenen Zellen ehemaliger fürstlicher Pracht!wie wonniglich in diesen Tagen zu diesem Zwecke! Jeder Steinder Mark und Gebein erschütternden Fürstcnstraße, jede Ruineganz oder thcilwcisc zerfallener Mauern und Thürme, der mit Grasbewachsene Schloßhof. die ihrer Geweihe -beraubten Hirschköpfean dem Gemäuer des viereckig! länglichten Schlosses, Thüren,Zimmer, Gänge, Mauern, einzelne Frcsco-Malcrcicn, theils ganz,theils zum Theile sichtbar, predigen mit eigenem Nachdrucke undunwiderstehlicher Gewalt dassie truusil ^loria »nmcli." EinTisch der einfachsten Art, ein hölzerner Stuhl, auf dem Tische

ein Schreibzeug, etliche Bogen Papier nebst 3 ungeschnittcneuSchreibfedern, eine kunstlose Bettstelle mit ihrem einfachen Lagerdieses alles innerhalb 4 kahler Wände ist der Reichthum desEinsiedlers auf Hirschberg. Doch öffne das Fenster, welche Augen-weide! Unten am Fuße des VergeS, auf dessen Borsprung vasstolze, weithinrcwende Hirschberg sich erhebt, liegt in südöstlicherRichtung das freundliche Städtchen BcilngricS, hinter ihm einziemlich kahler Berg, mit magerer Waldung zum Theile bedeckt,der eine Scheidewand bildet zwischen dem Ottmciringcr-, das derLudwig-Donau-Main-Canal durchzieht, und dem von der All-mühle durchschlängelten Thale . In beide Thäler steht die Aussichtoffen, letzteres öffnet sich auch in seiner westlichen Richtung undgewährt durch seinen bunten Tcppich von Wusen und Gctreidfcl-vern, aus dencn sich traulich cinmuihige Dörfchen mit ihren Kirch-lein erheben, überfließenden Stoff zu Meditationen über die irdi-schen Herrlichkeiten und deren Hinfälligkeit. Hier, wo man derWelt entrückt, und dem Himmel nicht bloß räumlich näher gerücktist, hat Alles seine eigene Gestalt und seine eigene Sprache.Selbst was sonst nur zerstreut, ist hier geeignet zu sammeln unddie Seele mit ernster Stimmung zu füllen. Der Ort ist vor-trefflich gewählt. Alles so stille! Kein lärmendes Fuhrmanns-gcrassel oder Rossegctrampcl, kein Getöse ungezogen schreienderHausen, kein Klopfen hämmernder Schmiede, schlagender, stoßen-der, meißelnder Handwerker unterbricht die heilige Stille. Hieund da die Variationen eines im Thale dahineilenden Postillons,das Geläute im nahen BcilngricS und den weiter entfernten Dör-fern , das eintönige Geklingel grasender Heerdcn und manchmaldas Hustcu dcr nächsten Nachbarn ist alles, was die lautloseStille unterbricht. Also in dcr großen fürstlichen Clause keinLeben? Alles ersterben? Ohngcfähr 80 Kleriker bewohnen dievielen Gemächer. O sie leben alle und wollen des LibcnS Fülleschöpfen aus den ewigen Wassern, damit eS ausströme nach allenRichtungen. Nicht einmal eine Uhr im ganzen Schlosse unter-bricht durch ihren Stundcnschlag die Einförmigkeit; dasllr verkün-den etliche Handglöckchen, von jungen Klerikern angeschlagen, dieAbschnitte der knapp vorgeschnittenen Zeit. Es öffnen sich danndie Thüren nnd Alles eilt durch die langen Gänge dcr Eapclle zu,die gerade groß genug ist, die Anwesenden zu fassen. Wie man-ches bekannte und unbekannte Gesicht begegnet hier unvcrmuthetdem Auge! Auch du hier? und auch du? war ich manchmal ver-sucht zu fragen, wenn ich den einen und den andern erblickte,vor dem ich kaum gewagt hätte, nur das WortExercitien"auSzusprechen. Die Eapclle ist ganz geeignet, die rechte Stimmungzu erhalten und zu erhöhen. Sie ist einfach und erhaben zugleich.Ueber dem niedrigen Tabernakel, auf dem ein kleines Crucifix steht,ist in einer großen Nische die Statue des hl. Evangelisten Jobcm-neS in sprechendem Ausdrucke aus weißem Marmor gemeißelt angebracht, wie dieser Jünger der Liebe unter Gesträuch aufPathmoS ruhend sein Gesicht mit dem Ausdrucke dcr Verzückungin die Höhe richtet zum Dreicinigcn, dcr durch dic zcrthciltcnWolken Licht auf sein verklärtes Antlitz hernieder sendet. Nebendem Evangelisten steht der Adler, das treffende Bild seines geisti-gen Schwunges. Sonst kein Bild in dcr ganzen Capellc; aberschöne Stuccatruarbciten, dic die ganze Capellc schmücken, gebenderselben ein erhabenes Gepräge. Hier versammeln sich täglich 7Mal während der 6 Tage dic Söhne des hl. Willibald, uudunter ihnen erscheint wie einer aus ihnen der ehrwürdige SohnLojola's ein Mann im schönsten Alter voll des Geiste -.Seine ganze Haltung predigt ungchcuchclrc Dcmuth, über seineLippen fließen mächtige Ströme jcncS Feuers, von dem gesagt ist: