Ausgabe 
5 (2.11.1845) 44
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Leiden hatten allmälig seine Kräfte verzehrt. Die barmherzigenSchwestern waren stets um sein Lager und erfüllten rastlos beiTage und bei Nacht an ihrem theuern Vater, dem Gründer ihresInstitutes, die letzte Pflicht kindlicher Liebe und Treue.

Von den Schwestern oder seinem treuen Diener ließ er sichwahrend der letzten drei Wochen seiner Krankheit, wenigstens ein-mal im Tage, das herrliche Gedicht vorlesen, welches auch in seineSchrift:Versuch zu Erleichterung des innern Gebetes," aufge-nommen ist. (S. Postztg. Nro. 298.)

Der Grundzug seines Charakters war die vollste Ergebungin Gottes heiligen Willen, wie dieselbe sich offenbart hat in all'seinen verschiedenen Lcbcnsverhältnisscn und sich immer deutlicherausprägte, je näher der Zeitpunct kam, wo daö große Wort:

er auch im Tode, rief sie laut bei Namen um Hilfe und Beistand.Vor Allen aber flehte er die heil. Mutter Gottes, die Hilfe derSterbenden, und den heil. Joseph an um Stärke im letzten Todcs-kampf. Wiederholt sprach er: Maria hilf! Heil. Josephhilf! Auch war es, als ob seine verklärten Freunde sein Lagerumschwebten. Vernehmlich nannte er seinen theuern Oberbergbei Namen. Von Zeit zu Zeit ließ er sich das Crucifix und dasBildniß der heil. Mutter Gottes reichen und küßte es mit tieferEhrfurcht. Unter frommen Seufzern ging er seiner Auflösungimmer näher. Nach süns Uhr las man den nahenden Tod deutlichauf seinen Zügen, doch behielt sein Antlitz eine heilige Ruhe undKlarheit. Nur fromme Seufzer kamen aus seinem Munde.HerrJesu!" sprach er noch einmal mit Anstrengung und Kraft

Herr in deine Hände empfehle ich meinen Geist! den wahre»!,Herr Jesu! richte mich nicht! Ich glaube an dich!

Jünger Christi beurkunden soll. Der öftere Empfang der heil.Sacramcntc nährte und stärkte diese heilige Gesinnung. Er em-pfing dieselben mit bcwunderungöwcrther Andacht; es ergoß sichalsdann über sein ganzes Wesen solche Nuhc, Seligkeit, Heiter-keit und Wonne, daß er sich selbst gegen die barmherzigen Schwe-stern und gegen seinen Beichtvater, Hrn. Dcmcapitular Dr. Kel-le rmann, der täglich ihm zur Seite war, in der höchsten Freudedarüber äußerte. Am Donnerstag, den 16. October schien dt>Krankheit ihr letztes Stadium erreicht zu haben. An diesem Tagewar es, wo der Selige plötzlich seinen Blick zum Himmel erhobund mit verklärtem Blicke zum Heilande flehend ausrief:Jesus !Gib mir mehr Leiden! Gib mir mehr Leiden!"Seine Bitte ward erhört. Noch am Abende stellte sich der Todeskämpf ein. Der Zustand verschlimmerte sich von Stunde zu Stunde.Man befürchtete, er möge, ohne nochmals den Heiland empfangenzn haben, von hinnen scheiden. Der wartende Diener und dieSchwestern machten ihn aufmerksam aus seinen Zustand. Manfragte ihn, ob er nicht wünsche, daß man ihm den Heiland bringe,damit er kämpfen helfe im letzten schweren Kampfe?O gewiß,gewiß!" war die Antwort.Um die Gnade, Jesum inder letzten Stunde zu empfangen, habe ich mein gan-zes Leben lang gebeten. Gehet geschwind, daß meinBeichtvater komme!" Mit heißer Sehnsucht erwartete erden Erlöser, welchen seine Seele lieb hatte. Ost hörte man ihnsagen:Ach! kommt mein Heiland noch nicht? Ichsterbe, ohne ihn zn empfangen."O da kommt er,"rief er freudig seinem Beichtvater entgegen, als dieser mit demhochwürdigstcn Gute in's Zimmer trat. Der Beichtvater reichteihm die heil. Wegzehrung. Zum letzten Male empfing der Seligeden Heiland unter der Hülle des Brodes, um ihn bald zu schäumvon Angesicht zu Angesicht. Der Herr Domcapitular vr. Keller-mann verrichtete die übrigen Gebete und ertheilte ihm am näch-sten Morgen die General-Absolution. Die heil. Oeluug hatte erbereits in dem ersten Theile der Krankheit, als eine gefährlicheKrise einzutreten schien, empfangen. So gelüstet als guter KämpferChristi erwartete er ruhig den Tod. Von dem Augenblicke, woder Heiland bei ihm eingekehrt war, schien eS, als ob sein Lebenbereits nicht mehr auf Ercen, sondern unter den verklärten Gei-stern sey. Die hl. Mutter Gottes Maria und der hl. Joseph,der hl. Clemens, der hl. Jgnatius Loyola, der hl. Fran-ciscuS Xaverius, StanislauS Kostka, Aloysius sowie die hl. Mutter Theresia, waren es, womit er sich vorzüg-lich beschäftigte. Sie hatte er vorzüglich im Leben als Musterund Vorbilder, als Schutzvalroncn und Fürbitter geehrt, sie ehrte

Du bist wahrhaftig der Sohn Gottes ! Uisorersmei soounelum magnam misorieorclism tu am.Erbarme dich meiner nach deiner großen Barmher-zigkeit!" Der letzte Augenblick war gekommen.Herr Jesu!komm, komm bald!" Das war das letzte Wort, welches leiseüber seine sterbenden Lippen kam und der große Maun warentschlafen! Selig die Todten, die im Herrn sterben,denn ihre Werke folgen ihnen nach!

Deutschland .

Stettin , 6. Oct. Der gestrige Tag war ein schönes Fest füruns. Se. Hochwürden der fürstbischöfl. Delegat und Propst zu St.Yedwig in Berlin , Herr Brtnkmann, welchem das Oberhaupt derKirche die Vollmacht verliehen, in den Orten seines Dclegaturbczirkesdie heil. Firmung zu ertheil-n, spendete in hiesiger Pfarrkirche an 192Personen dieses heil. Sacrament. Es hat sich dabei wiederum bewährt,welch himmlische Stärkung, Labung und Erqnickung die Gläubigen ausdem LebenSquell der von Christus in seiner Kirche zurückgelassenen Heils-mittel schöpfen. Die Feierlich? it wird den Stcttiner Katholiken unver-geßlich bleiben. Nach Darbringung des beil. Meßopfers, welches derHerr Delegat unter Assiitenz der beiden Ortsgeistlichcn feierte, bestiegder Caplan Roland aus Berlin die Kanzel und hielt eine Gemüth undHerz tief ergreifende Rede, in welcher er auf das Wesen und die Wirkun-gen der hei!. Firmung hinwies und besonders hervorhob, wie die Jüngerdes Herrn dieß hl. Sacrament am Pfingstfcste empsa.ig:» und den Gläu-bigen später selbst auSgcspendct, wie die Verheißung Chriili, den hl. Geistzu senden, Allen geworden und auch heute in Erfüllung gehen solle andenen, welche sich zum Empfange der heil. Firmung hier versammelt.

Nachdem der Chor die erste Strophe des Liedes:Komm heiligerGeist," gesungen, hielt der Herr Delegat eine kurze Anrede und er-theilte hierauf den vor der Cvmmunionbank Knicenden unter Handauf-lcgung das heil. Chrisam.

Die ganze Gemeinde war sichtbar ergriffen. Obgleich die Kirche,ein Saal im königlichen Schlosse, welcher zu klein ist, um an den hohenFesten alle Gläubigen aufzunehmen, auch bei dieser Feierlichkeit sehrgefüllt war, so herrschte doch di' größte Ruhe und Ordnung, denn ^ederwar von tiefer Anvacht durchweht. Nach Beendigung der heil. Hand-lung ward das Sanctissimum exponnt, das '1's llounr angestimmtund der Segen schloß die erhabene Feier.

In 11 Tagen wird der Herr Delegat wiederkehren, um bei Gele-genheit der zweiten dießjährigcn Missionoreisc auch in den Fliailirchendas Sacrament der hl. Firmung auSzuspenden. (Schles. Kirch nblatt.)

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Inhaber : F. C. Krem er.