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5 (2.11.1845) 44
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bischof oder ihm Nahestehenden das »»verwerfliche Zeugniß derFrömmigkeit und aller priesterlichen Tugenden beilegt. Aber auchdieses in Abrede gestellt und angenommen, was sich durchaus nichtzurückweisen läßt, daß immerfort ihrer Mehrere in das Geheimnißmüßten eingeweiht seyn: wäre es nicht das unbegreiflichste allerWunder, wenn im Verlauf so vieler Jahrhundertc, von einer sogroßen Zahl Wissender, nie ein Einziger je wo nicht ausRedlichkeit und Wahrheitsliebe doch in Beschränktheit, in un-überlegter Plaudcrhaftigkeit, in unbewachtem Augenblick, zuletzt ausBosheit, aus Nachsucht, in Widerspruchsgeist, in Zeiten, welchedergleichen begünstigten, aus Spekulation, in Hoffnung sich inCredit setzen zu können, aus welchen lobenswerthen oder verwerf-lichen Gründen immer es sey, aus der Schule geschwatzt, ent-weder den Betrug rein aufgedeckt, oder doch genügsame Merkmale,die zu dessen Enthüllung konnten führen, an die Hand gegeben hätte.

Die Vollandisten haben bis zur Mitte des vorigen Jahrhun-derts mit der genauesten Scrupulosität sich bemüht, nicht nur dieschriftlichen Zeugnisse und Berichte über diesen Vorgang aus allenZeiten zu sammeln, sondern wiederholt an Ort und Stelle Alleszu erforschen und zu beobachten. Schon im Jahr 1661 reistenHcnschcn und Papcbroch deßwegen nach Neapel , und waren am1V. März in Gegenwart mehrerer anderen Personen Zeugen derSache. Beinahe hundert Jahre später kam der Bearbeiter derActen über den heil. Januarius in gleicher Absicht dahin, undam 21. August 1754 wurde in Gegenwart der zum Schatz Ver-ordneten (mehrerer Herren vom höchsten Adel), vieler Geistlicherund anderer angesehener Männer durch den Erzbischof das Blutaus der Nische genommen und eine Acte über dessen Verwahrunguno Hcrvornahme aufgesetzt und unterzeichnet. In dieser heißt es:Die ehrwürdigen Ucberblcibsel werden mit der größten Vorsicht(summa eauteiu) verwahr!; die Schreine sind aus Werkstückenvon Marmor in die Miuer gebaut, durch zwei Thüren, jede in-und auswendig mit Silberblcch beschlagen, verschlösse!,. Jede Thürehat zwei Schlösser und zwei verschiedene Schlüssel; zwei derselbenverwahrt der Erzbischof, zwei ein zu der Deputation Verordneter(aber mir öfterem Wechsel der Person durch das Jahr). Blutund Haupt zugleich werden des Jahres nur Dreimal, das Letztereallein wird an mehreren hohen Festen hcrvorgcnommen. Der Erz-bischof sendet alsdann einen Dclcgirten, der Verordnete findet sichin Person ein, und Zeugen geistlichen und weltlichen Standes sindimmer viele anwesend. Würden aber die Verordneten nicht zurbestimmten Stunde sich cmsinden, so wäre unmöglich, dieUcberblcibsel hcrvorzunchmen."

Man kennt die Sorgsalt, womit die Christen das Blut derMärtyrer unter allem Toben der Heiden und selbst unter demHenkersschwcrt, nnd wären es auch nur Tropfen desselben gcwcfcn,oder hätten sie nur Tücher in dasselbe tauchen können, auffaßten,selbst mit Erde von der Nichtstätte vermischt, es zusammenrafften.Prudentius sa^zt in seinem Preisgesang auf den heil. Vincentiuönbcr dicscn Gebrauch:

lim pui'pui'llntem eornoris

Hamlet erriorom lumimro

?!enciim vostvm iiimsm

Ltüliiirtv tiiiguut, saiiAuiiio,

l'uiamcm ut sacrum suis

Lvmi rLSLi'vent, postoris.Der heilige JcrnuariuS nun war Bischof von Beneocnt, undwurde in der Cyristenverfvlgung unter Dioclctian im fünften Jähredes vierten Jahrhunderts mit einigen Gefährten nach Puzzuoli ge-schickt, um im dortigen Amphitheater den wilden Thieren vorge-

worfen zu werden. Seine Leidensgeschichte erzählt uns, daß diesegcsänftigt zu seinen Füssen sich gelegt hätten, worauf der Richter,hierob noch wüthender geworden, Befehl zu seiner Enthauptunggegeben habe. Bei dieser faßte eine gottcSfürchlige Frau sciu Blutin zwei Fläschchcn auf, in das eine das reine und unvcrmischtc,in das andere mit Erde gemengt. Unter Kaiser Konstantin dannwurden die Gebeine des Blutzeugen von Puzzuoli nach seiner Gc-,burtsstadt Neapel gebracht und in der durch den heil. BischofScserus in seiner Ehre (außerhalb der Mauern) erbauten Kirchebeigesetzt. Die Frau, welche sein Blut aufbewahrt hatte, brachtedem Bischof die Fläschchcn, und so wie diese dem Haupt nahegebracht wurden, erhielt es seine Flüssigkeit wieder. Im neuntenJahrhundert belagerte Sicon, Fürst von Benevcnt, die StadtNeapel , wobei er vor Allem Obacht hielt daß Niemand die heil.Ueberbleibscl wegtrage; denn er glaubte, dieselbe» gehörten demBischofssitz, nicht dem Geburtsort des Blutzeuge». Nachdem erdie Stadt eingenommen und die Gebeine erhoben, brachte er sieunter großem Frohlocken nach Bcnevent. In den stürmischen Zei-ten König (Kaiser) Friedrichs II. wurden sie in die Abtei Monte-Vcrginc geflüchtet und so heimlich unter dem Hochaltar einge-mauert daß bei zweihundert Jahren Niemand Etw iS davon wußte.Im Jahr 1480 sollt- cin neuer Hochaltar gebaut werden, d5wurden sie entdeckt und im Jahr 1497 mit großer Feierlichkeitwieder nach Neapel gebracht. Das Haupt indeß, nebst dem Blut,war immer in Neapel geblieben.

Wer entweder i-r dem königlichen Museum zu Neapel die inPompeji gefundenen Gegenstände, oder zu Rom in dem christlichenMuseum des VaticanS, oder endlich in der Sammlung des ?.Marchi die in den Katakomben gefundene» Glasgcfäßc zu Aufbe-wahrung dcS Märtyrerbluts gesehen hat, der wird keinen Zweifeldarüber hegen, daß auch dieses Fläschchen aus eben jener Zeitherftamme. Dessen geben ihm dann noch, ausser Mabillon, dieAbbildungen Zeugniß, welche in Bvldelli's Ossizrva/ioni sciprai ss-zri eiml-teii cli S8. ^lartiii erl -mtmln Llii-isti-mi <Ii Komazu sehen sind. Diese abgebildeten Fläschchcn haben nicht alleinihrer Gestalt nach mit demjenigen, worin das Blut des heiligenJannariuS aufbewahrt wird, die größte Achnlichkcit, sondern eszeigt sich an denselben ebenfalls, entweder auf dem Boden oderan der Seite, auf der sie lagen, cin Sedimcnt von gleicher Farbe,wie jenes Blut. Die Vermuthung daß auch in diesen rcincS,nicht mit mineralischen Substanzen vermischtes Blut enthalten sey,wurde seiner Zeit durch einen von Leibnitz angestellten chcmischcnVersuch zur Gewißheit erhoben. Er erhielt ein solches Fläschchcnauö den Katakomben von St. Calirt zu Rom , und brachte dasSediment mit einer Auflösung vou LsI ammom-mum in gcmci-ncm Wasser in Verbindung, um zu schcn, ob Etwas davon indas GlaS cingefrcssen habe, und sich wieder ablösen lasse. Alleinhievon erzeigte sich nichts, das GlaS war nicht im mindesten an-gegriffen; woraus Leibnitz den Schluß zog: dieser Ucberrcst seyStoff von Blut, ohne Beimischung eiucr mineralischen Substanz,welche allein während so langer Zeit in das GlaS einzudringenvermocht hätte.

(Fortsetzung solgt.)

Die letzten Stunde» des Grzbischofs Clemens

August.

Ueber das Hinscheide» des großen Mannes bringt das'n-stcr'sche Sonntcrgsblatt einen länger», erbauenden Bericht, demwir Folgendes entnehmen:Die andauernden und immer steigende»