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5 (02/11/1845) 44
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Dann wird von Glanz umgebenZu Dir sich froh erheben,

Der hier im Stillen litt,Und sich zum cw'g?n LohneDer Hcil'gen S egeokrone

Durch Leiden fromm erstritt.

Dann wirst mit blut'gen MalenO heilig Kreuz D» strahlen

Vom Jubcllild gekrönt,DaS hoch in SionS HallenDir ewig einst zu schatten,

Bon Sera>ch?harfen tönt.

P. S.

Das Blut des heiligen Jammriils.

(Aus HnrtersGeburt und Wiedergeburt", drittes Bändchen.)(Fortsetzung.)

Am folgenden Vormittag fand ich mich frühzeitig genug inder Capelle des heiligen Januarius ein, wo das Flüssigwerdcnwieder vor sich gehen sollte. Dicßmal konnte ich noch näher,noch genauer beobachten. Wieder wurde das Misererc angestimmt,und die auf den Knieen liegende Menge harrte mit Ehrerbietungund freudigem Erwarten, die Augen nach dem Altar gewendet.Mit dem Bischof von Lancaster und einem General-Bicarius ausCanada stand ich auf dessen oberster Stufe, unmittelbar neben demPriester, welcher das Gefäß in den Händen hielt. Er behandeltees auf vollkommen gleiche Weise, wie der andere Priester amAbend vorher. Mehr als einmal hielt er mir dasselbe unter dieAugen, und ich überzeugte mich von der vollkommenen Dichtigkeitund Festigkeit des Stoffes, so wie man bei gesunden Augen undklarem Bewußtseyn von irgend einer Sache nnr immer sich über-zeugen kann. Jetzt so wenig, als am Abend vorher, fand auchnur von Ferne eine andere Berührung des Gefäßes statt, als inder oben beschriebenen Weise. Dicßmal jedoch dauerte es nicht solange, bis der Stoff flüssig wurde. Es mochten kaum fünfMinuten vergangen seyn, als die Bläschen zum Vorscheinkamen, die Masse vollkommen zerrcmn, das Fläschchen sich wiedergefüllt hatte, da zuvor ein ähnlicher leerer Naum zu sehen gewe-sen. Wieder ergoß sich die dichte Menge, welche die Januars-Capelle und außer derselben einen Theil der Domkirche gefüllt hatte,in das 1v veum.

Am litzten Tage der Octave führte mich der Zufall nochmalsin die Capelle des Heiligen, wo ich den Inhalt des Fläschchensin flüssigem Zustande der Verehrung ausgestellt fand. Zu diesererschien in eben diesem Augenblick ein neapolitanische? Großer auseinem der vornehmsten Geschlechter. Er nahte sich ihm mit dergleichen Ehrerbietung, wie ein nebenan kniccnder Lazaroni, ließ essich auf Slirne und Brust drücken wie dieser, und küßte es gleichdiesem. Dieß geschah in einem 'Augenblick, von dem de? Fürstnicht wissen konnte, ob Jemand oder Niemand ihn sehen, ob vonden vicrmalhnnd.rttauscnd Bewohnern Neapels dieser oder jenerseiner dargebrachten Ehrerbietung Zeuge seyc, ob ein prüfender oderein zweifelnder, ein glaubender oder ein spottender Fremdling seinErscheinen würdigen oder belächeln würde. Dasselbe mußte alsonothwendig Folge innerer Anregung seyn, denn keinerlei Berech-nung konnte sich einmischen, wie man etwa von des Königs, in

großem Geleite abgestatteten Besuch bei dem heiligen Blut sagenkönnte: dieß sey eine, in kluger Berechnung dein Volksglaubendargebrachte Huldigung.

Und was nun? Nach dem wiederholt Gesehenen, sorgfältigBeobachteten, die unerschütterliche Ueberzeugung daß hier etwasAußerordentliches, etwas Unerklärliches, Unbegreifliches statt finde, ein Wunder, sofern man von diesem Ausdruck nicht zurück-schreckt, oder denselben auf Etwas anwenden will, was alljährlichöfters vorgeht. Ich darf mit der festesten Zuversicht wiederholendaß ich weit eher mit dem entgegengesetzten Vorsatz als mit dem-jenigen, etwas Außerordentliches und Unerklärliches sehen zu kön-nen . in St. Clarens Kirche mich cingcfundcn, daß ich nicht über-eilt einen Entscheid gefaßt, daß ich am ersten Abenv jedes UrtheilsuSpenlirt habe, indem ich vorerst nochmals sehen wollte. Unbe-fangener bin ich allerdings schon am ersten Abend geworden durchdie alsbald in meine Erinnerung tretenden Lügen der Neisebeschrci-ber von einer Manipulation des Fläschchens in warmen Händen,sammt allen den Zuthaten und Erklärungen, wodurch sie die Sacheentweder lächerlich zu machen, oder in einen groben Betrug zuverwandeln sich bestreben.

Nachdem ich dann am folgenden Tage bei Hellem Sonnen-licht, auf den Stufen des Altares, dicht an der Seite des Prie-sters , den ganzen Hergang nochmals von Anfang bis zu Ende undmit gleichem Vorsatz, blos prüfen zu wollen, beobachtet hatte, dasah ich keinen zureichenden Grund mehr, mit meinem Urtheil zu-rückzuhalten , oder durch hervorgesuchte Wenn und Aber dasselbe zuverclausulircn, oder es in die Schwebe zu stellen, oder an derrichtigen Wahrnehmungsfähigkeit meiner Sinne zu zweifeln; son-dern, wo ich befragt wurde, oder wo das Gespräch auf dieseSache sich lenkte was zu Neapel in den der Ehre des Heiligengewidmeten Tagen so selten nicht ist äußerte ich mich: etwasWunderbares, wenigstens Unerklärliches, könne hier selbst von demUngläubigsten, so er nur redlich und aufrichtig seyn wolle, nichtgcläugnet werden. Entweder müsse er ein solches im eigentlichenSinne, so wie es von dem Oberhaupt der Kirche, von der ge-sammten Geistlichkeit und von dem ganzen neapolitanischen Volkdafür gehalten werde, annehmen, oder alsdann ein noch weit grö-ßeres Wunder darin anerkennen daß ein Betrug (zwischen welchemund der außerordentlichen Erscheinung keine Wahl geben kann),der niemals durch einen Einzigen, sondern nur unter dem Zusam-menwirken Mehrerer jeweils möglich seyn kann, durch den Laufvieler Jahrhunderte in immer gleich ungeschwächter Wirksamkeithabe fortdauern können. Ich weiß wohl daß die WörterBlendwerk, Pricsterlist, Habsucht, Herrschsucht als allzeitfcriigeTrümpfe immerwährend in Bereitschaft liegen. Das aber sind Worte,die das Zeugniß gesunder Sinne nicht entkräften können.

Stellen wir uns für den Augenblick auf den Standpunct des! Betruges, so darf man des Vorganges nur Einmal Zeuge gewe-sen seyn, um sich gestchen zu müssen, daß ein solcher jedenfalls^unmöglich Werk eines Einzigen seyn,könne, etwa eines Solchen,! dem das Geheimniß, unter Verpflichtung sorgfältiger Ueberlieferung«an einen Nachkommenden, wäre anvertraut worden, sondern daß! ein Zusammenwirken Mehrerer unerläßlich seyn müsse. Nun wäre! es unbedingt eine Thatsache sonder gleichen zu nennen, wenn durch!den Verlauf mehrerer Jahrhunderte eine zahlreiche Reihe der ge-z wiss.'nlvsesten Betrüger ununterbrochen den ersten Rang unter der^neapolitanischen Geistlichkeit hätt- einnehmen können, somit ein^ Jeder in die Zwecke und Absichten der Vorangegangenen und der! Gleichzeitigen mit der nämlichen Willcnlosigkeit oder Gewissenlosig-keit eingegangen wäre; indeß die Geschichte mehr als einem Erz-