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der
Attgsvttvger
Iweite Jahreshälfte.
M- »»
Postzeitmtg.
S. Nov. 1845
An die gebenedeite Mutter.
Maria auf dem HimmelsthroneBlick' holde Mutter erdenwärtsUnd senk' aus deiner StrahlenkroneNur Einen Strahl in dieses Herz.
Verklärt stehst du vor deinem SohneUnd zeigest auf dein Mutterherz;O, bitte ihn, du Seelenwonne,Er möchte liniern meinen Schmerz.
Sich' schmachtend lechzet meine Seele,Wie in der Wüste nach der QuelleEin matter Wand'rer heiß sich sehnt.
Erbitt' mir Labung, Trost urd Fr eden;
Du bist zu trösten ja bcschicden,
Wenn fromm ein Herz dich Mutter nennt.
Fr. X.
Das Blut des heiligen Januarius .
(Aus Hurtcrö „Geburt und Wiedergeburt", drittes Bändchen.)
(Fortsetzung.)
So viel über den Ursprung und die Beschaffenheit desFlä'schchens und seines Inhaltes. Allein noch bis auf den heuti-gen Tag haben die Einen gemeint, mit etwelche» lügenhaften Be-richten oder durch ein paar Witzworte die Sache abfertigen zu könncn. Redlichere haben cö vei sucht, verschiedene Hypothesen aufzu-stellen; das Einfache, irgend ein chemisches Präparat in durchausübereinstimmendes Raumvcrhältniß zu bringen, auf durchaus gleicheWeise zu behandeln, und dann mittelst eines durchaus gleichenEifolgcö von dem angeblichen Geheimniß den Schleier zu lüften,das ist meines Wissens noch nie versucht worden, wenigstens nochnie gelungen. Man kennt zwar wohl in der Cbcmie ein Präpa-rat, welchem man den Namen Januarsblut beigelegt hat; dasselbe
mag das Aussehen von Vlut haben, es mag seyn, daß es beteiner gewissen BehandlungSweise, bei gewissen Temp-raturgradenflüssig wird; darin liegt aber noch kein Beweis, überzeugend würdeer nur bei Anwendung einer durchaus gleichen Behandlung, ohnealles Hinzutreten eines von außen einwirkenden Elementes. Daßvon der brennenden und bloß bei dem Vorzeigen flüchtig bingehal-lencn Kerze auf das zwischen den bciten Gläsern isvlirt stehendeFläschchen auch nur irgendwelche Wärme ausstiömcn könne, daswird gewiß Niemand, welcher Augenzeuge war, behaupten wollen.Aber die Hand des Priesters! sagt man. Diese hält allerdingsden Stiel des Gesäßes, indeß die Fingerspitzen der andern dasKreuz auf der Spitze berühren. Mache nun Jemand den Versuchmit einem Taschcnlatcrnchen, erfasse er dessen Stiel, stelle er inden leeren Raum das sensibelste Thermometer, und beobachte er,ob dasselbe nach viertelstündigem Halten auch nur unmerklich stei-gen werde? Nun bleibt noch die atmosphärische Wä>me in dervollen Kirche übrig. Nehme man einen Körper, der aus festemZustande noch Welt schneller in den flüssigen übergeht, als geron-nenes Oel , und bringe man denselben in vollkommen gleiche Tem-peratur-Verhältnisse, und sehe wieder nach, ob die Veiändernng ingleichem Zcitvcrlauf vor sich gehe, ob jedenfalls der Uebergangaus dem festen in den flüssigen Zustand mit gleicher Schnelligkeiterfolge, wie hier, wo das Flüssigwcrden nicht ein allmäliger,sondern ein rasch verlaufender Proeeß ist? Zu liescm Allem müßtenoch eine höchst seltsame Voraussetzung hinzukommen: daß nämlichdie höhere neapolitanische Geistlichkeit vor Jahrhunderten schon indem Besitz chemischer Geheim isse gcwcsei sey, welche die in neue-ster Zeit erstaunlich vorangcschrittcne Wissenschaft bis auf den heu-tigen Tag noch nicht zu entziffern gewußt habe. Scllle das etwaein hinterlassineS Eibstück des Erz;aubererö VirgiliuS gewesen seyn,von dessen Künsten Bischof Conrad von Halbersladt in seinemReisebericht bei Arnold von Lübeck uns so merkwürdige Dinge er-zählt? Bemerkenoweeth bleibt es immer, daß der berühmte Che-miker Daoy sich nicht im Fall sah, eine befriedigende Erklärungaufstellen zu können, daher der Annahme eines außerordentlichenHerganges nicht abgeneigt war. Daß sin Anerbieten zu chemischerUntersuchung der in der Flasche besinnlichen Substanz von derHand gewiesen wurde, ist doch wohl begreiflich, weniger, daß erein solches Anerbieten nur machen konnte. Bleibt hiemit ge-riß