Ausgabe 
9 (28.1.1849) 4
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»er Deutschlands, seine Stelle nieder und verließ Frankfurt , um nachOesterreich zurückzukehren. Alle diese Thatsachen sind mehr oder wenigerunmittelbare Folgen der preußisch-protestantischen Intrigue, von der lchspreche.

Um sich einen Begriff von den Ländermassen zn machen, die früherunter der Krone der occidentalischen Cäsaren vereinigt waren, muß man siein drei streng abgeschiedene Zonen abtheilen.

Die erste begreift die Länder in sich, die man als rein deutschebetrachtet, und die von 38 Millionen Einwohnern bevölkert sind; sie findim Norden: Hannover, Schleswig Holstein, die beiden Mecklenburg , Sach-sen, die Staaten, die aus der ehemaligen Landgrafschaft Thüringen ent-standen sind, das Kurfürstenthum Hessen rc.; gegen Süden: die König-reiche Bayern und Württemberg und die Großherzogthümer Baden undHessen -Darmstabt. Die zweite Zone begreift in sich die Erbstaaten vonOesterreich nämlich: Böhmen, Mähren , daS eigentliche Oesterreich, Steier-mark, Kärnthen, Krain , Tirol und daS Küstenland (Littcrole), zusammenmir mehr als 12 Millionen Einwohnern, von welchen ein beträchtlicherTheil zur slavischen Nace gehört. Diese Zone will man allein dem deutscheu Bunte einverleiben, um Preußen , dessen Einwohnerzahl 16 17Millionen beträgt, ein numerisches Uebergewicht über Oesterreich zu ver-schaffen. Diese Zone gehört indessen schon seit Jahrhunderten zu dem Reiche,welches man heut zu Tage österreichisches Kaiserreich nennt; unter diesen,Titel ist sie durch hundertjährige Bande mit der dritten Zone verbunden.Diese umfaßt nahe an 26 Millionen Einwohner in Italien, Galizien ,und in den Uferländern der Donau, die zu Ungarn gerechnet werdenAußer diesen verschiedenen Völkerschaften zählt man noch gegen 5 Millio-nen Italiener, und 5 Millionen Polen und RuSniaken in Galizien .Die schönen Uferländer der Donau, welche die deutschen Waffen in dreiJahrhunderten blutiger Kämpfe den Türken entrissen haben, gehören daherwirklich zu Deutschland unter dem Scepter Oesterreichs . Diese Länderwerden von 5 Millionen Ungarn , 2 Millionen Romanen und Walachei,,IVs Million Deutschen und 7 Millionen Slaven bewohnt.

Alle diese Länder wurde», wie gesagt, zu Ungarn gerechnet; alsaber die ungarischen Demagogen sich von der Souveränctät des HausesOesterreich losreißen wollten, ergriffen die sie bewohnenden Völkerschaftendie. Waffen und vereinigten sich mit voller Uebereinstimmung unter denkaiserlichen Fahnen. Sobald mit Hilfe ihrer treuen Waffen der Aufstandin Ungarn unterdrückt seyn wird, werden sie auf immer von dieser Nationgetrennt seyn, sie werden aber auch zugleich verlangen, daß man in ihrerVerwaltung und ihrer Rechtspflege ihre National-Dialecte einführe.Nach dieser Auseinandersetzung wird man es begreiflich finden, warum dieösterreichische Regierung zaudert, sich über die Anforderungen der Versamm-lung in Frankfurt auszusprechen, denn die vollkommene Euiverleibung seinerEibstaaten in das neue deutsche Reich, ist für Oesterreich eine Lebensfrage.Die österreichische Regierung hat indesA, in dieser Beziehung einen Schrillgethan, den man als den Anfang der Kundgebung ihrer Absichten betrach-ten kann, indem sie dem Reichsverweser und der ReichSversammlungerklären ließ, daß sie diese wichtigen Fragen künftig nur auf diploma-tischem Wege erörtern werde, was ihren saften Willen anzeigt, sie nichtim Schooße einer berathenden Versammlung, deren Competenz dazu sieLestreitet, sondern mit dem ReichSveriöeser selbst, als Macht also einerMacht gegenüber, verhandeln will. Damit.man ihre entschieden verthei-digenden Maaßregeln im Voraus zu beurtheilen im Stande sey, hat sieHerrn v. Schmerling selbst den Charakter eines Bevollmächtigten bei demReichsverweser verliehen. Aus diesen Umständen kann man schließen, daß,im Falle die preußisch-protestantische Intrigue in Deutschland obsiegen sollte,was zwischen Katholiken und Protestanten^eine lebhafte Aufregung hervor-bringen würde, Oesterreich, stark durU Ane bedeutende Territorial- unkMiliiär-Macht, geradezu versagen würde, seinen Theil des deutschen Reichesauszumachen, indem eS die Stellung eines vollkommen unabhängigen Staa-tes annehmen und sich darauf beschränken würde, wenn es ihm vortheil-haft scheinen sollte, mit dem neuen Bunde eventuelle Bündnisse zum gegen-seitigen Schutz zu schließen. Diese Frage, welche für daS System deSeuropäischen Gleichgewichtes von so großer Wichtigkeit ist, führt also, wiegesagt, einen Conflict herbei, der mehr religiöser als politischer Natur undweit mehr geeignet ist, in den Schooß Deutschlands unzählige Steine neuenHaders zu werfen, als ihm die Elemente der National-Einheit zu ver-schaffen, die man grünten will.

Bauen und Einreisten. *)

Der Zustand, in dem wir uns jetzt befinden, und in dem wir uns

') Von Seb. Brunner, aus dessen Wiener Kirchenzeitung.

seit Einem Jahrhunderte befunden haben, ist kein normal kirchlicher,von dieser Thatsache sind aber bisher viele nicht unterrichtet gewesen;wenn wir nun den Katholiken darüber Unterricht ertheilen, so sind wirdabei der Meinung, auch etwas zur Erbauung gethan zu haben. Scheintauch in diesen antiquirten krankhaften Zuständen gar nichts sich ändern zuwollen, ja scheinen sie um den Kristallkeim herum sich immer noch ingrößerer Härte zu verstecken, so kann unö dieses nicht im mindesten umunsere Hoffnung bringen, und diese Hoffnung ist aufs besser und aufslebendig werden. Wer die Zustände in Württemberg, Baden, Preu-ßen noch vor einigen Jahren gekannt hat und die jetzigen dagegenanschaut der kann sich nicht genug über den plötzlichen Umschwungwundern. Wer aber den Gang der Begebenheiten genau beobachtet hat,dem wurde es lange schon klar, daß doch die kirchliche Idee, nachdem sieJahrelang gepflegt worden, einmal zum Durchbruch kommen müffe, trotzaller Verknechtung von Seite des Polizeistaateö. Die Erbauung ist in denGeistern vor sich gegangen, und eS bedurfte nur eines Anstosses so istder Bau auch nach außen hin sichtbar geworden. Wir wollen eine That-sache anführen. Die kirchlich geinnten Männer der Universität zu Tübin-gen , Hefele, Kühn, Welle, und in jüngster Zeit Zuckrig!, haben denwahren Geist gepflegt sie haben gebaut, sie sind dem JoflphinischenPrincip, daS im Convictsrcclor Schott, in den Professoren Geringer undSchmiele ihnen feindlich gegenüber gestanden, hart an den Leib gegangen,Hefele hat nicht selten mit der Waffe vernichtende» WitzcS dareingejchlagcn,daß die Funken davon gestorbrn sind die jungen Theologen wurdengenährt in kirchlichem Geiste, achteten ihre kirchlichen Lehrer, erlangtenLiebe zur Wissenschaft bei allem dem aber schien die bnreaulratischePolizeigcwalt noch vor zwei Jahren die kirchlichen Elemente der Universitätzu unterdrücken, indem sie durch Einzwängen gewisser Individuen in denBeschlüssen der theologischen Facultät eine Stimmenmehrheit in josephini-scher Richtung hervorbringen wollte. Mögen es die Worte eines Würt--tembergerS bezeugen, was die Bureaukratie daselbst in ihrem Uebcrmuthgetrieben. Der Regens zu Rottenburg Dr. Mast sagte in seiner Redebeim Mainzer-PiuSverein unter andern:dcßgleichen verordnete die (Würt-temberger) StaalSomnipotcnz, in die Verwaltung deS Bußsacramentö sicheinmischend, daß die Hilfspricster nicht eher in die Kirche in den Beicht-stuhl gehen sollten, bis Gläubige sie ausdrücklich begehrten. Nicht wenigerals 17 18 Priester sind in einem Zeitraum von 5 6 Jahren nmihrer Glaubens, reue willen bureaukratischcn Bedrückung«,» ausgesetzt gewe-sen; ein Lehrer aus Tübingen wurde entlassen wegen eines theologischenVotums über eine Frage, welche die ganze Kirche in Bewegung setzte. AISBischof Keller seinen Antrag auf Herstellung der kirchlichen Selbstständig-keit vor die Landstände brachte, wagten es fünf Repetenten des TübingerConvictes in einem Schreiben an den Bischof ihren Dank und Beifall aus-zusprechen; sie wurden alsbald hiefür von ihren Stellen entfernt, und alsPfarrverwalter hinauSgcstossen. Dennoch konnte die Bureaukratie die immerkräftiger gedeihende Pflanze des katholischen Bewußtseyns nicht vernichten."

Die Wahrheit von Mast's Worten habe» die jüngsten Ereignissebestätigt. Die kanzleiliche Peifidie und Niederträchtigkeit hat nichts aus-gerichtet, die Ideen sind ine Leben getreten, die kirchliche Richtung hatin jüngster Zeit einen glänzenden Sieg erfochten und die Anhänger deSPolizeistaales sind schmachvoll unterlegen. So ist eS im Badischen ergan-gen, so in Preußen . Auch dort hat man die wahrhaft bauende kirchlicheRichtung umstürzlich und revolutionär genannt, und Fürsten undMinister sind befangen genug gewesen daran zu glauben, bis ihnen inneuester Zeit die Binde von den Augen genommen worden und sie zurEinsicht gelangt sind, daß die Revolutionen ganz wo anders herkommen.In den Kanzleien sind die Sünden gegen den heiligen Geist begangenworden, da hat man in Ernennungen und Anstellungen, in Unterdrückungund Verknechtung gegen den Geist der Kirche gesündigt, und diese Sün-den gegen den heiligen Geist können der Kanzlei nicht nachgelassen werden leider tragen wir an ihren traurigen Folgen immer noch zentnerschwer.In den Kanzleien, aus denen die absolute Polizeigcwalt wie eine Spinneihr Netz gewoben da herrschte der Geist deS EinreißenS und Umstür-zens, da herrschte jener feindselige Geist der die Kirche in die traurigsteLage herabzudrücken unablässig bemüht war. Was der bureaukratischeGeist im Staate gebaut hat und waS er für unsterblich gehalten, daShat im abgelaufenen Jahre ein einziger Sturm in ganz Deutschland überden Haufen geworfen; und daS waS derselbe bureaukratische Geist anFestungswerken, an Eskarpen, Cortinen und Laufgräben gegen die Kirchegebaut hat daS sollte vielleicht einen längern Bestand haben?

Was morsch ist sollte in Geduld weggeräumt werde», wer zu diesemUnternehmen seine Hand bietet, der ist doch wahrlich kein Einreißerwer aber eine alte Barake, die von allen Seiten durchlöchert ist undschon bei leichten Windstößen schwankt, mit einigen Bogen Papier verklebt,