Ausgabe 
20 (1.1.1860) 1
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äußerſt wenige blieben ganz feſt, wenn auch nicht unbeſchädigt. So ſind alſo zweiDrittheile der Stadt, und namentlich jene Stadttheile, die ſich den Abhang desHügels terraſſenförmig hinaufziehen, größtentheils die Wohnungen der Armen, vonGrund aus zerſtört, und jetzt, nach Hinwegräumung ſo vieler Trümmer, und nachden gemachten Auſtrengungen, die erſchlagenen Bewohner auszugraben, und daswenige Hausgeräthe, was noch aufzufinden war, herauszuziehen, ſieht man nurmehr einen unförmlichen Haufen von Mauerwerk, Trümmern und Balken unterein-ander geworfen. Die Stadtmauern ſtürzten an drei Siellen ganz zuſammen, anvielen anderen wurden ſie ſehr beſchädigt.

Gottes Barmherzigkeit ließ es zu, daß dieß ſchreckliche Ereigniß zu einerStunde geſchah, in welcher der größte Theil der Bewohner entweder ſich bei derFeldarbeit befand, oder in einer benachbatten Ortſchaft, wo Jahrmarkt abgehaltenwurde, oder auch im Freien auf den Plätzen, von wo ſie alſogleich ihr Heil in derFlucht ſuchen konnten. Demungeachtet zählte man nicht weniger denn 101 Erſchla-gene, mehr oder minder ſtark Verwundete aber eine überaus große Zahl. DerSchrecken und das Entſetzen jedoch mit allen Folgen in phyſiſcher und moraliſcherBeziehung, die grauſame Beklemmung wegen Verluſt der Eltern, der Heimath, dernothwendigſten Lebensbedürfniſſe, erzeugte in jener Schaar troſtloſer Flüchtlinge eineſolche Niedergeſchlagenheit, daß ſie Anfangs wie ſinnlos ſchienen. Es iſt hierweder der Ort noch der Raum, das bei dieſem traurigen Anlaß verdiente Lob demDelegaten der Provinz, Mſgr. Pericoli, ſo wie den braven Beamten und Bürgernzu ſpenden, welche wetteifernd ſich aufopferten, um auf alle Weiſe das Unglück zulindern. Vor Allem ſetzte man Mühlen und Backöfen in brauchbaren Stand, umder hungrigen Menge Brod zu verſchaffen, hernach wurden von allen Seiten Aerzteund Chirurgen herbeigerufen, den Verwundelen beizuſtehen; es wurden Arzneienbereitet, die Hinwegräumuung des Schuttes eingeleitet, Mundvorräthe herbeigeſchafft,Gezelte und hölzerne Baraden zum Schutze gegen die rauhe Witterung aufgerichtet,und Vorſorge getroffen, jede Unordnung zu verhüten, welche bei ſolcher Verwirrungnur allzuleicht entſtehen konnte. Dieß waren die erſten Maßregeln der weltlichenund geiſtlichen Behörden, wodurch dem Drange des augenblicklichen Bedürfniſſesauch entſprochen wurde.

Der heil. Vater beeilte ſich, nicht blos reichliche Geldunterſtützungen zur Hebungder dringendſten Noth zu überſenden, es war auch ſein Wille, daß man vor demWiederaufbau der Stadt die Beſchaffenheit des Bodens, auf welchem ſie ſtand, unddie Bauart der Häuſer unterſuche. Es ließ ſich nämlich befürchten, daß irgend einelocale vulkaniſche Wirkſamkeit, oder natürliche Aushöhlungen und Riſſe das Daſeinder neuen Stadt wieder in Gefahr ſetzten; auch mußte geprüft werden, ob in derArt, das Gemäuer aufzuführen, nicht vielleicht fehlerhaft vorgegangen worden, ſodaß dieſem wenigſtens zuin Theil der große Schaden zugeſchrieben werden könne.Hierzu wurden der Hochw. P. Secchi ad d. G . F., Director der Sternwarte desrömiſchen Collegiums und der Profeffor Poletti abgeordnet, und nach genauer Unter-ſuchung erklärten Beide ihre Anſichten über die Urſachen der ſo häufigen und ver-derblichen Erdſtöße in jener Gegend und die möglichen Schutzmittel gegen künftigeGefahren der Verwüſtung, als welche ſie insbeſonders eine verbeſſerte Bauweiſe derHäuſer und beſſeres Malerial zu den Mauern empfehlen.

Wunderbarer Schutz durch das hl. Sacrament.

Die ehrwürdige Schweſter Maria Gonzaga ans der Genoſſenſchaft von JeſusMaria ſchreibt in einem Berichte über die Gefahren nud Verfolgungen, denen ſie beidem Kriege in Oſtindien im Jahre 1837 ausgeſetzt waren, aus der Feſtung Seal-cote alſo: