Ausgabe 
20 (8.1.1860) 2
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kraft gerüstet! Gewahrst dn deinen Heinrich als Funke des unendlichen Lichtmceres?"Ein leises Ja entfloh den Lippen AgathenS, welche anbetend niedergesunken war.

Der göttliche Sprecher nahm von Neuem das Wort: Willst auch du einFunke, ein Strahl dieses Lichtmeeres werden, um einst in der innigsten Vermählungmit mir dich deinem Heinrich zum ewigen Bunde vermählen zu können, so suche inmir gleich deinem verstorbenen Freunde, welcher im irdischen Leben nicht nur fürFürst und Vaterland, sondern auch für Gottes Ehre durch Heiligkeit des Wandelskämpfte, den Anfang, den Mittelpunkt deines Strebens, welches zu keinem Ende,sondern zu unendlicher, ewiger Herrlichkeit führt!"

O Herr!" antwortete die JungfrauIch bin ein Gefäß der Sündeund nicht der Gnade. Sprich: welche Handlungsweise kann mir die Würde einerso hehren Brantschaft erwerben?"

Betrachte das heilige Meßopfer! Nur reiner Wein, ohne künstliche Zumischung,vvm Gewächse des Weinstockes bereitet, verdient es, in das heilige Blut, so ich amKreuze vergossen, verwandelt zn werden. Und ich sage Dir: nur eine Thräne anSreinster, tiefster Rene und Sehnsucht nach Gottvcrsöhnung ohne Beimischung irgendeines irdischen Schmerzes kann vor dem Herrn als unblutige Sühne deiner Ver-gehungen gewürdigt werden. Frage nun deine Seele, weßhalb sie trauert: etwaihrer Uebertretnngen willen, oder weil derjenige, welchen dn znm Begründer deineszeitlichen Glückes bestimmt hast, jetzt schon im Himmel mit brünstigem Gebete direine ewige Wohnstätte zu bereiten trachtet? Willst du dich aber vom LeiblichenloSschäleu, gehe bin, empfange nach würdiger Vorbereitung meinen heiligen Leib!Er ist die Nahrung der Seele, welche andere Nahrung ausschließt, gleichwie eSmeine einzige Speise war, dem Willen meines göttlichen Vaters bis zum Todeam Kreuze zn gehorsamen."

O Herr! nicht alle Tage ladet uns daS Brod deS ewigen Lebens, alle Tagejedoch zeitliche Lockung schuldloser, wie sündiger Art."

Wer sagt dir, daß du deinen Jesum nicht täglich genießen könntest, sei cSauch nnr geistiger Weise durch Anhörung einer heiligen Messe, in welcher du deinefromme Meinung mit jener des communicirenden Priesters vereinigst, oder weilKrankheit an's Lager dich fesselt, durch den festen, alles Irdischen entkleideten Willen,dich geistiger Weise deinem Jesu zu vermählen?

O Herr! wer vermag alles Irdischen sich zu entkleiden, wenn wonnige Bande,oder leidgetränkte Erinnerungen an die Erde ihn fesseln, wenn der Gedanke unsfesthält, daß diese Wonnen, diese Erinnerungen nicht Sünde, sondern erlaubt, ge-boten seien? War es Sünde, meinen Heinrich mit reiner Liebe als Gatten zuwünschen, schon im Geiste mir heitere Bilder auszumalen, wie ich einst, christlicherVerpflichtung treu, des Lebens Bitterkeit mittragen, durch die Obsorge für die Er-füllung seiner Wünsche, für tausend kleine Bequemlichkeiten sein Dasein versüßenwolle?"

Ist deine Liebe zu Heinrich eine so reine, in mir, deinem Heilande sich be-gegnende, warum kannst dn nicht den Kelch der Entsagung leeren, wenn dir stattMenschlichem Göttliches gewährt werden soll, wenn du selbst dieses Göttliche nichtausschließlich geistig zn empfangen und zn genießen brauchst? Dn hängst am Ir-dischen, am Mittragen von Lebensbitterkeiten, an der Obsorge für die Erfüllung er-laubter Wünsche, für kleine Bequemlichkeiten? So erkenne in jedem Armen undHilfsbedürftigen gleichsam die irdische Natur deines göttlichen Bräutigams! Dereinem Unglücklichen von dir gestillte Schmerz ist mir gestillt, die ihm gewährteFreude mir gewährt,, und, wenn du einem Kranken aus reiner Liebe zn mir auchnnr das Kopfkissen ausschüttelst, so hast Du mir sanfte Ruhe bereitet."

Ein Gedanke überkömmt meine Seele. Wenn Dn, o Herr! mir Genesungwiederschenkest, so sei mein Leben dem Orden der barmherzigen Schwestern geweiht,die für's Vaterland blutenden Krieger zn pflegen. Jede z« verbindende Wunde sei