Ausgabe 
20 (8.1.1860) 2
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beantworteten:Wir Alle wollen davon haben, wir wollen sie Allenehmen!" Und sogleich, noch in derselben Stunde, vertheilte man die arme» Kinderunter sich, und nicht nach dem Maßstabe des Vermögens, sondern nach dem Drängedes Herzens und Erbarmens eines Jeden. Dieser nahm eines, Jener zwei, ein An-derer noch mehr; und die Langsamen, die später kamen und verlangten, konnten keinemehr erhalten.

Ehrwürdiger Priester! welcher Redner wurde jemals herrlicher befriedigt, alsDu? Wer durfte dem Himmel inniger danken für die Gabe des Wortes und Her-zens? Wer war glücklicher, als Du? Nicht nur jene geretteten Armen müssen Dichsegnen, sondern auch alle die wackeren Leute, deren Familie Du vermehrt, unter derenDach Du eine lebende gute That eingeführt hast, die zu ihnen spricht, und mit Liebeund Dank ihnen zugethan ist!

Bald nach jenem schönen Tage kam ein Fremder nach Dndingen. Es warein Festtag; die Preise wurden in den Schulen vertheilt, und die schweizerische Gast-sreundlichkeit lud den Neuangekommenen zu der Feierlichkeit ein. Und als er dieKinderschaar so zufrieden, heiter, reinlich und wvhlgekleidet erblickte, und sich zumPfarrer wendend fragte:Haben Sie denn hier keine Armen?" erwiderteihm dieser mit feuchten Augen:Nein, nein, Gott sei Dank! wir habenkeine mehr!"

Was aber hier geschah, war keineswegs die Wirkung einer raschen vergäng-lichen Aufwallung. Die christliche Liebe zu Dudingeu hat sich dauerhaft undecht katholisch, d. h. in einem hohem Grunde, als in bloßen Gesühlsanwandlungeuwurzelnd, bewährt, die Kinder sind unter dem Dache, das sie aufgenommen, geblie-ben, mehrere wurden förmlich adoptirt, Alle haben aber in ihren Beschützern wohl-wollende Väter gewonnen. Auch für die erwachsenen Armen fand sich bald die ent-sprechende Hilfe.

Der Pfarrer scheint indeß wohl gewußt zu haben, welche Verbindlichkeit erdurch die Verheißung übernahm: daß eS Jeglichem wohl ergehen werde, der Hausund Herz den Armen deö barmherzigen Gottes eröffnete. Der Segen des Himmelsist an dieser Stelle augenscheinlich geworden, und die Wohlfahrt des Ortes istwahrhaft wunderbar, was durch das Folgende klar wird.

Die Armen hatten ihre Wohnung, und eS war nun die Frage: wo derliebe Gott wohnen sollte? Denn die alte Kirche zerfiel gänzlich, und eswurde dringend, eine neue zu bauen. Dem Gesetze gemäß ließ mau einen beschei-denen Bauplan entwerfen, und bat um die Ermächtigung zum Baue und zu einerentsprechenden Umlage. Allein der Kanton Freiburg hatte eben zu dieser Zeit nachdem Beispiele Frankreichs eine kleine Revolution aufgeführt; die Regierung warnoch neu und voll Eifer, aufgeklärt und zeitgeistig zu erscheinen und zu verfahren.Demnach mußte ihr das, was die Einwohner von Dudingeu wollten, sehr unge-legen kommen ; sie hielten eS für zweckmäßig, die Ausführung zu hindern, und sohieß eS denn:Bauet, wenn ihr wollt, wir können eS euch nicht verbieten, aberwir gestatten keine Anfinge!"

Diese väterliche Entschließung gelaugte nach Dudingeu und der Pfarrer theiltesie seinen Bauern mit.Aber wir bauen unsere Kirche dennoch, nicht wahr?"fragte er.O ganz gewiß!"Und eS soll auch nichts daran fehlen?"

Durchaus nichts!"Wann wollen wir anfangen?"Morgen schon!

Und sie fingen in der That an. Jeder lief in die Sakristei, um seine Erklärung

aufzuschreiben, wie viel er an Geld beitragen wolle; und am nämlichen Abend er-

reichte die Unterzeichnung schon nahebei die Summe von fünf und dreißig TausendFrank. Ein Einziger hatte widersprochen; auch einige Einwohner der Stadt, welcheLändereien in der Gemeinde besaßen und vielleicht selbst zu den RegierungSmit-gliedern gehörte», verweigerten die Beisteuer.Desto schlimmer für sie!" sagte»die Bauern.