Ausgabe 
20 (8.1.1860) 2
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Der Pfarrer sprach nun abermals zn der Gemeinde, und die Herzen öffnetensich seinem Worte ebenso bereiiwillig, als au dem Tage, wo er ihnen die Armenempfohlen hatte. Derselbe Znrnf, derselbe Erfolg antwortete ihm; die Reichengaben das Geld, die Frauen ihre Kleinodien, die Armen die Kraft ihrer Hände.Man schrirt unter der Leitung des CaplanS eifrig zum Werke. Die Einen trugenHolz und Steine bei, die Andern waren Maurer, wieder Andere dienten als Hand-langer. Niemals kam es zu Klagen und Schwierigkeiten, wenn cS sich um denVollzug der übernommenen Verpflichtungen handelte; ja sogar, wenn nachträgliche Lei-stungen nöthig wurden, was zwei- oder dreimal üatlfand, zeigte sich kein Verdruß undkein Hinderniß. Der Pfarrer versammelte nur seine geistlichen Kinder, stieg auf dieKanzel und sagte:Kinder, wir haben Nichts mehr, es ist Alles ausgegeben!" undam nächsten Morgen war wieder Geld in der Kasse. Das Wunderbarste aberwar, daß Niemand wußte und auch nicht zn erfahren suchte, was der Andere gege-ben hatte. Nur der Pfarrer kannte das Geheimniß Aller.

Die Arbeit wurde ohne Rast und Ermüdung fortgesetzt nnd in wenigenJahren war die Kirche vollendet. Sie ist schön und geräumig. Sie kostete derGemeinde von vier Tausend Seelen über hundert und dreißig Tausend Francs, abersie ist auch der Stolz und die Freude der guten Leute.

Wir haben dieser Erzählung Nichts beizusetzen; sie spricht für sich selber. Nurden Einen Wunsch haben wir, daß allenthalben, wo es sich um eine christliche Ver-sorgung von den Armen, oder um die würdige Herstellung eines heruntergekommene»Gotteshauses in einer Gemeinde handelt, der jeweilige Pfarrer ein eben so bereit-williges und werkthäligeS Entgegenkommen von Seite seiner Pfarrkinder findenmöge, wie es sich dessen der Pfarrer von Dudingen zu erfreuen hatte!

Die Pest der schlechten Bücher.

Von I'. K. Clemens.

(Fortsetzung.)

Der zweite faule Fleck dieser Ausrede liegt in der Prahlerei mit einer Freiheit,die eigentlich gar keine Freiheit ist.

So ein Leser sagt:Ich bin mein eigener Herr, ich kaun lesen, waS ich will;eS geht Niemand etwas an!" Aber besteht denn die Freiheit etwa darin, daß mantreiben kann, was Einem einfällt? Wenn das wäre, dann müßten die Räuber inden Appeninnen und Pyrenäen und die Wilden in Australien die fceicsten Menschensein. Allerdings besteht die Freiheit darin, daß mau nach eigener, unbeschränkterWahl sich für oder gegen Etwas entscheiden kann. Wahrhaft frei ist aber nur der-jenige Wille, der in Gott seinen EinignngSpunct und Ruhepunct gefunden hat.Ein Wille dagegen, der an etwas Unheiligem nnd Sündhaftem hängt, ist nimmer-mehr ein freier Wille, sondern es ist ein sklavischer, geknechteter Wille und darumdaS Armseligste, was es geben kann. Adam nnd Eva hatten freilich auch freienWillen, von dem verbotenen Baume zu essen, nnd als sie eS thaten, da geschah esjedenfalls aus freiem Willen. WaS war aber die Folge davon? Ich will jetztvon allem Elende, das dadurch über die Welt gekommen ist, ganz absehen und nurbeim freien Willen stehen bleiben.

Nun, hat dadurch der freie Wille gewonnen oder verloren? Er wurde ge-schwächt und das ist der Fluch der Sünde und eine ihrer schrecklichsten Folgen,daß auch jetzt noch durch jede Sünde der Wille geschwächt wird.

Mit Recht sagt der heilige Angnstinuö:Gefällt nnS die ächte Freiheit,nun so streben wir, frei zn werden von der Anhänglichkeit an die wandelbarenDinge; und wem Herrschaft gefällt, der hange in Unterwürfigkeit nnd in größererLiebe, als zu sich selbst, Gott, dem einen Herrscher aller Dinge an. DaS ist die

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