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Doch den staunnngswürdigen Einfluß des katholischen Glaubens auf die Kunstwollen wir hier nicht vortragen; das überlassen wir den Männern von Fach, dienicht ermangeln werden, uns in die geheiligten Hallen kirchlicher Kunst einzuführen,und unserm Geiste die herrlichen Schöpfungen glaubensbegeisterter Künstler vorschwebenzn lassen. Wir wollen nur Herabsteigen in das Getriebe des gewöhnlichen Lebens,und möchten eine Rundschau halten unter den verschiedenen ErwcrbSzweigen des bür-gerlichen Lebens, um zn sehen, ob nicht gerade die katholische Religion auch hierinden wohlihätigsten Einfluß ausübt, und zwar nicht bloß durch Veredelung des Gei-stes, durch Beförderung der Sittlichkeit, des wechselseitigen Friedens, der Eintrachtund Gottesfurcht, was sie ja stets thut, wo sie in's Leben tritt; sondern wir wollendavon sprechen, wie die katholische Kirche mit dem geistigen Brode des Lebens auchdas leibliche Brod ihren Kindern reicht, indem sie ihnen Arbeit, Verdienst und Er-werb sichert und sich als die wahre Brodmntter zeigt.
Glauben wir ja nicht, dieser Gegenstand sei nicht ehrend genug für unser heil.Religion, oder wir setzten uns der Gefahr aus, auf unwürdige Weise von unsererheiligen scligmachenden Kirche zu sprechen. Nein, so lange der Mensch lebt, bedarfer für Seele und Leib seine Nahrung, und wer BeideS uns reicht, der ist unsererAchtung, Ehrfurcht und treuesten Anhänglichkeit auch doppelt würdig. Darum istkeine Furcht, durch diese Worte die Liebe nud Ehrfurcht gegen die heil. Kirche zuschwächen, wenn von den verschiedenen Gewerben, die entweder ganz oder theilweiseihr Fortbestehen, ihr Blühen und Gedeihen, ihren klingenden Nutzen, mit einemWorte, ihren Broderwerb, dem katholischen Leben verdanken, die Rede ist. Vielmehrhoffen wir, daß am Schlüsse dieses Aufsatzes auch die freundlichen Leser mit unseinverstanden sein werden, nnd uns vielleicht noch danken, daß sie auch noch diesetief ins Leben greifende Seite unseres heiligen Glaubens kennen gelernt haben, einewichtige Seite, die aber, soviel wissentlich, noch von Niemanden berührt worden ist.
Die katholische Religion nimmt den ganzen Menschen in Anspruch, siewill seine Seele heiligen, und sie mit den Kenntnissen des ewigen Heils er-füllen; sie nimmt aber auch seine leiblichen Sinne in Anspruch, und wirkt durchdieselben auf seinen Geist ein; darum stehet unsere heil. Kirche nicht blos imreinsten, gottgefälligsten, unsichtbaren Brautschmucke der Heiligkeit vor uns, sondernauch im äußeren, sichtbaren Schmucke der jungfräulichen Heileanstalt für uns Men-schen da. Vermöge dieses innigen Zusammenhanges des Unsichtbaren mit dem Sicht-Laren, des Geistigen mit dem Körperlichen führt sie die menschliche Seele ihrer ewi-gen Bestimmung zu, gebraucht aber auch die Kräfte des Leibes, eben ihr sichtbaresDasein zu begründen, und reicht dadurch ganz oder theilweise auch das nothwendigeBrod zum Leben.
An jedem Orte, wo sie ihre beseeligcnde Macht entwickelt, da ist sie vor Alleinbesorgt, ein Gotteshaus und eine Schule zn bauen, nm einen Ort zn haben, ihregroßen und kleinen Kinder um sich zu vcisammeln, nnd ihnen das Brod des Lebenszn brechen. Bei diesem Baue aber hat nicht nur der Künstler, der den Plan ent-wirft, seine Rechnung, sondern tausend geschäftige Hände werden in Bewegung ge-setzt; der gemeine Maurer, der Zimmermann, der Taglöhnec findet dabei für langeZeit seinen Erwerb, siin tägliches Brod; in den Steinbrüchen arbeitet der Steinmetze,der Fuhrmann liefert sie zu dem bestimmten Orte, und so sind Viele bctheilt, dieihren Erwerb dem Kirchenbaue verdanken. Bedenken wir nun, wie viele TausendGulden sind nicht in den dreißiger und vierziger Jahren sogar aus dem öffentlichenStaatsschätze in unserm Vaterlande unter die arbeitende Klasse gekommen, und habenihr Brod verschafft, die sonst ausgeblieben wären, wenn nicht die Liebe znm heil.Glauben diese Bauten nothwendig gemacht hätte! Ist aber das Gotteshaus fertig,so ist der Erweib für den Stein- nnd Holzarbeiter noch nicht gesperrt; die jährlichwiederkehrenden Reparaturen oder Ausbesserungen sichern stets fort mehr oder wenigerden Erwerb.