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Wollten wir noch fragen: In welchem Lande sind die meisten Glockengießer?so dürfte Tirol wohl vor allen am besten bedacht sein, nnd wovon leben diese? Wohlgrößtentheils von dem Gnsse der Kirchenglocken, von welchen Jahr aus Jahr eingar viele anS der Werkstälte in den hohen Thurm wandern, um dort zur Andacht dieGläubigen za rufen. Wäre Tirol nicht katholisch, so würde das Gewerbe der Glocken-gießerei wohl ein sehr schwaches und seinen Mann kaum nährendes sein. Mit demGlockengießer findet aber auch der Zimmcrmann und Schmied seinen Theil des Er-werbes, der Eine mit der Bereitung des so nothwendigen GlockcustuhleS, der Anderemit dem nothwendigen Glockenschwengel, Pfannen und Klammern, um dem WerkeFestigkeit zu geben.
Die Gold- nnd Silberarbeiter finden wohl nur in der katholischen Kirche dengeeigneten Platz, ihre Kunst und Talente zu zeigen, und zugleich ihren Erwerb zusichern; denn wer bedarf sonst der im schönsten Juwelen- und Goldschmncke glänzen-den Monstranzen, der mit Schmelzarbeit verschiedenster Art geschmückten Kelche? Dieheil. Kelche und die kostbaren Jnsignicn der bischöflichen und Prälaten-Würde sindeine stets sich erneuernde Quelle des Verdienstes für das Gewerbe der Gold- undSilberarbeiter; dazu kommen die mannigfaltigen kostbaren Verzierungen, deren dieKirche sich bedient, den Schmuck der Altäre zu erhöhen, die schönen Kronen, die sil-bernen Lnichter, Opferkannen nnd Rauchfässer, die Beschläge der heil. Bücher, dieRahmen der Cauontafcln, wo Alles nie kostaar genug sein kann. Hier ist eS auch,wo der Kupferarbciter seine Kunst an den Tag legen kann, da die hohen, mächtigenLeuchter, die Verschalungen des Tabernakels, die Umhüllungen des Altartisches vonKupfer verfertigt, in Feuer vergoldet, mit Silberzicrratheu geschmückt, auch einen im-posanten, des heiligen Ortes würdigen Anblick gewähren. Nehmen Sie den katho-lischen Glauben hinweg, und alle diese Gewcrbslente in Gold, Silber und Kupferbüßen einen bedeutenden, ja wohl den größten Theil ihres Erwerbes ein. Davongibt wohl Zeugniß, daß in protestantischen Orten durchaus kein Silberarbeiter ge-funden wird, der so was Großartiges in seinem Fache zu leisten im Stande wäre,wie der katholische zu thun vermag. Wo die Armuth der Kirche diese kostbaren Ge-rüche anzuschaffen nicht vermag, da finden andere Gewerbe ihren Verdienst, als dasind der Gürtler, der Zinngießcr, die aus minder edlen Metallen dieselben für dieKirche nothwendigen Geräthschaften liefern, und mancher Artikel dieser Gewerbe würdegänzlich aus ihrem Waarenlager verschwinden, wäre nicht die katholische Kirche , diedesselben bedarf.
Was soll man erst von dem Wachszieher sagen? Wenn einmal die Kerzen ausunseren Altären ausgelöscht würden, so könnten sämmtliche Wachszieher ihre Arbeiteinfüllen, nnd sich lediglich anf Willi-, Stearin- nnd andere Kerzen verlegen, daWohl der größte Theil ihres Verdienstes rein von der Kirche ihnen zufließt.
Nicht viel besser erginge eS dem Bortenwirker nnd Posamentirer, deren Gold-und Seiden-Gcwcbe zum Schmucke der priesterlichen Gewände verwendet wird. Neh-men wir die große Anzahl der Meßkleitcr, Levitenröcke, Rauchmäntel, der Antipen-dien und großen Baldachine, der tragbaren Himmel nnd geschmückten Ferknln, diemehr oder weniger bereits jährlich ne» gemacht werden; berechnen wir die Massen 'von Gold-, Silber- und Seidenborten, die großen Quasten jeder Gattung, die Mengeder Fransen, die darauf find, nnd wir werden finden, daß jährlich eine große Summedes Verdienstes dieser Gewerbe rein von der Kirche ihnen zukommt.
Auch der Weber hat hiebe! seine Rechnung, da ja die feinste, beste Leinwand,wie überhaupt Linnenzcug. zu den nothwendigsten Erfordernissen der Kirchenwäschegehören, nnd wohl viele Tausend Ellen deßwegen mehr verfertigt werden müssen,als der Verbrauch im bürgerlichen Leben eS erheischt, wobei auch der Spitzenfabcikantnicht zu kurz kommt, da die Alben, Chorröcke, Corporalien, Pakten, Ueberleger odersonstige Altartücher schöner, bald kleinerer, bald größerer Spitzen nicht entbehrenkönnen. Und weil wir nnS schon am Altare befinden, halten wir Umschau, und da