Ausgabe 
20 (15.1.1860) 3
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sehen wir die Arbeit des Tapezierers an den Altarpolstern, des Dachbinders an demMeßbuche, der sonst auch an den Brevieren der Geistlichkeit viele Arbeit findet, desBlccharbciters an den Beschlägen der Altarrahmen nnd Einfassungen je nach Artnnd Gebrauch, des Teppichwirkers an den ausgebreiteten Teppichen; des Tuch-machers an den überhängenden rothen oder schwarzen Tüchern. Der Seiden- undSammtwirker findet seinen Absatz bei den priesterlichen Kleidern, den damastenenoder sammtncn Tapeten, den großen, den ganzen Altar umschattenden Baldachinenund andern Gegenständen, während der Schriftgießer seine ganze Kunst aufbietenkann, nm die Meß- und Ponlificalbücher würdig auszustatten.

Weil wir aber gerade von Seide und Sammt sprechen, so ist es am geeig-neten Orte, auch von einem Gewerbe zu sprechen, das in unserem Vaterlande vieleHundert Hände beschäftigt nnd Nahrung verschafft, lediglich, weil eS eine katholischeKirche gibt; wir meinen hier die Stickerei. Die Zunft der Gold- und Silberstickerwar noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in höchster Blüthe, und ernährteviele Familienväter auf die honnetteste Weise; ihre reich gestickte Zunfifahne über-strahlte bei öffentlichen Umzügen weit alle übrigen Znnflfahuen. Wohl trugen da-mals Herren und Frauen reich gestickte Kleider, die jetzt wegen der allgemein ge-wordenen Armuth nnd wegen der Vorliebe für den Flitter der wechselnden Modeaußer Gebrauch gekommen sind; doch war ihr Hanptcrwerb die Verfertigung derkostbaren Kirchenklcidung, deren entwickelten Reichthum und kunstfertige Arbeit wirAlle noch anstaunen. Und jetzt, da diese ehrenvolle Arbeit rein in die Hände deSfrommen Geschlechtes übergegangen ist, wie viele Frauenzimmer leben nicht blos inunserer Hauptstadt lediglich von der Kirchenstickerci! Lassen sie aufhören den katho-lischen Glauben in unserem Vaterlande, nnd alle diese unermüdlich stickenden Per-sonen sind an den Bettelstab gebracht, denn ihre Kirnst findet bei der Welt keinenAnklang, wie man auch an Orten, wo man die Kirche nicht liebt, auch keine fertigeGoldstickerin findet; daher auch viele Bestellungen weit nm in's Ausland von hieraus gehen, ja filbst über das Weltmeer nach Amerika hinüber. Ist hier die Kirchenicht eine wahre Brodmutter für diese ihre Kinder?

Hier sei eS uns erlaubt, auch noch von den Wäscherinnen Meldung zu machen,die eben, weil die Kirchdnwäsche eine besondere Bearbeitung bedarf, gerade auch beider Kirche den gesichertsten Erwerb finden, so wie die sogenannten Krauzclbindcrin-nen, deren Arbeit ja größtenlheilS znm Schmucke der Altäre dient.

Sehen wir uns aber noch mehr in der Kirche um, so finden wir darin be-schäftiget den Tischler, der nicht nur die Bänke und Stühle liefert, sondern auch jenach Umständen die Altäre baut, die dann der Vergolder mit Kunst und Geschmackzu herrlichen Gebilden nmschafft, sowie Beide gemeinschaftlich an den üblichen Fer-knln und sonstigen Ho'zgcrächschaften sich betheilcn, während der Lackircr nach seinemGewerbe diesen oder jcnen Anstrich den Arbeiten des Tischlers gibt. Der Schlosserliefert daS mächtige Kreuz, das vom Thurme herabglänzt, nnd auf den Knopf ge-setzt ist, den der Kupferschmied geliefert, nachdem er die Thurmkuppel mit seinemfesten Metalle zugedeckt. Die künstlichen Eisengitter in der Kirche, sowie die kunst-vollen Schlösser an den Kirchenihüren sprechen laut, daß der Schlosser hier viele undlohnende Arbeit gefunden. Der Glaser gehet dabei auch nicht leer aus, vielmehrkann er an den hohen Kirchenfenster» seine ganze Kunstfertigkeit an den Tag legen.

WaS wi brlt und schmct.eri aber droben in der Empo.kirche? ES sind dieMusikanten. Nrhmen sie dirsen den karhvlischen Gottesdienst, wie viel Einbußewürben sie erleiden? Sie dienen durch ihre Kunst der Kirche, leben ober auch vonder Kirche, während Andere ihnen wiederum die erforderlichen Instrumente liefern,und so mittelbar ebenfalls bei der Kirche ihr Brod finde».

(Schluß folgt.)