Ausgabe 
20 (22.1.1860) 4
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22. Januar 1860>

Das Augsburger SonntagSblatt (Tonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Zur IVVjährigen Jubelfeier des Geburtstages des hochfel.Bischofs Wittulann.

Ihn beschweren alle Ehren,

Aller Feier ist Er feind;

Denn die Demuth sieht mit Wehmuth,Was nicht Gottes Ehre meint.

Doch gibt's Feste, wo als GästeEngel selbst mit uns sich sreu'n,

Wo ste kommen, um den FrommenGnaden auf den Weg zu streu'n.Solch ein reines Fest ist SeinesPricsterthumes Jubeltag,

Wo mit Grunde unserm MundeSegenswunsch entströmen mag.Fünfzig Jahre am Altare,

Fünfzig Jahr' im Dienst des Herrn,Ohne Rasten, allen Lasten

Beugt Er Seine Schultern gern.Fromm und innig, still und sinnigWirkte Er an Seinem Ort,

Tausend nahmen heil'gen SamenIn sicl> aus auS Seinem Wort.

Wer Ihm nahet, der bejahet,

Daß das heil'ge Wort nicht trügt:Daß hienicden scl'gen FriedenFindet, wer sich selbst besiegt.

Streng bekämpfet und gcdämpfetHat Er jede Leidenschaft;

Um so weiser ist Sein Eifer,

Um so fester Seine Kraft.

Wcnn's zu wehren gilt die EhrenGottes oder Seiner Braut;

Wenn's zu wahren vor Gefahren

Gilt die Schaar, die Ihm vertraut.In den Wellen, die im schnellen

Wechsel treibt der Strom der Zeit,Wankt Er nimmer, fest wie TrümmerBesserer Vergangenheit.

Ob es stürme, ob sich thürmcDrohend Wetter rings umher,

Kein Erblassen kann Ihn fassen,

Denn Sein Muth stammt hoher her.Stadt! gib Zeugniß dem EreignißAus der schreckenvollen Zeit,

Wo die Sieges-Gier des KriegesDich dem Untergang geweiht.*)Kugeln raffeln, Flammen prasseln,

Häuser stürzen krachend ein.

') Bei Erstürmung »on Regen-burg 1809.

Alles zittert, unerschüttert

Geht Er Seinen Weg allein,

Sucht die Armen voll Erbarmen,

Sucht die Kranken rettend auf,

Kein Gcwirre macht Ihn irre,

Nichts hemmt Seiner Liebe Lauf.Gleich dem Pfeile, der mit EileUnverrückt zum Ziele dringt,

Gleich dem Keile, der die Theile,

Die Er faßt, zu weichen zwingt;

So eilt g'rade auf dem Pfade

Strenger Pflicht Sein Fuß dahin.

So siegt mächtig, wohlbedächtigSein in Gott gestählter Sinn.

Doch die enge Zucht und Strenge,

Die dem Leichtsinn mahnend wehrt,Wird erweitert, es erheitert

Sich Sein Antlitz wie verklärt.

Wenn die Kleinen Ihm erscheinen,

Wenn ihr traulich Ihn begrüßt.

Vor dem Kinde schmilzt die Rinde,

Die Sein liebend Herz umschließt.Denn Sein zarter, wohlbewahrterBlick, den heil'ge Scheu umhüllt,Sicht im Kinve keine Sünde,

Sieht das reine GottcsbilvNiedcrscheinen auS den Kleinen,

Sieht die Engel vor dem ThronBetend knicen, aufwärts ziehenKtnderherzen zu dem Sohn.

Also wandelnd, rastlos handelnd.

Ward Er heut' ein Jubelgreis;

Und noch immer ruht Er nimmer,

Ja, noch reger wird Sein Geist.

Auch nach plagevollem Tage

Bleibt Ihm Ruh' und Schlummer fern.Mitternächtig ringt Er mächtig,

Wie einst Jakob, mit dem Herrn.Hebt die Hände, daß sich wendeSeiner Strafgerichte Droh'n,

Und Er betet noch, da röthet

SiH im Ost der Morgen schon.Unergründlich scheint uns stündlich,

Was Sein Jnn'res drängend fühlt.Mann des Geistes! Du nur weißt es,Was Dir Gottes Geist enthüllt.