Ausgabe 
20 (22.1.1860) 4
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Als eine Zeuge an der NeigeAlter Tage stehst Du da!

Was dieß Gähren will gebären.

Sag' unS, wenn Dein Aug' es sah.Doch Du schweigest ernst und zeigestBetend auf das heil'ge Buch:

Und ich lese: Böse, böse

Ist die Zeit und schwer der Fluch.

Betet, wachet, kämpft und fachetAn des hcil'gen Feuers Gluth.

Ihr Erkalten löst den alten

Drachen, löst der Hölle Wuth."

Jubelpriestcr! da so düster

Sich der Tage Abend senkt,

So bleib' bei uns, ach! und sei uns

Stern, der durch die Nacht uns lenkt!

Da dieser Hochselige nicht mehr unter uns weilt, sondern, von der Erde Last und Wirren erlöst, des himmlischen Friedens sich freut, blicken wir in derZuversicht seiner Seligkeit zu ihm auf und rufen, an den Schluß des obigenherrlichen Lobgesanges auf das fünfzigjährige Priestcrjubiläum Wittmanns ausdem Munde des nun ebenfalls Heimgegangenen großen Kirchenfürsten Melchiorv. Diepenbrock anknüpfend:

Nun dort oben, Gott zu lobenIn des Himmels Seligkeit,Blickst du nieder auf die Bruder,Wallend noch in trüber Zeit.

Schon erschlossen sind die großenZlckunftsblüthen Deinem Blick;Doch wir stehen noch in Wehen, Bangend um der Welt Geschick.

Fleh' am Throne bei dem SohneUnd der Mutter mackcllos,

Daß mit Würde seine BürdeTrage Pius, mild und groß.

Daß die Priester wie GeschwisterStehen um den Vater treu,

Und nicht wanken aus den Schranken,Wenn sich nah't der Hölle Leu.

Wenn der Feinde Macht sich einteGegen GottcS Braut zum Streit,

Ist zum Schutze wie zum TrutzeErd' und Himmel auch bereit.

Nicht erlieget, der besiegetSchon am Kreuz die Macht der Welt;Mit Vertrauen also schauenWir wie Du zum Sternenzelt.

Der Einfluß -er katholischen Religion auf die verschiedenenGewerbe in materieller Beziehung.

(Schluß.)

Trete» wir aber aus der Kirche hinaus in das Leben, so begegnen wir hierebenfalls den verschiedensten Erwerbszwcigen, die theilweise dem katholischen Lebe»mehr oder weniger ihr eigenes Leben verdanken. Der Gelbgießer mit seinen Crnci-firen, Pfenningen und Medaillen kann nur in einem katholischen Lande bestehen.Der Lithograph und Kupferstecher lebt wohl hauptsächlich von den Heilgenbildern, dieder Katholik mit Freude und "Ehrfurcht für sich und seine Kinder gerne aufnimmt.

Nährt nicht der Palmsonntag manchen Familenvatcr aus den südlichen Gegen-den, da er für diesen Tag weit und breit die Oelzweige, die sein Vaterland ihmreichlich bietet, an Orte liefert, wo keine solchen gedeihen, wo er aber eben wegender herrschenden katholischen Kirche den gewissen Absatz weiß? Auch der Kranzver-fertiger aus Bachs und Ephen schlägt seinen Gewinn am Seelentage hoch an, wieanch der Gärtner es nicht verschmäht, zu kirchlichen Festen seinem Garten die schön-sten Blumen zn entnehmen, und daraus nicht unbeträchtlichen Gewinn zn ziehen.

Muß nicht der Müller das feinste und reinste Weizenmehl liefern, damit eStauglich sei, ans demselben das Brod zum hochheiligen Opfer der Messe zu bereiten,und hat der Bäcker an den hohen Festtagen dcS katholischen Kirchenjahres, an denender Katholik zur geistigen Freude auch die leibliche und Familienfrende vereinet, nichtbesondere Arbeit und besondern Erwerb? Wir dürfen dabei nur an den Weihnachts-zeiten oder an daS Osterbrod und den Allerheiligen-Hasen denken. Daß an diesenTagen der Freude auch der Zuckerbäcker nicht leer ausgehe, kann man sich leicht denken.

Aber auch der Weinhändler findet eine nicht unbedeutende Absatzqnelle für seineGetränke. Wenn auch zum heiligen Meßopfer nur eine ganz kleine Quantität Wein