Ausgabe 
20 (22.1.1860) 4
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erforderlich ist, so muß doch eine bedeutende Menge nach jenen Gegenden gerade zumkirchlichen Gebrauche gesendet werden, in denen der Weinstock nicht gedeiht, da diekatholische Kirche ja von einem Pole der Erde bis znm andern ihre Mntterarmeausgestreckt hat.

Zu den Weinhändlern gehört auch daS Wirthsgewerbe. Alle Welt weist aber,dast Niemand größere Freude hat an großen kirchlichen Festen, als gerade die Wirthe,da sie wohl wissen, daß der Mensch nach dem Gennsse geistlicher Nahrung gerneauch nach Labung für seinen Leib verlangt; es sollte freilich kein Mißbrauch derGaben GotteS , kein Uebermaß im Genusse der Getränke erfolgen, und dann ist derredliche und ehrliche Gewinn den Wirthen für ihre Mühe und Sorge wohl zu gönnen.

Noch haben wir nichts vernommen von dem Gewerbe der Kürschner, Schnei-der nnd Schuster. Sollen diese von der Betheiligung an der Arbeit der Kirche aus-geschlossen nnd gleichsam als Stiefkinder bewachtet werden? Nein, wenn auch nichtgroß die Anforderungen an diese Gewerbe sind, so sind sie doch nm desto ehrenvollerund ausgezeichneter. Der Kürschner liefert den hohen Prälaten, Bischöfen, nndDomherren ihren vorgeschriebenen Hermelinmantcl, der zur Hebung des äußeren An-sehens derselben beiträgt.

Ncbstdem, daß es eigene Kirchenschneider gibt znr Verfertigung der Paramcnte,hat doch fast jeder Kleidcrmachcr Gelegenheit genug, nebst dem der Mode unter-worfenen Kleide der Weltlichen auch die gleichbleibenden Talare und überhaupt dieehrwürdige Tracht der Diener der Kirche seinen geübten Händen anvertraut zu sehen.

Weniger Abwechslung findet Hiebei der Schuhmacher, da die Fußbekleidungdoch ziemlich allgemein die gleiche ist; es wäre hier nur, daß man die sonst nichtgebräuchlichen Schnallenschuhe oder die für die rauhen Bergwcge des Priesters be-rechncien Kanonsticfel anführen wollte, die jedenfalls auch nicht unbedeutenden Er-werb liefern möchten. Jedoch widerfährt der Arbeit des Schuhmachers die höchsteEhre, da ja auch ein Schuhmacher den mit dem goldenen Kreuze gestickten Pantoffelverfertigt, den der heil. Vater anzieht, sobald er sowohl Hohe als Niedere zum üb-lichen Fußknsse zuläßt.

Während der Seiler znm Behufe des LäutenS die Glockenstricke aus Hanfdreht, flechtet der Sattler dieselben aus ledernen Riemen, oder überzieht die Hanf-stricke mit der gegerbten Haut der Thiere.

Allein nicht nur die Handarbeit oder eigentliche Handwerker finden Mittel- oderunmittelbar, mehr oder weniger Verdienst und Erwerb wegen des herrschenden katho-lischen Glaubens, sondern auch der Kaufmann, der mit den verschiedensten Gegen-ständen Handel treibt.

Wir wollen schweigen von den Buchdruckern und Buchhändlern, die gewißallgemein das Zeugniß abgeben, daß die Diener der katholischen Kirche ihre bestenKundschaften sind; auch der Schnittwaarenhändker sieht gewiß mit Freude den Pfarreroder den Kirchpropst in sein Gewölbe kommen ; denn er weiß daß diese die sicherstenAbnehmer seiner Seiden- und Sammtstoffe, seiner wollenen nnd leinenen Damaste,seines Spitzen- nnd TüllverlagcS sind, weil dieses alles gar wohl znm Kirchendicnstverwendbar ist.

Der Speccreihändler, was verdankt nicht dieser für einen schönen Gewinn demkatholischen Gottesdienste, oder fragen wir nur, wie viel Weihrauch würde er ver-kaufen, wenn es keinen katholischen Gottesdienst gäbe? nnd wie viel Oel verschleußter nicht gerade wegen des ewigen Lichtes, das Tag und Nacht vor dem Tabernakelder kathvlsschen Kirche das ganze Jahr hindurch brennt? Auch dürfen wir bei diesenSpeccreihändlern nicht vergessen den namhaften Gewinn, den ihnen die Fasttage derkatholischen Kirche abwerfen, oder, fragen wir weiter, würden jene viele CentnerStockfisch, Häring und Anguilloti je nach Rom kommen, wären wir nicht gewissen-haft genug, die vorgeschriebenen Fasttage zu halten? Ohne die Fasttage würde dieserHandelsartikel bei uns gar nicht im Schwünge, oder ein ganz unbedeutender sein.