Ausgabe 
20 (22.1.1860) 4
Seite
28
 
Einzelbild herunterladen

28

Weil wir aber gerade von den Fasttagen sprechen, so können wir noch einen Erwerbs-zweig nicht unerwähnt lassen, der gerade dieser Einrichtung der katholischen Kircheseinen besten Verdienst verdankt. Wir meinen hier die sogenannten Mehlbcreien.Wann sind diese am meisten besucht? wann bringen sie ihre Verrathe an Mehl,Schmalz und Hülsensrüchtcn rc. am besten an den Mann? Unstreitig doch an undfür die Fasttage. Schreiber dieses hat manche große Stadt besucht, und geflissentlichum dieses Gewerbe sich umgesehen, fand aber, daß verhälinißmäßig nirgends so vieleVictualicnhändler, Greißler, bei uns Mehlbler genannt, sich aufhalten, als in unsererkatholischen Hauptstadt, was wohl ein Zeugniß sein dürfte, daß das so geschmähteund verachtete Fastengebot der Kirche hier noch am gewissenhaftesten dürfte eingehal-ten werden.

Hier dürste auch nicht Übergängen werden, wie viele Personen nnr bei der kathol.Kirche entweder ganz oder thcilweise ihren Lebensunterhalt finden; wir dürfen bloserinnern an die Mcßuer und Organisten, an die Ministranten und anderes Sacristei -nnd Thurm-Personale, nm uns die vielseitige Brodspendung der heil. Kirche vorAugen zu führen. Und wollten wir erst die anS dem Geiste der kath. Kirche her-vorgegangenen Vereine und Bruderschaften, die Spitäler, Klöster und sonstige Wohl-thätigkeits-Anstalten durchgehen, welche Masse von Unterstützungen, Ernährung, Er-werben und Verdiensten, mit einem Worte, welche Menge Brod verschafft nicht diekatholische Kirche dort, wo sie in Blut und Saft des Volkes übergehet!

Doch wir wollen die Geduld der Leser nicht länger mißbrauchen. Aus denkurzen Umrissen müssen wir ersehen haben, welchen materiellen Segen unser heil.Glaube zu verbreiten im Stande ist. Denken wir nnö nur, wenn auch nur aufzehn Jahre unsere Kirchen geschloffen, unsere Priester verbannt, wenn in dieser Zeitdas neue Hcidcnthum oder förmliche Religionslosigkeit, oder auch nur eine andereReligion als die kaiholische herrschen würde, wie würde eS in unserm Vaterlandeaussehen? Ach, das schauerlichste Bild alles Elendes würde sich gar bald offen-kundig zeigen. Nicht nur, daß alle Zucht und Sittlichkeit aufhörte, daß kein Eigen-thum sicher, keine Erziehung möglich wäre, nicht nur, daß alle Bande der Ordnungausgelöst, das Familienleben entheiliget, der Gehorsam entfremdet, und dafür Ruch-losigkeit, ja selbst Raub und Mord au der Tagesordnung wären, selbst der nährendeErwerb, die Brod verschaffende Arbeit würde für Viele entweder ganz, oder aufsehr empfindliche Weise zum Theile verloren gehen; warum? weil die eigentlicheBrodmntter, die liebende Verpflegen« ihrer Kinder au Leib und Seele von unsgewichen wäre.

Man darf nicht glauben, diese hier ausgesprochene Ansicht sei ein bloßesPhantasicbild oder ein ernsthafter Scherz, o nein, eS ist lautere Wahrheit. Dafürspricht wohl die laute Thatsache, daß gerade an den Orten, wo die katholische Re-ligion entweder verschwunden, oder wo gänzliche Gleichgiltigkeit gegen dieselbe herrscht,die Armuth einen schreienden Grad erreicht, den wir zum Glücke gar nicht kennen,und manche Gewerbe so darnieder liegen, daß die mistigen dagegen in vollster Blüthesich entwickeln.

Ja, eS lohnt sich der Mühe, nnd unsere heil. Religion verdient es, auch diesewohlthätige Seite der heil. Kirche tief aufzufassen und zu Gemüthe zu führen. ESwäre doppelter Undank und doppelte Strafwürdigkeit von unserer Seite, wolltenwir in den Ton des neuen AufklärichtS einstimmen, und unsere heil. Kirche besudelnmit bösen, unverdienten Vorwürfen und thörichten Beschimpfungen.

In nnsircr Zeit, wo man alle Erfolge und glücklichen Resultate nach Proccntenund Geldsummen berechnet, ist es gewiß von großer Wichtigkeit, den Feinden unseresheil. Glaubens auch kühn entgegentreten und sagen zu können: Unsere Kirche istauch unsere Brodmntter. Ja, so ist eS auch, und wir glauben gar nicht die Summezu übertreiben, wenn wir zu behaupten wagen, daß bereits eine halbe Million jähr-lich nur in unserer Stadt, einzig weil sie katholisch nnd weil Tirol katholisch ist, in