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Umlauf gesetzt wird, ungerechnet dessen, was christliche Liebe und Mildthätigkeit nochbesonders Gutes spendet.
Darum freuen wir uns, der heil. katholischen Kirche anzugehören. Diese hl.Kirche ist unsere Mutter, die mit liebender Sorgfalt nicht nur unsere Seelen füreine selige Unsterblichkeit vorbereitet, nicht nur unseren Geist mit der erhabenstenKenntniß über Gott, unsern Zweck und unsere ewige Bestimmung ausrüstet, unddenselben für alle Vorfälle des an Abwechselung reichen Lebens stärket, ihn lenkt undleitet die Bahn der Tugend und Gottseligkeit zn wandeln, sondern auch den Be-dürfnissen unseres sterblichen Leibes bereitwillig und mit vollen Händen abzuhelfensich bemüht. Ihr gebührt unsere volle Achtung, Liebe und Anhänglichkeit aus dop-pelter Beziehung. Bleiben wir fest und unveränderlich in treuer Ehrfurcht ihregehorsamen Kinder. Mag auch der herrschende Zeitgeist mit aller Wuth blinderRäsonnirsncht, mit allem Gifte der Schmähung, des Spottes und Hohnes überunsere Kirche herfallen: mag er auch von seiner erträumten Höhe vornehm lächelndauf sie Herabblicken — Uns bleibt sie eine heilige, verehrnngöwürdige Mutter, welcheranzugehören wir uns zur höchsten Ehre und zum größten Glücke rechnen. Uns istsie jene liebreiche Mutter, der wir aus ganzem Herzen durch treue Anhänglichkeitunsere Dankbarkeit darbringen, weil sie uns bricht das Brod der Seele, aber auchdas des Leibes. Sie blühe und wachse, sie vermehre sich an Kindern aller Art aufdem ganzen weiten Erdenrunde, sie blühe und bleibe im gesegnetsten Zustande inunserm allzeit katholischen Tirol!
Die Pest der schlechten Bücher.
Von r. K. Clemens.
(Schluß.)
Ein Anderer sagt wieder: „Aber diese Bücher sind doch sehr schön geschrieben;und gerade um Gewandtheit im Ausdrucke zu erlangen, lese ich sie." — Hier könntenwir mit einander streiten, ob denn für deinen Stand wirklich eine so große Rede-und Schreibfertigkeit nöthig ist. Aber nein, wir wollen annehmen, es wäre so.Wird denn damit der Zweck erreicht? Theilweise wohl; aber daraus folgt ja nochnicht, daß man hierzu verderbliche Schriften wählen müsse. Was wäre das fürein Gewinn, wenn man sich die wunderschöne Schreibart eines Schriftstellers an-eignete, zugleich aber auch den schlechten Geist desselben? Will man zu seiner Aus-bildung lesen, so gibt cö noch genug gute Bücher. UcbrigenS ist dies nicht genug.Wem eS wirklich darum zu thun ist, sich eine größere Fertigkeit im schriftlichenAusdruck anzueignen, der muß nicht glauben, daß er dies durch Lesen allein schonerlange. Er muß sich vielfach üben in den verschiedenen Arten von Aufsätzen undseine Arbeiten von einem kundigen Lehrer verbessern lassen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich recht angelegentlich ein Buch empfehlen,welches zur Ausbildung in deutschen Aufsätzen sehr geeignet ist. Es hat den Titel:„Entwürfe zu deutschen Aufsätzen und Reden, nebst einer Einleitung, enthaltend dasWichtigste anS der Stylistik und Rhetorik. Für Gymnasien, Seminarien, Realschulenund zum Selbstunterrichte von Joseph Kehrein , Professor am herzoglichen Gymnasiumzu Hadamar, jetzt Dircclor des katholischen SchullehrerseminarinmS zu Montabaur rc.Paderboru, Verlag von Schöningh. 185^." Außer der wissenschaftlichen und prac-tischcn Gediegenheit, die überhaupt alle Schriften des gelehrten Verfassers auszeichnet,verdient der christliche Geist dieses Buches die dankbarste Anerkennung. Es istmeines Wissens das erste Buch dieser Art, welches die Wahrheiten der heiligen Re-ligion gebührend berücksichtigt.
Es ist also auch diese Auörcdc: „ich lese um die schöne Schreibart zu lernen,"eine ganz unbegründete. —