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Endlich gibt cs noch Einige, welche von Kummer nnd Betrübniß niedergedrücktfind und solche Bücher lesen, nm sich zn zerstreuen nnd ihren Gram zu vergessen.Für den Augenblick hilft eS wirklich nnd das kommt daher, weil der Geist vomGegenstände seines Verdrusses abgelenkt nnd auf einen anderen Gegenstand hin-geführt wird. Um also anf kurze Zeit sein Leiden zn vergessen, braucht man nnreine Thätigkeit zn wählen, die den Geist so viel als möglich von der Ursache desKnwmerS ablenkt, ihm Zerstreuung verschafft. So würde z. B.: gesellige Unter-haltung oder große Thätigkeit in den BernfSgeschäftcn oder eine kleine Erholungs-reise zwar gnte Wirkung thun, aber nnr für kurze Zeit. So wie die Beschäftigungabgebrochen wird, kehrt der Kummer zurück.
Da aber die Zerstreuungen nur anf wenige Stunden Linderung verschaffen, sosollte man auch nicht zn viel Werth darauf legen, sondern vielmehr anf ein Mittelsinnen, welches für immer den Schmerz der Seele heilte. Ein solches Mittel besitzenwir aber in der Anwendung des Glaubens. Wenn man zur Religion seine Zufluchtnimmt, so erhält man folgenden Aufschluß: Dn leidest Trübsale? Wohlan, wo istein Mensch, der nicht sein Kreuz hat? Wo hast du je von einem Heiligen gehört,der nicht durch die Schule des Leidens gegangen wäre? Die größten Heiligentranken gerade den bittersten Lcideuskelck, z. B.: die Mntlergottes, der heilige Jo-hannes der Täufer u. A. Wo siehst dn einen Sünder, der nicht auch sein Kreuzhat? Oder hat der Sünder kein Krenz, so beneide ihn nicht, er ist vielleicht vonGott aufgegeben. Dn magst also ein Sünder oder ein Gerechter sein, so ist Leidendein Antheil. Gibt Gott dir dein Leiden nicht zur Buße, so gibt Er dir'S doch znrPrüfung. — Auf diese und ähnliche Weise gelangt man zum Verständniß seinesLeidens und nun trägt man eS ruhiger. Man weiß, Gott meint es gut. Manübt nun das Gebet, man empfängt die heiligen Sacramente, denn der Glaube lehrtdaß durch Gebet und Sacramente eine übernatürliche Kraft dem Menschen zu Theilwird. Frage die frommen Dulder alle, ob sie Trost aus der Religion schöpfen.Sie werden sagen: „O Gott, hätte ich die Religion nicht, so lebte ich längst nicht mehr."
Wie magst du nun ein so kräftiges Trostmittel versäumen nnd dafür deineZuflucht znr Apotheke des Teufels, nämlich zu den schlechten Büchern nehmen? Wiemagst du solche Bücher lesen, welche deinen Glauben eher untergraben als befördern?Siehst du nichr, daß Gott durch die Trübsale dich näher an sich ziehen will? WillEr dich nicht losreißen von der Anhänglichkeit an das Irdische? Warum willstdu Gott entfliehen nnd dich durch solche Lectüre noch inniger an das Irdische an-klammern? Umfasse dein Krenz, gehe ein in die Absichten Gottes und der Friededes heiligen Geistes wird in dein Herz einziehen.
Siehe, christliche Seele, alle die Scheingründe, die mau für daS Lesen schlechterBücher anführt, zerrinnen in Nichts, sobald man sie ruhig betrachtet. Wozu wirstdn dich nun entschließen? Wirst dn stark genug sein, nm diesen Büchern zn ent-sagen: oder wirst du zurückkehren in den Irrgarten der glaubend- nnd sittengcfähr-lichcn Literatur? Wärest dn wohl so verblendet, nm nicht zu erkennen, daß dieseBücher wirklich sehr verderblich sind und daß dn leider nur allzn empfänglich fürdieses Gift bist? Schrecken dich die traurigen Folgen dieses Lesens nicht nnd hältstdu deine Gründe für so wichtig, so sage ich: Ja, so gehe denn hin! Berauschedeine Phantasie an diesen sinnlichen Gemälden; verblende deine Erkenntniß an demtrüben Scheine dieser Irrlichter! Thue, was du willst; treibe, was dir gefällt; —aber ehe dn zurückkehrest in den Irrgarten dieser schlechten Literatur, so erfülle nochmeine letzte Bitte und begleite mich im Geiste zu einem anderen Garten. DieserGarten liegt draußen vor Jerusalem . Wir treten hinaus in eine schauerliche un-heimliche Nackt. Der Himmel ist mit schweren schwarzen Wolken überzogen. Nnrdurch einige Wolkenrisse fällt daS Mondeslicht anf die stille Flur. Da liegen unterden Bäumen einige Männer; nnd wir sehen eine menschliche Gestalt, hingeworfenans die Knie. Sie zittert und bebt. Wir treten hinzu und schauen, nnd ein blasser