Ausgabe 
20 (22.1.1860) 4
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Strahl des MoudeS läßt uns Jesum sehen. Von seinem Angesichte rieselt blutigerSchweiß. Warum bist du so betrübt, liebster Jesus ? Warum das Zittern? Dieserblutige Schweiß? Ach, sagt Jesus seufzend, ich sehe vor mir die Sünden allerMenschen, die Vergangenheit und Zukunft. Ich sehe, daß ich Diele vergebens er-löse. Viele werde ich erlösen, aber sie werden mich wieder verlassen. O die undank-baren Seelen! Ich gebe ihnen Alles und mich selbst; sie aber wollen mir nicht daSgeringste Opfer bringen. Nicht einmal einem Buche können sie aus Liebe zu Mirentsagen; wie werden sie die größeren Prüfungen und Versuchungen ertragen! Siewerden in's Verderben stürzen.

Und nnn, christliche Seele, betrachte deinen Heiland. Du hast schon genugSünden auf deinem Gewissen; willst du dir selbst den Weg des ewigen Lebens ab-schneiden? Willst du deinem Heiland nicht die Freude gönnen, dich auf Erdenheilig und im Himmel selig zu sehen? Siehe, dein Schicksal liegt in deiner Hand.Heute noch sollst du deinen Entschluß fassen. Wähle so, daß er dich nie gereue.

Der Orden des heil. BenedictuS in Nordamerika .

(Schluß.)

ES mag nicht überflüssig sein, durch ein paar Beispiele etwas deutlicher zuzeigen, welch große und schöne Aufgabe dem Orden des heil. BenedictuS in Nord-amerika gegeben und welch ein unermeßliches Feld offen vor ihm da liegt.

Man darf im Durchschnitte sicher annehmen, daß in den Staaten des Westensund der Mitte, die in Missouri, Kansas, Iowa, Minnesota, Wisconsin, Michigan ,Illinois, Jndiana, Ohio und Pcnsylvanieu, in den Diöcesen Buffalo (New-Uork)und Coviugton (Kentncky) die Hälfte der kathol. Bevölkerung deutsch ist. Nunwaren aber z. B. in Minnesota zu Ende des vorigen Jahres außer den 8 Bene-dictinecn nur 2 bis 3 deutsche Priester, und diese nicht ausschließlich für die Deutschenbestimmt: daraus mag man schließen, wie sehr Jene schon von der Seelsorge derDeutschen allein in Anspruch genommen waren. Und noch ist wenig Aussicht aufeine Wendung zum Bessern. Im Jahre 1850, als das Visthum St. Paul errichtetwurde, hatte Minnesota eine kathol. Bevölkerung von zwei tausend fünf hundertSeelen, nach 8 Jahren zwanzigmal so viele! Diese staunenöwerthe Vermehrungder Bevölkerung leidet aber durch die verminderte Einwanderung aus Europa keinewesentliche Aenderung; denn in Amerika geht die Uebersiedlnng aus den älteren

Staaten in den frnchlbarercn und gesünderen Westen ununterbrochen fort; zumal nach

dem nordwestlichen Wisconsin und nach Minnesota. Und weil in St. Paul nochkein Seminar vorhanden ist, so wird selbst der neue ausgezeichnete Bischof 6r-,ee(aus dem Dominicaner-Orden) froh sein müssen, wenn es ihm nur gelingt, die Zahlseiner Priester in demselben Verhältnisse zu vermehren, in welchem sich die Ein-wohnerzahl vergrößert; somit ist auch für die Benedictiner keine Aussicht auf Er-leichterung. Da sie zudem seit mehr als einem Jahre selbstsländig sind, müssen sie,

sobald eS irgend möglich ist, eine Lehranstalt mit Seminar eröffnen, da sie auf Ver-stärkung aus St. Vincent nicht mehr rechnen dürfen. Endlich hat der wohlbekannteund hochverdiente Indianer-Apostel Pier; schon wiederholt und dringend um einenoder mehrere Gehilfen zu seinem schwierigen aber reich gesegneten Werke der Bekeh-rung und Sittigung der Ureinwohner angehalten, und ist damit nur einem lebhaftenWunsche der Benedictiner entgegengekommen, ohne daß sie ihn bis jetzt erfüllenkonnten.

In Teras haben vor wenigen Monaten 3 Väter und 2 Brüder aus St.Vincent die Kirche zu 8an äosv, einer ehemaligen Indianer-Mission, übernommen,um da ein Priorat ihres Ordens zu errichten (zu welchem Ende ihnen der Bischofv. Galvcston 600 Acres Landes überwies) und dann von hier aus die katholischen