Ausgabe 
20 (29.1.1860) 5
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Hir. 5. 29. Januar 1860.

Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur AugSburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 2V rr., wofür es durch alle r. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Die ehrwürdige Maria Christina von Savoyen , Königin beider

Sicilien.

sOiviltä rsttviieit.)

(Uebersetzmig der K.ithol. Blatler aus Tirol.)

Wir wissen nicht, weßwegen das Königreich Neapel in diesen letzten Zeitenvom Himmel so bevorzugt wurde, der Kirche allein mehr Heilige zu geben, als dasganze übrige Italien . Denn, wenn es wahr ist, dass die Reize der Natur die Ge-müther an- und von den göttlichen Dingen abziehen, so müßte das KönigreichNeapel , welches wegen der Reinheit und Klarheit srines Himmels, der Fruchtbarkeitund Schönheit seiner Fluren und des Zaubers seiner MeereSufer der Garten Italiens genannt wird, mit allen diesen Reizen den menschlichen Geist berücken, und dessenhohen Ausflug zur Heiligkeit hemmen.

Es war jedoch dieses Reich der erste Boden Italiens , welcher von den Apostel-fürsten Petrus und Paulus nach ihrer Ausschiffung von Palästina her betretenwurde, und wo sie die Erstlinge des Glaubens pflanzten, der seither immer so un-versehrt und rein dort erhalten wurde, wie er vom heiligen Geiste in den Herzender Voreltern befruchtet ward. Somit darf man nicht staunen, wenn dieser glück-liche Keim dort Heilige und Wunder erzeugt, wie in den ersten Jahrhunderten derKirche; denn es ist offenbar, daß auch in unsern Tagen in jenem Reiche die Herr-lichsten Wunder geschehen, auch ohne jenes der Bewegung im Blute des hl. Jauuarius,was durch viele Jahrhunderte hindurch jährlich zweimal geschieht, zu erwähnen.

Wohl wissen wir, daß dieser lebhafte Glaube von Unwissenden und Ungläu-bigen als Aberglaube und Sache des niedern Volkes und der Weiber gescholten wird.Und vielleicht hat Gott eben um diese schimpfliche Meinung zu beschämen, ein himm-lisches Wesen nach Neapel gesandt, welches die Heiligkeit auf die Höhe eines könig-lichen Thrones erheben sollte: wir sahen nämlich die schönste Königin, welche Italiens Boden schmückte, im zarten Alter von kaum 20 Jahren auf dem neapolitanischenThrone in einem Glänze von Heiligkeit strahlen, welcher alsobald sich verbreitete, umdie Kirche zu verherrlichen, und die Welt zu belehren. In einer Zeit, wo zügel-lose Anmaßung kein Verbrechen scheut, um sich an der von Gott eingesetzten, ober-sten Gewalt zu vergreifen, und man wetteifert, die Träger derselben zu beschimpfenund zu verleumden, da ist es sehr gelegen, die Tugenden einer Frau inS Gedächt-niß zurückzurufen, deren Vater, Onkel und Gemahl Könige waren, welche selbstMutter eines Königs geworden, und jetzt aus dem Puncte steht, die höchsten Ehrender Kirche zu empfangen.

Christina von Savoyen sah Vater und Onkel großmüthig der Krone entsagen;diesen, um abgesondert von der Welt in einem Kloster zu leben;*) jenen, um sichnicht nach einer seinem Gewissen widerstrebenden Regierungsform zu fügen. Sie

^ Emmanuel lV. trat in die Gesellschaft Jesu ) und starb im Noviciate zu St.

Andrea in Rom .