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selbst, durch die hl. Ehe mit König Ferdinand II. verbunden, ward ihm ein Vor-bild jener hohen Frömmigkeit, welche diesen Regenten auszeichnete, und umgibt jetztvorn Himmel herab gleichsam mit einem übernatürlichen Strahlenkränze ihr einziggeliebtes Gut (ihren Sohn), dem sie schon 14 Tage, nachdem sie ihm das Lebengegeben, den letzten Kuß auf die Lippen drückte, und welcher nebst den vielenVorzügen, die ihm die Liebe seines Volkes sichern, noch besonders jenen besitzt, derSohn einer heiligen Königin zu sein.
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Die Königstochter.
Victor Emmanuel, welcher durch die Thronentsagung Karl Emmanuel IV ,seines ältesten Bruders, König von Sardinien geworden war, erhielt von MariaTheresia von Lothringen-Este, Erzherzogin von Oesterreich, vier Töchter: MariaBeatrir, welche er an Franz IV., Herzog von Modena, verheiratete; Maria Theresia ,Zwillingsschwester mit Marianna, an Karl von Bonrbon, Herzog von Lncca, dannauch von Parma und Piacenza, vermählt; Marianna, welche mit Kaiser Ferdinand von Oesterreich verbunden wurde; die Letzte ward ihm in Cagliari am 14. Novbr.1812 geboren, und noch am selben Tage, gemäß der Sitte des frommen KönigsVictor Emmanuel, getauft, und von ihrem Tanfpathen, dem Bruder deS KönigsKarl Felir, damals Herzog von Genua, und seiner Gemahlin Maria Christina , mitden Namen Maria Christina , Karolina, Josephine, Cajetana und Ephisia benannt!
Gleich bei ihrem ersten Ausgauge aus dem Schlosse nahm die fromme KöniginMaria Theresia ihr.Töchterlein mit, um selbes in der Kirche Unserer Lieben Fraudella Mercede, am Meeresufer nahe bei Cagliari, genannt alla Buonaria, dem 'Schutze der göttlichen Mutter anzuempfehlen, ja es der Himmelskönigin als die letzteund süßeste Frucht ihres Leibes völlig zu eigen zu geben. Sobald das Kind dieserfuhr und verstand, bestätigte sie selbst diese Aufopferung, und nannte sich stets eiuKind Mariens, welche solches sehr huldvoll aufzunehmen zeigte, indem das Kind vonfrühester Jugend mit zuvorkommender himmlischer Gnade beglückt wurde, wie ihreSchwester», die Herzogin von Parma und die Kaiserin von Oesterreich , sowie dieEhrendamen und die Kammerfrauen ihres HofeS in den Verhandlungen der Heilig-sprechung bestätigten.
Die Ehrendame, welche sie von ihrer frühesten Kindheit an bis zn ihrer Ver-mählung unter Aufsicht hatte, bestätigt Folgendes unter einem Eide : „Ich hielt siestets für eine bevorzugte Seele, welche ohne das Erbtheil der untergeordneten Be-gierlichkeit auf Erden wandelte." Ihre Schwestern erklärten: „Maria Christina war eine jener privilegirten Seelen, welche durch die Segnungen der göttlichen Gnadeausgezeichnet, ohne die unselige Erbschaft der AdamSschnld geboren scheinen, nämlichohne die bei allen Kindern Adams zu ihrer eigenen Qual sich frühzeitig schonregenden unbotmäßigen Leidenschaften." Eine ihrer Kammerfrauen sagte ferner aus:„Ich fühle mich verpflichtet zu sagen, daß die Dienerin Gottes wahrhaft von dergöttlichen Gnade bevorzugt war." — Auch der Verfasser dieser wenigen Datenselbst, welcher in Turin viele Herren und Damen von Maria The5esia'S Hofe kennenlernte, hörte oft und oft diese Dinge aus der Kindheit und Jugendzeit der Prin-zessin erzählen, besonders in jenen Tagen, als Ferdinand II. zur Vermählung nachGenua gekommen war.
Daß die ehrwürdige Christinn mit besonderer Gnade begabt war, erhellt schonaus den Acten der Frömmigkeit, die sie noch vor dem vollkommenen Gebrauche ihrerVerrinnst ausübte; so forderte sie als kleines Kind schon stets ihre Kammerfrauenauf, mit ihr zu beten, und sie betete, die Hände gefaltet, mit solcher Inbrunst, daßsowohl die Königin, als ihre Schwestern und ihre Umgebung gerührt wurden. Auchliest man in den Verhandlungen, daß sie, erst 5 Jahre alt, beim jedesmaligen Er-wachen in der Nacht ihre Kammerfrau mit den Worten anrief: „Rosa, Rosa, er-wecken wir doch Glaube, Hoffnung und Liebe!" Wahrlich ein augenscheinliches