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Ein Amerikaner über den Kirchenstaat .
In der zu New-Nork erscheinenden Zeitung „Tribüne" schreibt ein gewisser F.L. NicholS also:
Ueber den eigentlichen Charakter und die Ausdehnung des päpstlichen Despotis-mus bin ich etwas im Unklaren. Unsere Aufklärer, die Zeitungsschreiber, ziehen esvor, in Allgemeinheiten sich zu bewegen, sie lassen sich nicht herab, auf Einzelnheiteneinzugehen. Mau setzt von nnS, dem Publikum, stets voraus, daß wir von Allemunterrichtet seien. Hat man nnS nicht zu verschiedenen Malen gesagt, „die päpstlichenStaaten sind am schlechtesten regiert" rc., und daß eS nnnöthig sei, es zu wiederholen!
Doch eS möge einem schlichten Manne, der bei weitem nicht alle jene Kennt-nisse besitzt, die man von ihm voraussetzt, erlaubt sein, einige Fragen zu stellen.Worin besteht der Despotismus der päpstlichen Regierung?
Besteht er etwa darin, daß Geistliche Civilämrer bekleiden? Durch viele Jahrehindurch waren die Priester, die im Kirchenstaate Aemter bekleideten, in viel geringe-rem Verhältniß als dies in manchem Staate unserer Union der Fall war, und ihreBesoldungen waren in noch geringerem Verhältnisse zu- den Besoldungen der welt-lichen Beamten.
Oder in der Kostspieligkeit der Verwaltung? Sie ist aber eine der sparsam-sten in Europa . Die Besoldungen der höheren Beamten überschreiten nicht 3000 Dollarsjährlich und die ganze Civilliste beträgt ungefähr 600,000 Dollars.
Ist das Volk mit schweren Abgaben gedrückt? Die Abgaben in Rom sind ge-ringer als in England, Frankreich oder New-Nork.
Ist das Volk der Wohlthat des Unterrichts beraubt? Die päpstlichen Staatenhaben bei einer Bevölkerung von weniger als drei Millionen sieben Universitäten;und die Stadt Rom. hat im Verhältniß zur Einwohnerzahl mehr Freischulen alsNew-Nork, und was noch mehr werth ist, dieselben sind von einer verhäliuißmäßigweit größeren Anzahl Kinder besucht.
Vielleicht wird für die Armen nicht gesorgt und deren Leiden nicht beachtet? InRom gibt eS verhältnißmäßig mehr und bessere Spitäler und Zufluchtsstätten fürKranke, Arme, Altersschwache, Leidende aller Art, als in jeder anderen Stadt inder Welt.. Es gibt keine Gestalt menschlichen Leidens, die dort nicht schnelleHilfe fände.
Zu Rom fragt man nicht, was ist des Mannes Heimath oder Glauben. ESgenügt, daß er ein leidendes Geschöpf sei, um ihn dem Mitgefühl dieser — wenig-stens in der Beziehung — christlichsten aller Städte zu empfehlen.
Vielleicht hat eine schlechte Regierung das Volk in Pauperismus (Armuth)versetzt? Nein! die Statistiken Europa'S zeigen, daß in England, Holland, Frank-reich und in andern freien und aufgeklärten Ländern ein verhältnißmäßig drei biszehnmal so großer Pauperismus herrscht.
Worin besteht den» also der schreckliche Despotismus? Die Regierung ist eineWahlmonarchie. Es besteht eine liberale Verfassung, leichte Besteuerung, sehr wenigArmaih, eine ökonomische Verwaltung, wohlfeiler over ganz freier Unterricht für alleClassen und eine überreiche Zahl von Anstalten für die dürftige und leidende Bevöl-kerung. Ich wage zu behaupten, daß die einzige Stadt New-Aork Jahr für Jahrmehr Abgaben zahlt, von den unredlichen Beamten ärger bestohle» wird, mehr Armezn unterstützen hat, mehr ungezogene Kinder enthält, von mehr Laster, Trunkenheit,Schurkenstreichen rc. zu leiden har, und überhaupt durch mehr Verbrechen heimgesuchtwird, als die ganze nahe an drei Millionen zählende Bevölkerung des Kirchenstaates.
So der ehrliche Amerikaner.
Milde Gaben für die Mission in Perleberg .
Sollen beten für einen verstorbenen Priester.5 fl.
Stkdacrwu u»d Benag: r»r. Mar Hailter. — Lrulk »vu 0. M. Ktclitte.
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