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Hl'. 8. 19. Februar 1860.
Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 kr., wofür es durch alle r. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.
Die ehrwürdige Maria Christina von Savoyen , Königin beider
Sicilien.
(lllvilt» csttolics.)
(Uebersktzimg der Kachel. Blauer aus Tirol.)
(Fortsetzung.)
Schon seit längerer Zeit waren geheime aber ernstliche Unterhandlungen wegender Verbindung Maria Christinens von Savoyen mit König Ferdinand U. zwischenden Höfen von Neapel und Turin gepflogen worden, so daß man nun die Ange-legenheit als abgemacht ansehen konnte. Da aber Carl Albert die Abneigung kannte,welche Christine gegen die Ehe zeigte, so ließ er kein Mittel unversucht, sie nachseinem Willen zu stimmen. Alle, die sie umgaben, bemühten sich im Auftrag desKönigS mit lästiger Zudringlichkeit, auf sie einzuwirken. Christine schätzte Anfangsden erst unlängst erfolgten Tod der Mutter vor, dann die Vorliebe znr Einsamkeit,und mehrere andere Gründe, um ihre Abneigung vor einer Standesänderung kund-zugeben. ES kam aus Lacca die Herzogin, ihre Schwester, um sie zur Einwilligungzu bewegen, auch wurde sie zur Herzogin von Modena geführt, welche sie als dieälteste Schwester wie eine zweite Mutter liebte und verehrte; aber Alles umsonst.Für Diejenige aber, welche nur durch geistliche Beweggründe geleitet wurde, mußtedie Stimme dessen, der an Gottes Statt ihre Seele führte, das größte Gewichthaben. AIS der Beichtvater ihren festen Entschluß, in's Kloster zu gehen, vernahm,sagte er zu ihr: „Der Stand, den Sie erwählen wollen, ist sehr beschwerlich, underfordert große Tugenden und einen besondern Beruf; ich meine aber, daß Gott vonIhnen dies nicht verlangt, sondern daß eS Ihm vielmehr angenehm wäre, wennSie die Verbindung eingingen, die er selbst Ihnen anbietet." Dies war hinrei-chend; in ihrer ungewöhnlichen Demuth glaubte sie wirklich, die für den geistlichenStand nöthigen Tugenden nicht zu besitzen, und tröstete sich damit bei diesem schwerenActe des Gehorsams; sie blieb eine Zeiilang ruhig and in sich versammelt, und sichdann dem Ausspruche ihres Beichtvaters fügend, willigte sie endlich ein, die Gemahlindes KönigS beider Sicilien zu werden.
Wir wissen nicht, aus welchen Gründen der Mann Gottes diese Worte sprach,wohl aber, daß kraft derselben ein Opfer beschlossen worden, welches den königlichenThron in den Augen der Völker verherrlichte, und der katholischen Kirche in kurzerZeit eine jener heißen Thränen trocknete, deren sie so viele über ihre treulosen und aufwieg-lerischen Kinder weint. In den Tagen lebendigen Glaubens leuchtete die Heiligkeit aufdem Throne und an den Höfen der Könige ebenso, und vielleicht noch mehr, als in den Hüt-ten der Armen und in den Zellen der Orden. Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Eng-land, Schottland, Ungarn, Dänemark gaben von ihren Königen und Fürsten der Kirche soviele Heilige, daß, wenn man die geringe Anzahl so hochgestellter Personen imVerhältniß zu andern anschlägt, viel mehr Heilige unter den Ersten zu finden sind,als in jedem andern Stande. Und es war wirklich ein herrliches Schauspiel, wel-