ches Erde rrnd Himmel erfreute, jene Helden und Heldinnen, welche man auf demThrone bewundert hatte, auch auf den Altären verehrt zu sehen, was leider in unsernZeiten nicht mehr so oft geschieht, wo, nachdem der Glaube verschwunden, die Fürsten beinahe freiwillig die durch Gottes Gnaden sie schmückende Krone niederlegten, nmsich durch die Gnade des veränderlichen, unsteten Volkes auf ihren Sitzen erhaltenund geschützt zu erklären. Es fehlten zwar auch in diesen schlechten Zeiten den könig-lichen Höfen nicht alle heldenmüthigen Tugenden; und eS scheint eine besondere Fü-gung der Vorsehung, daß die beiden, den Ehren der Heiligen nächstftehenden könig-lichen Frauen, Clotilde und Christine, ihre Nichte, aus dem Hanse Savoyen hervor-gehen sollten, unter dessen Schild jetzt so gotteSräuberische Willkür gegen die Kircheund ihr Oberhaupt geübt wird. Eben deßhalb war es nöthig, daß jene Blumenicht in ein Kloster, wo, Gott sei Dank, noch viele andere gedeihen, sondern in eineKönigsburg gepflanzt wurde, wo sie wegen der Seltenheit auf solchem Erdreich destoHellern Glanz der Heiligkeit verbreitet hat. Und wahrlich, Alle, die sie kannten,sagten schon bei der Trauung voraus, was sich in der Folge durch die That be-währte. Bei ihrer Abreise im November 1831 war am ganzen sardinischcn Hofe,wie auch im Gefolge des Königs von Neapel , welches zu seiner Begleitung mitnach Genua gekommen war, nur Eine Stimme: Christine sei ein Engel. Und erstals das neapolitanische Volk mit seinem so warmen Herzen und so lebendigen Glau-ben, mit seiner so feurigen Phantasie und ausdrucksvollen Affectcn, das sich indichtem Gedränge bei ihrer Ankunft versammelt hatte, jene demüthige, aber würde-volle Haltung der Prinzessin beobachtete, welche in ihrer blendenden Schönheit, inder Blüthe der Jahre und auf dem Gipfel irdischer Hoheit der bewandertste Gegen-stand des glänzendsten Hofstaates war, da hörten die Freudenrnfe, die Bewunderungund die Segenswünsche nicht mehr auf, und wie aus Einem Munde erscholl es, inNeapel sei eine heilige Königin angekommen.
Als die königliche Jungfrau Gattin und Königin geworden war, setzte sie sicheine feste Richtschnur des Handelns vor, welcher sie ihr noch übriges Lrben mit un-verbrüchlicher Ausdauer nachkam; leider dauerte dies nur so kurz!
Als Gattin hatte sie sich vorgenommen, in Allem dem Fürsten , der Thron undScepter mit ihr getheilt, unterworfen zu sein, ohne jedoch zu versäumen, ihn immervom Guten zum Bessern hinzuleiten. Außerdem wollte sie in der königl. Familiedas goldene Band des Friedens sein, der süße Strahl der Freude, der Trost, dieEintracht, daS gute Beispiel für die ganze Königsburg. Sie hatte Schwiegermutter,Schwäger und Schwägerinnen, war von Hofdamen, Fräulein und zahlreichen Haus-genossen umgeben, denen Allen sie sich stets liebreich und hilfreich nach eines JedenBedürfniß zu zeigen sich vornahm. Von der Schwiegermutter angefangen, welchein den Familien oft ein Stein des Anstoßes für junge Frauen ist, wenn sie nichtdie nothwendige demüthige Bescheidenheit und Selbstbeherrschung besitzen, ermangeltesie gegen dieselbe keiner irgendwie denkbaren Ehrerbietung. Sie erbat sich Anfangsvom Könige die Erlaubniß, ihr täglich die Hand küssen zu dürfen, und brachte ihnam Ende alle Tage selbst dazu. Ja, in den Verhandlungen steht, daß, „wenn siezehnmal des TageS mit der Königin zusammentraf, sie ihr zehnmal die Hand küßte,und zwar mit solcher Ehrfurcht, daß sie beinahe vor ihr niederkniete. Den übrigenVerwandten begegnete sie mit so vieler Zuvorkommenheit und Zutranlichkeit, daß sieihre Herzen, wie jenes der Königin-Mutter, vollständig gewann. WaS die Diener-schaft betrifft, so verhielt sie sich stets mit bewunderungswürdiger Bescheidenheit ge-gen dieselbe, und wenn sie etwas von Jemand derselben forderte, geschah es immermit der Formel: „Thun Sie mir die Gefälligkeit." Noch besonders hervorzuhebenist die Gleichmäßigkeit ihres Betragens gegen Alle, wodurch sie die Eifersucht unteribrer Umgebung verhinderte, so daß sich Jeder selbst für den von ihr Bevorzugtenhielt. Und da dies eine schwierige Aufgabe ist, besonders bei lebhaftem feurigem