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Charakter, so betete sie jeden Morgen um diese Gabe, „wie uns die Königin selbsterzählte."
Die liebevolle Unterwürfigkeit, welche sie dem Könige, ihrem Gemahl, erzeigte,läßt sich kaum beschreiben. ES schien, als ob sie keinen eigenen Willen gehabt, oderdaß sie den Willen des Mannes, den ihr Gott gegeben, zn dem ihrigen gemachthätte; und eS ist gewiß etwas Außerordentliches, daß Mehrere eidlich versichern kön-nen, niemals habe man eine Handlung beobachtet oder ein Wort vernommen, wel-ches auch nur von ferne einen Widerspruch gegen einen Wunsch des Königs ange-deutet hätte. Ueber diesen Punct sind viele Einzelnheiten in den Verhandlungen auf-gezeichnet; wir wollen nur die Eine anführen, daß, so oft Christine Briefe von ihrenSchwestern erhielt, sie selbe zuerst immer «»eröffnet ihrem Gemahl übersendete, undselbe erst dann las, nachdem sie ihr vom Könige wieder waren eingehändigt worden.Da sie wegen ihrer anerkannten Klugheit von dem Könige und von den Staats-männern oft in schwierigen Fällen zu Rathe gezogen wurde, so antwortete sie danngewissenhaft nach ihrer Ueberzeugung; aber in ihrem gewöhnlichen Umgänge mit demKönige verließ sie nie ihre Einfächheit und Demuth. Es wird unsern Lesern gewißerwünscht sein, zn hören, wie König Ferdinand II., rühmlichen Angedenkens, selbstseiner Christine Lobeserhebungen spendet, und wie er keinen Anstand nimmt, frei zubekennen, daß er durch ihre gütigen und freundlichen Bestrebungen in den drei glück-lichen Jahren seines Zusammenlebens mit ihr nicht wenig in der Frömmigkeit geför-dert worden sei. Ebenso wie Clotilde bei Clodwig, König der Franken, wie die hl.Elisabeth bei Ludwig, Landgrafen von Hessen und Thüringen , und die heil. Hedwigbei Heinrich, Herzog von Polen und wie viele Andere, wirkte sie bei ihrem Gcmablsehr mächtig für den Fortschritt in den christlichen Tugenden. DaS m:t einem Eide bekräftigte Zeugniß des Königs lautet also: „Die Dienerin Gottes, unsere erlauchteGemahlin, ist während der ganzen Zeit ihrer Ehe religiös und fromm und in Sittenmakellos gewesen; die Erhabenheit ihrer Würde paarte sie mit Liebenswürdig-keit und Bescheidenheit, so daß wir versichern können, daß sie uns nie Anlaß auchnur zur geringsten Klage gegeben hat; im Gegentheil war sie es, welche bei znwei-ligen, in keiner Familie zu vermeidenden Vorfällen durch ihre Ansprnchlosigkeit, durchihre religiöse Gesinnung und bewundernugswürdiges Benehmen immer Alles wiederin'S rechte Geleise brachte. Man bewunderte ihre Zurückhaltung in Worten und imBenehmen, während sie doch immer ihre Würde hehaupteke, und dabei die wahreDemuth eines echten Christen bewahrte. Ihr Betragen hat nie zu irgend einer üblenNachrede Gelegenheit geboten." Weiter unten seht er noch hinzu: „Wir gestehen,daß wir der Dienerin Gottes sehr viel verdanken, indem sie unS stets zn Uebungender Tugend und Frömmigkeit angeleitet, und von vielen geistigen Uebeln bewahrthat, da ihre Ruhe, Sanftmuth und Frömmigkeit auf uns stets großen Ein-druck machte."
(Fortsetzung folgt.)
Die Bedrückungen der Katholiken in Polen .
I.
G In dem Regierungsbezirke von WitebSk (Alt-Weißrußland, einem Theiledes frühern Königreichs Polen), Distrikt Dryzna, liegt ein großer Marktflecken, Na-mens Dzierzanowicze, deren Bewohner als Grundholden einem Herrn Anton von Kor-sack zugehören. Die Vorfahren dieser adelichen Familie gründeten vor unvordenklichenZeiten daselbst eine Pfarrkirche und überließen die Seelsorge in derselben den ehr-würdigen Vätern der Dominicaner. Auch noch mehrere umliegende Ortschaften wur-den diesem römisch-katholischen Kirchensprengel zugetheilt.