Im Jahre 1842, während der großen Verfolgung der mit den Katholiken nnir-ten Griechen, fiel man auch über die Kirche und Pfarrei Dzierzanowicze her, unterdem Vorwande, dieselbe habe früher zu den nnirtcn schismatischen Griechen gehört.Man nahm daher diese Kirche zn Dzierzanowicze zu Gunsten des Schisma weg, unddie Pfarrei sah fich gezwungen, nach der Waldkapelle Siodlowo sich zurückzuziehen.Allein schon nach Verlauf eines Jahres befahl der abtrünnig gewordene BischofLusyuSki, ein würdiger Geselle des Erzapostatcn Siemaszko, daß diese Pfarrei, wieso viele andere in gleicher Bedräugniß, zum Uebertritte gezwungen werden solle.
Das Verfahren, das man dabei anwendete, ist bekannt. Man organisirte einesogenannte orthodore MissionSgesellfchaft aus griechischen Priestern, Polizeibcamtenund Jnfanterieabtheilnngen. Dicke BekehrungStrnppe begann damit, die Katholikenzur Theilnahme an der Kommunion in der griechisch n Kirche aufzufordern, um da-durch ihre Anhänglichkeit an den griechischen Glauben bezeugen zn können. Da jedochdergleichen Aufforderungen immer fruchtlos blieben, so trieb man das Volk mit Bajo-netten in die griechische Kirche, und jene, denen nicht das Glück zu Theil wurde, ihrWiderstreben mit dem Tode büßen zn können, warf man anf das Kirchenpflasterhin nnd zwang ihnen, die bereits mit Blut bedeckt und in verzweifeltem Kampfe ohn-mächtig geworden, die Kommunion mit Gewalt anf. Nach solch schauderhaftem Ver-fahren, das an Mehreren verübt wurde, erklärte man die ganze Pfarrei für griechischrechtgläubig oder orthodor.
Vorstehend geschilderte, allgemein angewendete Vergewaltigung mußte in seinerganzen Strenge die Gemeinde Dzierzanowicze unter der Regierung deS KaisersNikolaus l. im Jahre 1843 erdulden. Unter Kaiser Alexander ll. wiederholte sichdiese Handlungsweise 1858 abermals an dem nämlichen Unglücksorte.
Diese Pfarrei blieb nämlich während des langen Zeitraums von 15 Jahren,wie so manche andere, die mit ihr ein ähnliches Schicksal rheilte, der katholischen Religion treu. Kein Mitglied betrat die russische Kirche. Die Eltern tauften ihreKinder selbst, und junge Leute enthielten sich von jeder ehelichen Verbindung mit Anders-gläubigen- Dessen uugeachter spiegelten die Popen, griechische Geistliche, der vor-gesetzten Behörde immer vor, alle Einwohner wären sehr zufrieden, der Orthodoxieganz eifrig ergeben und verrichteten immer regelmäßig ihre Religionspflichten znOstern in der schismatischen Kirche.
Dieser Zustand, der fast in allen zur griechischen Kirche gewaltthätig gedräng-ten Gemeinden derselbe war, währte in der Pfarrei Dzierzanowicze bis zum Jahre 1857.Da richteten die Mitglieder derselben, anf die Milde des Kaisers Alexander li. bauend,ein Bittgesuch um freie Ausübung ihrer katholischen Religion an ihn. Dieses Gesuchwurde aber von der einschlägigen hohen Stelle mit Verweis zurückgesendet, und die gutenLeute wagten eS, dasselbe 1858 zn erneuern.
So große Beharrlichkeit beunruhigte jedoch die Provinzialbehörden, nnd derBischof LuzynSki ordnete eine neue Mission ab, ähnlich der von 1843.
Anf sein Ansuchen beauftragte Kolokoliow, der Gouverneur von WitebSk , denStaatSrath Howorowicz, sich mit dem Abgeordneten des abtrünnigen Bischofs, demErzpriester Humilew, nach Dziernowicze zu begeben, um durch vollständige Bekehrungder dortigen Einwohner, die doch im Jahre 1853 (43?) daselbst einen so guten An-fang genommen, Ruhe und Ordnung herzustellen. Genannte Herrn kamen AnfangsApril 1858 in Dzierzonowicze an. Denselben waren weiter beigegeben derDistrictS-Polizeichef Spodarcon mit seinen zwei Assessoren ZelinSki und Loweyko und ein Stell-vertreter Namens Popowy, der später durch einen dritten Assessor, Namens SidelSky,ersetzt wurde. Mehrere griechische Geistliche, deren Zahl in der Folge bis anf 40anwuchs, und endlich eine Abtheilung Truppen, bildeten die nunmehrige BekehruugS-misfion.