Ausgabe 
20 (26.2.1860) 9
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67
 
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H'l». N 26. Februar 1860.

DaS Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Angsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 rr., wofür es durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Die ehrwürdige Maria Christina von Savoyen , Königin beider

Sicilien.

(OiviltL esltolicu.)

(Übersetzung der Aathvl. Blätter aus Tirvl.)

(Fortsetzung.)

So wird nun Europa , welches über ein Vierteljahrhundert hindurch inFerdinand li. die Frömmigkeit als dessen zweifelsohne größte Zierde bewundert hat,das Verdienst hievon großeniheils jenem himmlischen Wesen zuschreiben dürfen,welches die Vorsehung als Engel des Rathes ihm an die Seite gestellt hatte.

Man glaube jedoch nicht, daß Christine sich in die Staats-Angelegenheitenmehr, als es einer königlichen Frau ziemte, eingemischt hätte; sie verstand es gleichvom Anfange ihrer Thronbesteigung, sich als eine dem Monarchen untergeordneteFrau zn benehmen, und suchte nur durch Gebet, gutes Beispiel und Wohlthaten derRegierung zu nützen. Und wem es bekannt, wie viel das Eiste bei Gott, dasZweite bei den Großen, und die Dritten bei den Kleinen vermag, wird diese Lauf-bahn, in der die Edle Gott und den Menschen zu dienen sich vorsetzte, gewiß nichtgering achten. Nicht ohne Grund sagen wirzu dienen" auch den Menschen gegen-über, da dieses biblische Wort seinen vollen Sinn hat, denn eine Würde, welche sieauch immer sei, kill Uai ininistiw in konum.

Wcw das Gebet anbelangt, war es am königlichen Hofe allgemein bekannt,daß die Königin ohne Unterlaß und sehr inbrünstig für das Wohl des Staatesbetete, und für diesen Zweck auch viele heilige Messen lesen, und fromme Seelen,besonders in den Klöstern, beten ließ. An den Tagen der Staatsberalhungcn knietesie während der ganzen Zeit, als der König mit den Ministern conferirte, in ihremOratorium, und flehte den heiligen Geist an; ja schon vor Beginn derselben bewogsie auf sanfte Weise den König, dasselbe zu rhnn; so bestätigt ein Zeuge. Einanderer fügt noch bei:Ich erinnere mich, daß, wenn der König vor der Berathungsich bei ihr beurlaubte, sie ihm betend die Hände auf die Brust legte, was michstets rührte.". Es scheint, als habe Christine durch diesen Act so zärtlicher Gatten-liebe und >o lebhaften religiös « Glaubens einen Theil jener göttlichen Flamme desG'bcleK, von der sie eben ganz entzündet war, auch in die Brust des KönigS ein-flößen wollen. Vielleicht wollte sie hiedurch den König warnen, daß er sich in seinenUrtheilen nicht nach der menschlichen Klugheit richte, ohne zu erforschen, ob dieseauch mir den göttlichen Rathschlägen übereinstimmen; vielleicht auch sein Herz gegendie falschen Einflüsteinngen ruchloser und wegen ihrer Heuchelei doppelt gefährlicherMenschen verschanzen. In der inenschlichm Natur ist die NachahmungSsncht eineangebornc Eigenschaft, welche besonders in schwachen Gemüthern stark ausgeprägt,das Beispiel sehr wirksam macht, vorzüglich wenn es von höher gestellten Personenausgeht, deren Handlungen allein schon oft für Niedere ein Gesetz sind. So erwiessich auch das bloße Erscheinen Chriftinenö, dieses Vorbildes der erlesensten Tngen-