in eure Kirchen genöthigt hat. Ihr wißt eS, daß wir mit aller Kraft solcher Ge-waltthat zu widerstehen versuchten. Wie viel Blut wurde an den Thüren eurerKirche nicht vergossen, und unsere verstümmelten Hände von dort her, — wollt ihrsie sehen?"
Der Gendarm sah bei solcher Rede zu Boden und schwieg. Die Popen hin-gegen erwiederten um so hochmüthiger:
„Aber ihr habt ja doch communicirt?"
„Ja, es ist euch gelungen, einigen von nnS mit der Spitze des Degens denMund aufzureißen, und so eure Kommunion ihnen hineinznschieben. Aber soll eineauf solche Weise vollzogene Handlung, ohne Beicht, ohne nüchtern zn sein und ohneeigenen Willen eine Kommunion sein? Nein, nein, so hat euer schismatischer Gottnicht bis zu unserer katholischen Seele gelangen können."
Einen Augenblick standen die Popen jetzt in Verlegenheit da; allein der schlanksteunter ihnen, der Erzpriester Humilew, als Abgeordneter deS abtrünnigen Bischofs,nahm nnn eine ganz sanfte Miene an und sprach:
„Wie sehr bedaure ich euch, meine lieben Kinder und eure Verblendung! Ihrseht uns doch vor euch, und ihr setzt noch Zweifel in uns! Habt ihr je daS BildJesu Christi geseben?"
„Ja, das haben wir."
„Nun denn, ist unser Bart nicht gerade so wie der scinige? Sind unsereHaare nicht ebenso gescheitelt wie bei ihm? Und unsere Kleidung, hat sie n cht vielAehnlichkeit mit der seinigen? Ihr glaubt dieß Alles, seht es täglich vor euch, unddennoch könnt ihr euch nicht überzeugen von der Wahrheit unserer Religion! WelchbedauernSwerthe Lage!"
Gewöhnliche Leute hätten bei diesen Worten kanm ein Lächeln unterdrückenkönnen, aber unsere Leidensgefährten blieben ernst und antworteten in frommer undwürdevoller Weise:
„Ja, wir wissen eS, daß unser Herr einen Bart trug und lange Haare, undeure Kleidung mag einige Aehnlichkeit mit der seinigen haben. Wenn ihr aber keineandern Beweise für die Wahrheit eurer Religion habt, so bleibt dabei, lasset aberauch uns bei der mistigen in Frieden."
So endete diese Versammlung. Gewaltthätig?, schmachvolle und grausame Be-handlung sind also die Hauptgründe der Popen, die sie gegen die Katholiken an-wenden, und womit diese auch am Schlüsse noch überhäuft, endlich entlassen wurden.
Während aber die Polizei mit den Popen gemeinschaftlich auf neue Mittelund Wege sann, gelang eS der Schwester deS unglücklichen Vincent, Namens Mag»dalena, einem Mädchen von großer Frömmigkeit und seltenem Muthe, die bei derersten Verfolgung schrecklich mißhandelt wurde, der Wachsamkeit der Polizei zu ent-schlüpfen und ein drittes Gesuch an den Kaiser abzusenden. Dieß war wohl auchdas einzige, das in dessen Hände gelangte; denn bald darauf ordnete er in seinerHerzensgüte den Senator Szczerbicin ab, diese Religionsangelegenheit am Orte selbstinS Reine zu bringen.
Seine Ankunft war auf den 12. Juli festgesetzt.
II.
Die Nachricht über das Eintreffen eines Abgeordneten des Kaisers selbst erregtein der ganzen Pfarrei große Freude und die Hoffnung, daß nun Gerechtigkeit geübtund ihnen die volle Freiheit in Ausübung ihrer Religion wieder gestattet werde.Allein diese Freude verwandelte sich nur zn bald in den tiefsten, ganz trostlosenSchmerz, als man nämlich in Erfahrung brachte, der in WitcbSk angekommene Se-nator habe dort zn verstehen gegeben, er sei nicht so fast zn dem Zwecke da, Gerech-tigkeit auszuüben, als vielmehr das begonnene Unrecht erst ganz zn vollenden. Erwollte daher mit Beiscitesetzung jeden Anstandes sogar die Person des Adelsmarschallsselbst zu diesem seinem saubern Vorhaben mißbrauchen, dessen hohe Stellung eS schon