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und geistlichen Sonverenätät des Papstes und auf die Zertrümmerung sämmt-licher Throne gerichtet. Das wird in der nächsten Zukunft immer deutlicher hervor-treten. Je gefährlicher aber der Kampf ist, desto deutlicher muß sich die Gesinnungund Liebe der Gläubigen offenbaren. Dieselbe hat sich bereits in den Adressenkundgegeben. Das Christenthum will aber nicht eine Liebe, die sich mit Worten be-gnügt, sondern eine werkthätige Liebe. Lassen wir auch diese hervortreten. Wirkönnen nicht für den hl. Vater in den Kampf ziehen, aber wir haben andere Waf-fen: Gebet und Liebesgaben. Beten wir für das Oberhaupt unserer Kirche und
geben wir Gaben, durch welche wir den Beweis liefern, daß wir noch von den
alten Principien des Gehorsams, der Treue und Liebe zum apostolischen Stuhledurchdrungen sind. Bereits in fast allen Diöcesen wird gesammelt. Insbesonderezeichnet sich das arme Irland aus. Die Diöcese Culm wird nicht zurückbleiben. Sietritt freudig ein in den Wettkampf der Liebe.
Wir fordern deßhalb alle Diöcesanen, insbesondere aber die hochw. Herren
Seelsorger hiermit auf, diesem Mahnruf Folge zu geben und sobald als möglich
Sammlungen zu veranstalte». Jeder, sei er weß Standes er wolle, kann und wirdsich dabei beiheiligen. Der ganz Arme wird mit Frenden seinen Pfennig, derWohlhabendere seinen Silbergroschcn, und der, welchen Gott mit irdischen Güterngesegnet hat, wird nicht minder das Seinige thun, damit die Pfennige und Silber-groschen der Armen und Wohlhabenderen zu Thälern anwachsen.
Die Redaction des katholischen Wochenblatts hat eS übernommen, die gesam-melten Beiträge von Nah und Fern entgegenzunehmen, die Gaben durch das katho-lische Wochenblatt regelmäßig zu veröffentlichen und dieselben schlüßlich in dieHände unseres hochwürdigsten Herrn Bischofs Joannes znr Weiterbeförderung nachRom zn legen. Wir haben das feste Vertrauen, daß die Diöcese Culm nicht zurück-stehen, sondern, wie so oft, auch hier beweisen wird, daß der alte, feste und treue kath.Glaube in ihr noch lebt und wirkt. (Kath. Wochenblatt der Diöcesen Culm und Ermlaud.)
Ein protestantisches Urtheil über -ie weltliche Herrschaft
-es Papstes.
Der Protestant Wolfgang Menzcl spricht sich in seinem Literaturblatte Nr. 90Jahrg. 1859 folgendermaßen über die weltliche Herrschaft des Papstes aus: „Manmag vom Priesterregimente im Kirchenstaate denken, wie man will, so steht doch dieThatsache fest, daß seit mehr als tausend Jahren alle Bemühungen und Kämpfe derByzantier und Langobarden, der deutschen Kaiser und französischen Könige, derCrcscentiuS und Cola di Rienzi, alle Eroberungen Roms durch fremde Truppen,aristokratische und demokratische Revolutionen Roms, alle Vertreibungen, Gefangeu-nehmnngen und Ermordungen der Päpste am Bestände deS gateimonium kolri nichtsverändert oder dasselbe nur vermehrt, nie verringert haben. Ferrara z. B. ist einenoch ziemlich neue Acquisition deS Kirchenstaates. Diese erstannungswürdige Zähig-keit des Kirchenstaates aber erklärt sich ganz einfach aus dem welthistorischen Charak-ter der römischen Kirche. Diese Kirche kann nie gleich der byzantinisch-russischenStaa^skirche von einem weltlichen Monarchen abhängig sein; sie stand daherdas ganze Mittelalter hindurch, so l nge es nur Einen Kaiser gab, demselben gegen-über. Seitdem neben dem deutschen Kaiserthnme Frankreich und nachher auch Spanien sich selbstständig zu immer mächtigern katholischen Großstaaten erhoben, wurde esvollends unmöglich, den Kirchenstaat zu säcnlarisiren und den Papst zum Unterthaneneines weltlichen Herrn zu machen, weil, wenn er Unterthan deS einen hätte werdensollen. es die andern nicht geduldet hätten. Der Kirchenstaat kann aber auch nichtwesentlich verkleinert und aus das nächste Gebiet der Stadt Rom beschränkt werden,weil er dann gegenüber den Nachdacen absolut zu schwach wäre. Der Kirchenstaat