Ausgabe 
20 (26.2.1860) 9
Seite
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Gabe des Glaubens empfangen hatten, nehmen unter den vielen christlichen Fürsten,welche ihre Ehrfurcht und Dankbarkeit gegen den römischen Stuhl mit frommenGaben bezeichneten, einen der ersten Plätze ein, indem sie die ständige Abgabe dessogenannten PeterSpfcnnigS an den apostolischen Stuhl einführten. Offa, König von Mercicn (ch 796), hält man für den Urheber dieser Abgabe. Derselbeversprach dem hl. Petrus, dessen Fürbitten er seine Siege zuschrieb, für sich und seineNachkommen eine jährliche Abgabe von 300 Mark und bekräftigte dieses Versprechenin Gegenwart der päpstlichen Legaten mit einem feierlichen Eide. Allmälig dehntesich die Einrichtung des Peterspfennigs auf alle christlichen Staaten aus; z. B. Frank-reich, Schottland, Dänemark, Schweben, Norwegen, Deutschland, Polen u. s. w.Seitdem jedoch der Papst feste Mittel deS Unterhaltes nnd das Nothwendige zurBestreitung der Bedürfnisse in bleibender Weise erhalten hatte, traten diese Gabenzurück. Die Revolution von 1849 beraubte den hl. Vater seines Besitzlhnms undsuchte daS Werk der Jahrhunderte zu zerstören. Dieser Frevel aber bewirkte, daßdie nicht gealterte Liebe der Gläubigen einen neuen Ausdruck fand. An die Stelledes entrissenen Staates trat wiederum die Gabe des Pelerspfennigs. Derselbewurde zuerst in Frankreich und dann in der ganzen Welt gesammelt.

Die Vereinigungen zur Einsammlnng der Gaben verbreiteten sich nicht blosdurch Europa, sondern auch nach Amerika , Indien, China nnd den Philippinen.Jeder wollte nach seinem Vermögen beitragen, und selbst die Aermsten rechneten essich zum Glück, den Heller zu opfern, welcher die F ucht^ ihrer Anstrengungen nndein Ecsparniß an ihrem armseligen Verdienste war. Selbst Andersgläubige nahmenan dieser Manifestation der Liebe Theil. So richtete ein gewisser Freitag aus Lübeck an den heil. Vater ein Geschenk von 30 Duc., begleitet von einem schölten Schrei-ben, dessen Schluß also lautet:Gestatten Sie mir, heiliger Vater, daß ich, vollder tiefsten Ehrfurcht für Ihre geheiligte Person, fortfahre in meinen Gebeten fürSie zu Christus dem Erlöser, und würdigen Sie sich zum Entgelte meine Familiezu segnen, welche, obgleich lutherisch-protestantisch, über Ihr geheiligtes Haupt diereichsten Segnungen von der Hand unseres Vaters in dem Himmel herabflehek, derda ist die Liebe nnd Heiligkeit selbst." Aus allen Theilen der Welt gelangtenBriefe an den Papst, begleitet von Gaben, die um so kostbarer waren, weil sie,indem sie gegeben wurden, zugleich hinwiesen auf die Armuth der Geber nnd auf ihrVerlangen, mehr zu geben.

Der PeterSpfennig hatte eine hohe Bedeutung. Er war nicht nur ein Act derLiebe und treuer Anhänglichkeit, sondern zugleich ein Protest der ganzen katholischenWelt gegen die Beraubung des Kirchenstaats und eine Manifestation für die völligeUnabhängigkeit deS kirchlichen Oberhauptes. Während die Revolutionäre in Rom die Beispiele Neros und Caligula's erneuert halten, erneuerten die Gläubigen inder ganzen Welt die Beispiele der ersten Christen. Und edel, wie die Gaben, wardie Verwendung derselben. Plus IX. vereinigte r>en PeterSpfennig, statt ihn zuseinem eigenen Gebrauche zu verwenden, mit andern Summen seiner besonderenBezüge, nnd widmete, nach seiner Wiedereinsetzung in den Besitz des Kirchenstaats,alles den wichtigen Werken des Unterrichtes, der Erziehung und Frömmigkeit, welcheznm Theil jene Uebel heilten, die von den beweineuöwerthcn Schicksalen verursachtwurden, welche den Kirchenstaat verwüsteten.

Die heutige Revolution ist eine Erneuerung der Revolution von 1849.Nur hat sie eine andere Form angenommen und sich dabei unter den Schutz vonFürsten gestellt. Sie erfreut sich der Protektion dessen, der sie vor einem Jahrzehntunterdrückt hat. Sie ist um so gefährlicher, als dabei neue Principien zur Geltunggebracht werden, welche den Fortbestand sämmtlicher Throne in Frage stellen. Eswäre die größte Kurzsichtigkeit, wollte man annehmen, daß der heutige Kampf nurauf eine Einigung Italiens, und in Bezug auf den Kirchenstaat auf die LoStrcN-nung der Legationen abziele. Es ist vielmehr aus die Vernichtung der weltlichen