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würdiges Beispiel geworden ist. Zahlreich sind die Zeugen, welche bestätigen, daßsie nie eine Fürbitte für Bedürftige gethan hätten, ohne daß diese reichlich von ihrunterstützt worden wären. Die Vertrautheit mit ihren Damen, mit einigen Kava-lieren, und besonders mit ihrem Beichtvater bot ihr das Mittel, ihre Wohlthaten zuverberge», und dennoch selbe durch ebensoviele Kanäle zu verbreiten, welche in dieunbekanntesten Theile der bevölkerten Hauptstadt sich ergossen, alle aber im Herzender mildthätigen Königin, wie in einer unversiegbaren Quelle, ihren Ursprung hatten.Man sagte, daß sie jährlich nicht weniger als dreißigtausend Ducati vertheilte, undvon den 300,000, welche sie selbst mitgebracht, fand man nach ihrem Tode nursieben oder acht, welche sie ebenfalls schon zu wohlthätigen Zwecken, wie die andernalle, bestimmt hatte. Und dennoch fühlte sie oft aus Liebe zu ihren Armen selbstdas Erröthcn der Armuth; obwohl sie nie zögerte, bei'm König um neue Mittel zuUnterstützungen zu bitten, so geschah eS doch, daß ihr einmal drei Bittschriften fürBedürftige vorgelgt wurden, als sie nur nenn Ducati besaß; mir einer Schamröthe,welche den Schmerz, nicht mehr spenden zu können, ausdrückte, sagte sie: „Wiewerde ich ich aber nur so wenig geben können?"
Da ihr Wohlthätigkeitssinn durch die echte, evangelische Liebe geleitet wurde, soentzündete er sich noch feuriger, wenn sie nebst dem körperlichen auch dem geistigemElende abhelfen oder vorbeugen konnte, obwohl sie von den Bosheiten und demSündenwuste der Welt selbst so wenig wußte, daß sie in ihrer Unschuld ganz ver-wundert den Beichtvater befragte, wie es möglich sei, daß durch ihr Almosen viel-leicht eine Todsünde verhütet werden könne; und daß, als ihr der König einesTages sagte, sich bei'm Ausführen zu beeilen, damit der Kutscher nicht zu fluchenbeginne, sie vor Schrecken ganz blaß wurde. Eine jede Beleidigung Gottes warfür sie ein Gräuel; deshalb übte sie auch mit Vorliebe jene Wohlthätigkeit, welchenebst der Wohlfahrt des Leibes auch jene der Seele im Auge hat; diesem Umständeist gewiß auch jene mütterliche Sorgfalt zuzuschreiben, welche sie bis an ihr Endefünfzig armen Waisenmädchen zuwandte, welche sie zur Danksagung gegen Gott fürihre glücklich erfolgte Entbindung, dem Elende und der Verlassenheit entrissen, undin einem Konservatorium in der Furcht Gottes erzogen haben wollte. Das letzteWort jener Seligen auf dem Sterbebette, welches sie dem Könige, als er mit un-säglichem Schmerze von ihr Abschied nahm, noch zuflüsterte, war eine Fürbitte fürdiese ihre geliebten Töchter.
Und dieser hehre Augenblick kam für Maria Christina leider bald, zu bald fürAlle, die sie umgaben, nicht so sehr für sie selbst, welche ihre Liebe und ihre Hoff-nungen schon einem bessern Vaterlande zugewendet hatte. Sie hatte auch von derStunde ihres bevorstehenden ScheidenS eine so sichere nnd klare Vorahnung, daßman solche kaum für etwas Anderes als für eine himmlische Eingebung halten darf.Obwohl stark und gesund wie immer vorher, gab sie gegen Ende December 1835einer ihrer Schwestern ganz bester hievon Nachricht, und sendete einer andern gleich-sam als Vermächtniß eine Kleinigkeit, welcher den Werth für Beide nur die kind-liche Liebe gab, da eS eine Arbeit ihres Vaters war. Sie schrieb wirklich in fol-genden Ausdrücken: „Diese Alte (so sprach sie von sich) geht jetzt ihrem Grabe ent-gegen. Ich komme zu meiner Entbindung nach Neapel , aber auch um dort zu sterben.Ja, ich werde sterben, nnd will meiner Marianna (der Kaiserin von Oesterreich )das Liebste hinterlassen, was ich besitze."
Und in der That, es war eine Prophezeiung! Am ersten des darauffolgendenJänners gab sie ihrem Erstgeborenen, der Franz von Assist getauft wurde, das Lebe »,und wurde in Folge der schweren Geburt von einer unheilbaren Krankheit befallen.Wie viele nnd inbrünstige Mbete, private und öffentliche, in der volkreichen Stadtwährend der Woche, als selbe dauerte, Gott dargebracht wurden, sobald sich die Nach-richt hievon verbreitete, und welch' allgemeine Bestürzung entstanden, als die Gefahrsich vergrößerte, mag Derjenige erzählen, der von ihr eine ausgedehntere Lebens-