„Meine lieben Leute, ihr habt an unsern Kaiser Alerander, erhabenen SohndeS Kaisers Nikolaus, die Bitte gerichtet, daß er euch erlaube, katholisch bleiben zudürfen. Ick muß euch in seinem Namen erklären, das dieß nicht möglich ist; dennSe. Maiestät Alerander II. hat bei Besteigung des Thrones seines unsterblichenVaters Nikolaus l. geschworen, die orthodore Religion zn beschützen und weiter aus-zubreiten. Der Monarch selbst mit der ganzen kaiserlichen Familie bekennt sich hiezu,und also sollet auch ihr dieselbe annehmen. Es ist das der Wille des Kaisers,folglich auch der Wille Gottes selbst; denn Gott regiert die Welt, und der Kaiserherrscht an Seiner Statt über sein Volk. Was also der Kaiser befiehlt, das istauch zugleich Gottes Befehl, und wer immer dem Kaiser sich widersetzt, der ist vonGott verflucht. Der Kaiser aber will, daß ihr zur griechischen Religion euch be-kennet, also will auch Gott selbst, daß ihr ein Gleiches thuet." „Nein, Nein schriejetzt das Volk laut auf, in heftiges Weinen und Schluchzen ansbrechend. Das kannGott nicht wollen, und auch wir, wir können eS nicht. Es ist doch den Juden,Türken und Protestanten gestattet, Gott nach ihrer Weise zn verehren. Man lassealso auch nnS die Freiheit, den Gott unserer Vater anzubeten und ihm nach unsererArt zn dienen.
„Es ist vergebens, meine lieben, guten Leute, noch länger zu widerstreben.Ob ihr wollt oder nicht wollet, ihr müßt orthodor werden. Ich wiederhole eS euchnoch einmal, eS ist des Kaisers unabänderlicher Wille, also auch Gottes Befehl.Laßr euch nicht länger mehr durch die Dominicaner hinhalten. Aas diesen haftetbereits die volle Ungnade Sr. Majestät. Euer aufrichtigster und bester Rathgeberist euer Kaiser, und in seinem Namen und an seiner Statt stehe ich vor euch undspreche zu euch."
Bei diesen mit besonderin Nachdrucke ausgesprochenen Worten rief eine Stimmemuten aus der Umgebung des Senators: „Auf die Kniee vor des Kaisers Stell-vertreter! Auf die Kniee! Die ganze Versammlung verneigte sich in Folge dieserAufforderung zwar ehrfurchtsvoll vor dem Senator, aber weiter nichts. Da schriensämmtliche Popen auS vollem Halse: „Ehrt man so den Kaiser in der Personseines Abgeordneten? Augenblicklich werfet euch vor dem Senator auf die Kniee undküsset ihm die Hand."
Das Volk, das über die Bedeutung dieser Aufforderung nicht recht klar wer-den konnte, blieb ruhig stehen. Da fiel die ganze Umgebung des SenatorS, mit denPopen an der Spitze, über die guten Leute her, und schleppten sie eines nach demandern zn den Füssen des SenatorS. Dieser reichte ihnen dann seine Hand dar zumKusse, und er selbst küßte hierauf jeden auf die Stirne, zum Zeichen, daß er sie nunals orthodor betrachte. Alle die mit einem Kusse begnadigt, hiednrch gleichsam dasSiegel ihres UebcrtrittS aufgedrückt erhielten, wurden sogleich auch als orthodor an-gesehen und dem Senator auf die rechte Seite gestellt, ihre Namen in ein bereitliegendes Buch eingetragen und so dessen Inhalt mit einer neuen Lüge vermehrt.Die zuletzt ankamen, merkten aber die teuflische List, und widerstanden aus Leibes-kräften jolch schmachvollem Vorgehen. Es waren aber nur mehr ihrer acht. Mit diesenwurde als Rebellen auf ähnliche Weise verfahren, wie wir bereits gelesen haben.Zuletzt sperrte man sie in einen Schweiustall ein.
Der Senator fühlte sich indessen ganz glücklich über solch guten Erfolg, undum seine Frende und seine Zufriedenheit hierüber kund zu geben, lud er die Bauernein, am andern Tage in die russische Kirche zur Kommunion zn kommen, und ließö Rubel, etwas über 9 st., als Trinkgeld unter sie vertheilen.
Das ist aber nicht der einzige Zug edler Freigebigkeit dieses Senators; wirwollen hier noch eines solchen Erwähnung thun. Als ein Bauer anS dem Dorfedes Hrn. Niedzwiccki, wegen Widerstandes gegen das Schisma vorn Assessor Zwierow halbtodt geprügelt, vor dem Senator erschien und, ihm seine entlößteu Schultern weisend,die so zerschlagen waren, daß die nackten Knochen hervorstanden vud die blutenden