für euch gethan zu eurer Rettung, war fruchtlos. Bereits ist das Dorf von denSoldaten umringt. Morgen, ja morgen schon, wenn ihr noch ferner dem Willendes Kaisers widerstrebet, werden die Martern wieder beginnen, und noch zehnmalärgere als bisher an euch verübt werden. Erstens wird man mit ZOO Hieben be-ginnen, und wer sich widersetzt bekommt noch weitere 500 und so fort. Dann kommtdie Knute und zuletzt Sibirien . Eure Weiber, Schwestern und Töchter fallen denentarteten Soldaten anheim. Wenn euch also euer Leben und eure Ehre, die Ehreeurer Weiber, Schwestern und Töchter lieb ist, so bitte ich euch inständigst, wider-setzet euch nicht länger mehr dem Befehle des Kaisers, sondern tretet zur griechischenKirche über; denn sein Entschluß ist unwioerrnflich. Ihr seid der Verfolgung ver-fallen, selbst über das Grab hinaus. Wollt ihr als Katholiken sterben, so wirdman euch einscharren wie llnheilige.
Auf solche Worte hin konnte daS brave Volk keine Antwort finden; eS betetennd befahl laut jammernd sein trauriges Schicksal dem Schatze Gottes. Tags dar-aus führte man vor der gesainmten versammelten Gemeinde den unglücklichen Vin-cent ein, der, früher ihr einziger Schutz nnd ihre Stütze, jetzt in Folge seiner ent-setzlichen Leiden seiner Sinne nicht mehr mächtig war. Und nur in solchem Zustandewar eS auch möglich, daß er eine sogenannte Erklärung seiner Anhänglichkeit an dieOrthodoxie unterzeichnete, womit man dann hochprahlcnd das Volk aufforderte, ihm,der als ihr Hanpt jetzt zur wahren Kirche sich gewendet, ebenfalls nachzufolgen.
Dieser Leidensmensch, fast unkenntlich gemacht durch die erlittenen Unbilden,stand da vor seinem Volke, aus Erschöpfung zitternd nnd die Augen niedergeschlagen,gleich einem Verbrecher, nnd ein lang anhaltender tiefer Senfzer entwand sich der Brnstaller Anwesenden.
Und dennoch waren alle diese teuflischen Erfindungen nicht vermögend, denGlauben dieses Heldeuvölklcins zu erschüttern. Vergebens blieben selbst jetzt noch er-neute Foltern, die der Gendarmerie-Oberst so vortrefflich anzuwenden verstand. Alleindie ganze Angelegenheit mußte zn Ende geführt werden; so kantete der Befehl desSenators, nnd zwar mit Hinweisung entweder auf die Gnade oder auf die Ungnadedes Kaisers. Man nahm also wieder seine Zuflucht zur Spendnng des Sacramentes,und ordnete auf den andern Tag, eS war den 14. Juli 1858 alter Zeitrechnung,eine allgemeine Commnnion an. Sowie Jemand ans seinem Hanse trat, nm seinerFeldarbeit nachzugehen, ergriff man ihn, schleppte ihn in die Kirche nnd nöthigte sieihm unter fortwährender Mißhandlung mit Gewalt ans. Nach diesem wurden dieNamen sämmtlicher Einwohner, gleichviel, ob sie gegenwärtig waren oder nicht, nocheinmal in das Buch des Verderbens eingetragen, des Verderbens nämlich für die-jenigen, die da mehr oder minder betheiligt waren.
Dieses verhängnißvolle Buch wurde dann durch den elenden ZarnowSki gleich-sam als ein Zeichen des Triumphes dem Senator übergeben, der vor lauter Rührungihm nm den Hals fiel, ihn mehrmal küßte, seinen beiden jüngern Töchtern Freiplätzeim ErziehnngSinstitnte der Kaiserin auswirkte nnd ihm noch weitere AnSsichten aufnoch größere Gnnstbezengnngen nnd Belohnungen eröffnete. Der unbegreifliche Herrvon Korsak setzte diesem Werke erst noch die Krone ans dadurch, daß er unmittelbardarauf die ältere Tochter dieses Schuften als seine Gattin heimführte. Und ach!vielleicht schon während dieser Hochzeitfeier nehmen diese blutigen Tranerscenen mitdem Tode eines so höchst bedauernswürdigen Unglücklichen ihren endlichen Abschluß.
Der edle Vincent nämlich, dem man jetzt wieder seinen Aufenthalt in Dzier-zanowicze gestattet-hatte, erfuhr später seinen angeblichen Abfall vom wahren Glau-ben. Da wurde der gute Mann ganz trostlos. Er lief von Hans zn HauS, be-weinte überall seinen Fehler nnd brachte ganze Nächte im Gebet und Jammern voreinem Bilde der heil. Jungfrau zn. Bereits gränzte sein Schmerz an Wahnsinn,nnd in einem äußerst heftigen Anfalle in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli,machte er auch wirklich durch eine Pistolenkugel seinem elenden Leben ein Ende.