Ausgabe 
20 (18.3.1860) 12
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genöthigt, mit seinem Begleiter nach Rom zurückzukehren ; aus der Reist gab ermehrere Male durch sein schlechtes Benehmen großen Anstoß.

Als er zu Rom ankam, wurde» die Docnmeute, mit deren Hilfe ihm seinBetrug gelungen war, nochmals untersucht, und man fand nun, daß das Papier derangeblich in Egypteu geschriebenen Briese das Wasserzeichen einer Fabrik zu Foliguoim Kirchenstaate trug. Es wurde ihm nun der Proceß gemacht, und er wurde zulebenslänglicher Einsperrnng.vernrtheilt. Zugleich wurde er in der Eapelle des hl.OfstcinmS feierlich degradirt in Gegenwart einer Anzahl von Studenten der Propa-ganda, der Anstalt, welche er durch sein Verbrechen besonders beschimpft hatte.

Es waren ungefähr zwanzig bis dreißig Personen bei dieser ergreifenden Cere-monie zugegen. Der Schuldige wurde von den Beamten dcS Gefängnisses in dieEapelle geführt, bekleidet mit den Gewändern und Jnstgien der bischö flichen Würde;sein Gesicht, welches immer abstoßend war, sah vor Scham und Schrecken ganzgespenstisch aus. Der snngirende Bischof nahm ihm die Miira, das Zeichen derbischöflichen Würde, welche er entehrt hatte, vom Haupte und warf sie auf denBoden; das Evangelicnbuch wurde ihm aus der Hand genommen, zum Zeichen, daßihm das Recht zu lehren entzogen worden sei; der Ring,das Zeichen der Treue",wurde ihm vom Finger gezogen und auf den Boden geworfen, weil erdie Kirche,die Braut Christi, verunehrt" hakte: der Hirtcnstab, welcher seine Gewalt zu leitenund zu strafen vcrsinnbildere, wurde ihm anS der Hand genommen; das Haupt unddie Hände wurden abgeschabt, um gleichsam die Wirkungen der Salbung mit demhl. Salböl zu vernichten; die Gewänder deS hl. AmteS, welches er beschimpft hatte,wurden ihm abgerissen und mit Füßen getreten; bei jedem einzelnen Theile derCeremonie sprach der Bischof die von der Kirche vorgeschriebenen feierlichen und er-greifenden Worte, durch welche die Bedeutung der Degradation erläutert wird. DerUnglückliche sank endlich nieder, wurde mit einem Büßergewandc beccckt und wieleblos anS der Eapelle hinausgetragen.

Die spätern Schicksale dieses unglücklichen Menschen können iu wenigen Wortenerzählt werden. Er wnrdc iu das Gefängniß des heil. Osficinms gebracht, erhieltaber die Erlaubniß, in dem ganzen großen Gebäude der Inquisition frei umherzu-gehen. Er that aufrichtig Buße. Der Sturm der Revolution von l8si8 störte ihnin seinen Gedanken an eine bessere Welt; er wurde genöthigt, daS Gebäude zu ver-lassen, welches er mehr als Stätte heiliger Znrückgezogenheit, denn als Gefängnißanzusehen sich gewöhnt hatte. Die republikanischen Behörden glaubten in ihm einpassendes Werkzeug für ihre Zwecke zu finden, nnd ersuchten ihn, iu Sanct Peterdas hl. Meßopfer darzubringen; er wies zn seiner Ehre sei es gesagt diesesAnsinnen mir Entrüstung zurück. Hätte ihn nicht die Gewisscnspflicht dazn bestimmt,so würden schon Rücksichten der Dankbarkeit für die Milde, mit der er behandeltworden war, ihn dazu vermocht haben, auf einen derartigen Vorschlag nicht einzugehen.Als die römische Republik nach kurzem Bestehen durch die Waffen dcS republikani-schen Frankreich vernichtet worden war, stellte er sich freiwillig wieder bei dem heil.Officium, und erklärte sich bereit, sein Gefängniß von neuem zu beziehen ; aber derPapst gestattete ihm, in Anerkennung seiner lobeuSwerthen Festigkeit gegenüber einergroßen Versuchung, sich in ein Kloster zurückzuziehen. Nach einiger Zeit wurde ihmvon dem heil. Vater nicht nur vollständige Begnadigung zu Theil, sondern auch einePension von monatlich 20 Scndi ausgesetzt. Noch jetzt kann man den egyptischenBüßer zu Rom an den hohen Festtagen vor den Altären der Kirche beten sehen,welcher er in seiner Jugend so großes Aergerniß gegeben.

Ein furchtbares Sacrilegium wurde von einem Weibe begangen, welches eineNonne gewesen war es war die einzige Nonne welche während des wüstenTaumels der Revolution abtrünnig wurde. Nachdem sie daS Kloster verlassen, begannsie ein schlechtes Leben, und hauStc mit einem der wüthenstcn Schreier gegen diepäpstliche Regierung zusammen. Nach der Wiederherstellung der Ordnung wurde