Ausgabe 
20 (25.3.1860) 13
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zu dem sich zum Theil aus großer Ferne, auch Protestanten hiesiger Stadt, ein-gefunden hatten, die sich alle mit uns herzlich freuten. Seitdem halten wirnun in unsrer kleinen, wenn auch noch dürftig ausgestalten Mutter-Gottes-Capelleabwechselnd feierlichen und Laien-Gottesdienft und versäumen es nie, varin rechtdringend für unsere guten Wohlthäter zu beten.

Von diesen sind etwas über 900 Thlr. eingegangen, so daß wir am 1. Oct.v. I. die eontractlich festgestellte Zahlung der 900 Thlr. machen konnten. Dieübrigen 1400 Thlr. bleiben für 3 Gläubiger aus dem Grundstück hypothekarischhaften und die Zinsen zu 41/2 °/o werden von der Gemeinde aufgebracht. Wirwären schon recht sehr zufrieden mit diesen Ergebnissen, wenn wir die Mittelbesäßen, die im vorigen Jahre ausgesetzten, noch nöthigen Erweiterungen derkleinen Capelle auszuführen. Unsere Armuth gestattet es nicht, dies aus eigenenMitteln zu bewirken wir vertrauen auch in dieser Beziehung auf den liebenGott, daß er uns helfen wird.

Im Uebrigen machen wir hier gute Fortschritte. Wenn wir uns auch alleReckte erst erkämpfen müssen, so bringen diese Kämpfe doch eben Leben in dieGemeinde. Zuerst war es die Kirchhofsfrage, welche von uns in Angriff ge-nommen wurde. Nachdem von der hiesigeck protestantischen Geistlichkeit in zweiFällen das katholische Begräbnis? auf dem protestantischen Kirchhofe verweigertworden war, beschwerten wir uns direet bei dem Minister und von diesem em-pfingen wir den vom 30. September v. I. datirten Bescheid, daß nunmehr dieprotestantischen Prediger hierselbst sich einverstanden erklärt hatten, daß die Be-erdigung der Mitglieder der katholischen Gemeinde durch deren Pfarrer auf demprotestautischcu Kirchhofe liturgisch vollzogen werde.

Sodann war es die Schulfrage, welche einen langen und scharfen Kampfhervorrief. Die Stadtbehörden protestirten gegen die von uns beantragte Con-cession einer Schule, auch hier mußte eine mehrseitige gerechte Beschwerde unshelfen genug des Protestes ungeachtet empfingen wir im November v. I.die Concession zur Errichtung einer katholischen Schule, in der gegenwärtig 25Kinder unterrichtet werden und welche dem Katholicismus einen daurcnden undfesten Halt gibt.

Um die Mitglieder der kleinen Gemeinde stets wach zu erhalten, ist imvorigen Jahre neben dem vor mehreren Jahren gestifteten und aggregirtcn St-Wineentius-Vcrein noch ein Pius-Verein hier gegründet, der fleißig besucht wird.

Aus Allem bicsem wollen Sie hochgeehrter Herr schließen, daß wir in Be-ziehung auf unsere hl. Religion ein reges Leben führen, was in der jetzigen bedräng-ten für die Katholiken so verhängnißvollen Zeit wohl noth thut.

Wollen Sie unseren edlen Wohlthätern aus dem Vorstehenden die densel'»den interessirenden Nachrichten in Verbindung mit unserem herzinnigsten Dankefür die gespendeten Gutthaten mittheilen, so würde uns das recht lieb sein, mög-lich daß ein Wohlthäter auch unserer ferneren Noth gedächte und ein weiteresSchärflein zur Abhilfe derselben uns schenkte, was wir mit besonderer Freudeund großem Danke annehmen würden.

Im Uebrigen verharren wir als Ew. Wohlgeboren

dankergebene DienerDer Vorstand der katholischen GemeindeWesener. Henke. Hövel.

Wie man sieht, ist, Dank der Hilfe Gottes, die auch in unsern so entfern-ten Gegenden manches Herz und manche Hand geführt und gerührt hat, zurLinderung geistiger Noth beizusteuern, für das Nöthigste wenigstens nunmehrin Perleberg gesorgt. Die noch in unseren Händen befindlichen Gaben im