Ausgabe 
20 (25.3.1860) 13
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Betrag von 32 fl. 11 kr., zu denen nachträglich aus Biber ach noch 6 fl. *)hinzugekommen, in Summa also 38 fl. II kr. , die wir nun gleichfalls anihren Bestimmungsort abgehen lassen, werden daselbst nicht minder willkommen sein.

Wir erlauben uns aber bei diesem Anlasse unsere geehrten Leser zugleichauf den nachstehenden Artikel aufmerksam zu machen, wo uns die Lage katho-lischer Gemeinden geschildert werden, in denen es leider noch an dem Aller-nöthigsten nämlich fehlt.

Die unglückliche Lage der Katholiken in Stargard und GoeöLin

in Pommern.

Stargard ist eine verkehrsreiche Stadt von 1-1,000 Einwohnern. Die katholischeGemeinde zählt am Orte ^00 Seelen vom Civilstande und 150 Militär-Personen.Außerdem leben in drei angränzenden Kreisen zerstreut noch an 200 Katholiken,welche in Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse ausschließlich auf Stargard an-gewiesen sind. Für diese 600 Katholiken nun, zu welchen noch eine bedeutende Zahlab- und zugehender Beamteten und Reisenden kommt, ist als Gotteshaus eine außerder Stadt gelegene Capclle, um jährlich 6 Thlr. vermickhcl, welche 36' lang, 18' breit,20' hoch und mit 100 Personen überfüllt ist. Rechnet man von der angegebenenZahl der Katholiken an Sonn- und Feiertagen nur den 3. Theil als Kirchenbesncher,so erhellt, daß die Hälfte vom Zutritt znm Gottesdienste ausgeschlossen bleibt. Aneinen herzerhebcudeu Schmuck der Capellc ist nicht zu denken; eine Fahne gibt esnicht; eine Sakristei kennt man nicht, ein Umgang beim sieht wie Iro-

nie anS, Processioncn sind unbekannt, die erhebenden Feierlichkeiten der Charwochc,des Frohnlcichnams ganz fremd. Keine Glocke ruft die Irenen Seelen zur Kirche,mahnt sie zum Gebet oder geleitet sie zum Giabe. Es eristirr kein Tausstein, derdie erwachsene Jugend au den ersten mit ihrer Mutter, der Kirche, geschlossenenBund erinnerte, und auf akatholischen Kirchhöfen müssen die letzten Ruheplätzchenmit schwerem Gelde erkauft werden. Vergebens haben sich seit 18^3 Geistliche undGemeinde an die Behörden um Abhilfe dieser Ucbelstände gewendet,- man hat nichtsgethan, als sie anf das Einsammeln milder Spenden verwiesen, mit deren Hilfedenn auch bic Erwerbung eines Pfarr- und Schulgcbäudcs, eines Banplatzes unddie Anlage eines kleinen BancapitalS ermöglicht wurde, aber die Mittel den Banzn beginnen, oder auch nur um die Genehmigung hiezn nachzusuchen, sind noch vielzu gering, und das Beste, eine Kirche, fehlt daher noch immer.

Gleich traurig wie in Stargard sind die Verhältnisse der Katholiken in CoeSlin.In dieser Stadt, welche einst der Sitz eines Bischofs gewesen, sind in der ehmalskatholischen Lateinschule eine Capelle, das Schnlloeal sowie die nöthigen Wohnangcnfür den Geistlichen und interimistischen Lehrer eingerichtet, und so nothdürftig alsdenkbar ausgestattet. Alles was von der Aermlichkeir und Unzulänglichkeit desGottcSdienstslocalS in Stargard gesagt worden, gilt in gleicher Weise auch von CoeSlin.

Alle jene Katholiken, welche das Glück haben ihrem Gölte ohne Hindernißund Beschwerde dienen zn können, besonders aber jene, welche mit zeitlichen Schätzengesegnet sind, finden hier ein weites Feld für die Thätigkeit christlicher Liebe, nudwir sind überzeugt, daß sie eingedenk deS Wortes:sammelt euch Schätze für denHimmel" ihr Schärflein beitragen werden zur Hcbnng des katholischen Glaubens,und zur Verherrlichung ihrer Religion. Gott wird's lohnen!

*) Als Motto wurden diesen jüngsten Gaben beigefügt:

Durch 3. 0. ?. aus Biberach. fl. 30 kr.

Nachträgliches Opfer in der wöchentlichen Roscnkranzandacht für das Wohl

des heiligen Vaters.5 fl. 30 kr.

Summa: 6 fl. kr.