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O nein, Mutter! Sie war so griesgrämig, theilnahmlos.
Wem denn?
Ich eilte in mein Stübchen und schloß dem lieben Gott mein Herz auf.
Wie fühltest Du Dich nach dem Gebete?
Mir war so wohl, wie wenn mir eine schwere Last zur Hälfte abge-nommen worden.
Gewahrst Du jetzt die Verschiedenheit!?
Ja, Mutter! Gott ward im Kreuztragen von einem Menschen unterstützt,wir aber erfreuen uns hierbei der göttlichen Hilfe.
Wessen Kreuz wird also eine sanftere Bürde sein?
Gewiß das uns'rige.
Noch mehr. Wenn uns Gott das Kreuz eine Strecke Weges tragen half,so nimmt er uns oft ganz.
Ja, allein auch Jesu ward das Kreuz genommen, nachdem es ihm Simeonmitgetragen.
Wohl war! Als aber Jesu das Kreuz abgenommen, ward er nicht darangeheftet, um zu sterben? — Und Du?
Als mir Gott mein Kreuz genommen und Dich wieder gesund werden ließ,begann für mich ein neues Leben.
Siehe! mein Kind! So ist die Passionsblume ein Mahnbild, wie wir imLeiden dem Erlöser ähnlich werden können und sollen zur Belebung unseresMuthes; sie erinnert uns aber auch an die unendliche Verschiedenheit zwischengöttlichem und menschlichem Leiden zur Demüthigung unseres Herzens.
Der Verein der unbefleckten Empfängnis Mariä zur Unterstützungder Katholiken im Orient.
In mannigfachen Weisen tönen schon seit vielen Jahrzehnten die Seufzerder katholischen Bewohner der westlichen Provinzen des türkischen Reiches in dieösterreichische Monarchie hinüber. Indeß die Bevölkerung des östlichen Bosniendem Schisma heimfiel, ist die näher liegende des Westens vom Anbeginn Heu biszum heutigen Tage der katholischen Kirche treu geblieben. Der Adel des Landessicherte Lei dem Einbruch der Türken seinen Besitz durch den Abfall zum Islam.Unter öfters wiederkehrenden schweren Verfolgungen fand sich ein großer Theilder glaubenstreuen Einwohner zur Auswanderung genöthigt. Von dreißig Fran-ziscanerklöstern, die einst für die Erhaltung der christlichen Lehre und des christ-lichen Lebens wirkten, haben blos drei die schweren Stürme der Zeit überdauert,die andern sieben und zwanzig sind verschwunden. Jenen ist die Erhaltung deskatholischen Glaubens unter großen Mühen, unter niemals weichenden Gefahrenzu verdanken. Sämmtliche Priester des Landes gehören diesem eifervollen Ordenan. Aus einem Flächenraume, welcher den von Mähren und österreichisch Schlesien übertrifft, wohnen 120,000 Katholiken des kroatischen Volksstammes. Sie sindinsgesammt eben so arm, als glaubenscifrig. Durch das ganze Land zerstreutwerden sie Wohl in 56 Pfarreien eingetheilt, besitzen aber blos fünf Kirchen, dreidavon jenen Franziscaner-Conventen angebaut, zwei kleine anderwärts. Dajedoch alle fünf zusammen kaum den sechzigsten Theil der Katholiken fassen könnten,diese nicht selten, um zu einer solchen zu gelangen, Tagereisen zurückzulegen hätten,so müssen die Priester die hl. Messe meistentheils auf freiem Felde, unter Zelt-dächern oder Laubhütten feiern; an Orten, wo sie etwas besser dran sind, in Bretter-Hütten neben Viehställen, an Oertlichkeitcn, welche einzig dem Priester ein noth-dürftiges Obdach gewähren, während die Gemeinde in Staub, Schlamm oder