Ausgabe 
20 (3.6.1860) 23
Seite
180
 
Einzelbild herunterladen

Schnee knieend dem Gottesdienst beiwohnt. Oft muß von dem bewaffneten undnach türkischer Weise gekleideten Ordensmanne die heil. Wegzehrung über unweg-same Gebirge auf Tagreisen weit gebracht werden. Daß es überhaupt in diesemLande noch Priester gibt, ist einzig der christlichen Fürsorge des österreichischenKaiserhauses zu danken.

Zwar hat in neuerer Zeit die Verhandlung des verstorbenen F--M.-L-Grafen von Leiningen mit dem Sultan den katholischen Christen Bosniens dieBefugniß erwirkt, neue Kirchen bauen, neue Franziscanerconvente gründenzu dürfen. Wie sollen aber die Gläubigen bei ihrer bitteren Armuth dieses er-freuliche Zugeständniß sich zu Nutze machen, da es ihnen an allen Mitteln hiesürgebricht? Wohl haben sie aus ihren Nothpfennigen Bauplätze sich angekauft, wohlschleppen sie auf ihren Schultern über Pfadlose Strecken Steine und andere Bau-materialien zusammen; aber mit all dem erheben sich noch keine, wenn auch nochso ärmlich ausgestattete Kirchen. Erst seit einigen Jahren fließt aus den Samm-lungen des St. Franz-Laver-Missionsvereins den Bosniern jährlich eine Summezu; aber auch das ist dem schreienden Bedürfnisse gegenüber nur ein ärmlicherNothbehels. Diese Thatsachen, obiger wahrheitsgemäßen Schilderung der kirchlichenZustände Bosniens an die Seite gestellt, heben die Nothwendigkeit eines aus-giebigeren und nachhaltigen Mitwirkens durch die Gläubigen des Abendlanvesin der augenfälligsten Weise hervor. Diese Nothwendigkeit wird noch einleuch-tender durch die Erwägung, daß einzig die katholische Geistlichkeit, d. i. der se-raphische Orden es ist, welche die Achtung vor abendländischer Sitte, Bildungund Wissenschaft auch unter den Muhamedanern Bosniens fortwährend erhält,und. daß es wahrscheinlich nur eines ernsten Anstoßes bedürfte, um die ursprüng-lich slavische Bevölkerung dieses Landes in großer Zahl zum christlichen Glaubenzurückzuführen. Demnach würde andauernde Bethätigung christlicher Liebe nicht s

blos tröstend, beruhigend, ermunternd auf die Mitlebenden einwirken, sondern zu- !

gleich eine erfreulichere Zukunft anbahnen.

Ist zwar in Alt-Serbien die Zahl der Katholiken unbeträchtlicher, als inden bisher genannten Landschaften, so ist deren Erhaltung um so dringlicher, dadort das höchst Berücksichtigungswerthe vorkömmt, daß hier und da in einem Hauseheimlich katholischer Gottesdienst gefeiert wird, indeß die Bewohner öffentlich inder türkischen Moschee sich einfinden. Knüpft sich nicht hierin die Hoffnung, dienoch nicht erloschenen Erinnerungen an die Vergangenheit dürften früher oderspäter wieder zum hellen Bewußtsein sich entfalten? Soll nicht Jeder, dem seinGlaube und seine Kirche lieb sind, hierin eine Mahnung erkennen, zur Erhaltungdes noch Vorhandenen, zur Anbahnung einer heiteren Zukunft willfährig beizu-tragen ?

Wenden wir uns nach Macedonien. und dem Oesterreichs Gränzen noch nähergelegenen Albanien .

Auch in diesen Landschaften ist die Erhaltung des katholischen Glaubenseinzig dem unbesiegbaren Eifer der armen Jünger des heil. Franziscus zu ver- idanken. Unter dem Erzbischof von Durazzo stehen in achtzehn Gemeinden etwasüber 8000 Katholiken, unter 140,000 Muhamedaner und eben so viele Schisma-tiker zerstreut. Drei von jenen Gemeinden entbehren einer Kirche, so daß derPriester zur Feier des Gottesdienstes einer Privatwohnung sich bedienen muß.

Die vorhandenen Kirchen sind meistentheils sehr klein, nach morgenländischer Weiseblos aus getrockneten Backsteinen erbaut. Mehr, als Materialien für ihre gottes-dicnstlichen Gebäude mühsam herbeizuschaffen, vermögen bei drückender Armuthdie Gläubigen auch hier nicht. Die meisten dieser Kirchen besitzen ein eizigesMeßgewand, welches für jedes Fest dienen muß, einen einzigen Kelch, diesen nichtimmer in der vorgeschriebenen Beschaffenheit. Dann fehlen Altarleuchter und f