Ausgabe 
20 (3.6.1860) 23
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Anderes, was der einfachste Gottesdienst erheischt. Wie dringlich wäre nicht Hilfeschon in dieser Beziehung!

Der Erzsprengel von Antivari, ebenfalls in Albanien , zählt gegen 7000' Katholiken; in den Sprengeln von Scutari und Alexia wohnen deren mehr.Die Lage Aller ist keine günstigere, als in den bisher genannten Landschaftender europäischen Türkei . Wie sehr die von Armuth gedrückten Katholiken derUnterstützung ihrer diesseitigen Glaubensgenossen bedürfen, erhellet auch daraus,daß ihre Bischöfe sich hinreichend ausgestattet sehen, wenn jedem 200 Scudi durchdie Propaganda zu Rom zugestellt werden, sie im Uebrigen auf die Gaben derArmuth ihrer höchst bedürftigen Pflegebefohlenen sich angewiesen sehen; so wiedaß ein Missionär mit dem zehnten Theile des erwähnten Betrages durch dasganze Jahr hiedurch sich behelfen muh.

Betrübend muß es für jedes lebendige Glied der Kirche sein, zu vernehmen,daß die Zahl der Katholiken in den Provinzen der europäischen Türkei sich ver-mindert. Aus dieser Thatsache sollte eine ernste Mahnung an dasselbe ergehen,vereint mit Anderen dazu beizutragen, daß die noch Vorhandenen in ihrem Glaubenerhalten werden, die Zahl derselben sich mehre. Zu jener Verminderung habenfreilich Verfolgungen Lurch die Moslemin, arge Bedrückungen von Seite derSchismatiker vielfach beigetragen; ein Grund derselben liegt aber auch in demMangel an Priestern. Dieser zwingt nicht selten die Gläubigen, ihre Ehen durchSchismatiker einsegnen, durch diese ihre Kinder taufen zu lassen. So ist es ge-kommen, daß selbst ganze Gemeinden ihrem katholischen Glauben entsagt haben,wie dieses zu Nikopolis an der Donau in Bulgarien geschehen ist.

Jenen, durch Jahrhunderte andauernden Bedrängnissen und Beschränkungengegenüber hat die neueste Zeit das Erfreuliche gebracht, daß von den Christenin de^ Türkei namentlich den katholischen durch den Hat-Humayum desSultans der bisher auf ihnen lastende Druck, das empfindlichste Hemmniß ihrergottesdienstlichen Uebungen, hinweggenommen werden soll. Stellen sich auch derDurchführung dieses Erlasses noch manche Hindernisse entgegen, der Verlauf derZeit, der Glaubensmuth unserer Mitchristen wird dieselben allmälig beseitigen;die Befugniß, neue Kirchen zu Lauen, die bisherigen herzustellen, sie zu erweitern,wird und muß endlich vom Papier ins Leben übergehen. Damit dieses geschehe,müssen diese armen Völkerschaften auf das Gebet und die werkthätige Mithilfeihrer begüterten und rücksichtlich ihrer geistlichen Bedürfnisse längst sicher gestelltenMitbürger zählen dürfen.

Diese Zustände, die übrigens auch in Kleinasien und bis hinein an denGanges sich fühlbar machen, haben bei mehreren wohlgesinnten Männern derösterreichischen Monarchie geistlichen und weltlichen Standes die Fragehervorgerufen: ob es nicht pflichtgemäß und möglich wäre, den Katholiken dieserGebiete einige Hilfe zuzuwenden? Der Gedanke an Gründung eines über die ganzeMonarchie sich erstreckenden Vereines zu diesem Endzweck lag- nahe. Bedenkenwir die Katholiken Nordamerikas , machen wir es möglich, daß den Negern desinnersten Afrika '» das Licht des Evangeliums leuchte, sollten da nicht auf dieungleich näher liegenden hilfsbedürftigen Glaubensgenossen ebenfalls die Blickeund die Bestätigung der christlichen Liebe zu wenden sein? Unter diesen Erwä-gungen reifte der Vorsatz, die Gründung eines Vereins unter dem Schutze verunbefleckt empfangenen heil. Jungfrau und zum Zweck der Unterstützung der Ka-tholiken im türkischen Reiche und im Orient in Anregung zu bringen.

Da dieses Vorhaben die Kirche berührte, ward zuerst die Willensmeinungdes Oberhirten der Wiener Erzdiözese, Sr. Em. des Cardinal-Erzbischofsv. Rauscher vernommen. Seine Eminenz sah in dem Vorhaben ein an sich ver-dienstliches in seinen Folgen und Wirkungen auch anderweitig ersprießliches Werk,säumte daher nicht, dasselbe gutzuheißen. Hiernach ergab sich kein Hinderniß, von